Deutscher Gewerkschaftsbund

31.01.2019
Branchen-Mindestlöhne im Überblick

Mindestlohn für Dachdecker steigt ab Juni 2020

Stand der Daten: 7. November 2019

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Ab dem 1. Januar 2020 bekommen die Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk einen höheren Mindestlohn.

Dachdecker arbeitet auf dem Dach

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Branchen-Mindestlöhne

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Ge­werkschaften und Arbeitgebern in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Mehr Details zu Branchen-Mindestlöhnen in der Liste weiter unten.

Den jeweils aktuellsten Stand der Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz finden Sie beim WSI-Tarifarchiv.

Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF (Stand: 7. November 2019)

Branchen-Mindestlöhne im Überblick

AUS- UND WEITERBILDUNG: Für die rund 30.000 Beschäftigten in der Aus- und Weiterbildung gilt ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn von mindestens 15,26 Euro. Pädagogische Mitarbeiter/innen erhalten ab 1. Januar 2020 16,19 Euro, Pädagogische Mitarbeiter/innen mit Bachelorabschluss 16,39 Euro.

BAUGEWERBE: Nach dem neuen Mindestlohn-Tarifvertrag, der vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019 gültig ist, gilt ein Branchen-Mindestlohn von 12,20 Euro.

DACHDECKERHANDWERK: Gesellen verdienen ab dem 1. Januar 2020 13,60 Euro pro Stunde. Für Ungelernte liegt der Mindestlohn dann bei 12,40 Euro.

ELEKTROHANDWERK: Der Mindeststundenlohn für alle Beschäftigten soweit sie elektro- und informationstechnische Tätigkeiten ausüben beträgt ab de, 1. Januar 2020 11,90 Euro.

FLEISCHINDUSTRIE: Für die rund 80.000 Beschäftigten der Fleischindustrie gilt der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro.

LAND- UND FORTSWIRTSCHAFT, GARTENBAU: Ab Januar 2020 gilt der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro .

GEBÄUDEREINIGUNG: Für die rund 700.000 Beschäftigten gibt es ab dem 1. Januar 2020 für die Innen- und Unterhaltsreinigung einen Mindestlohn von 10,80 Euro (West) bzw. 10,55 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung gibt es mindestens 14,10 Euro (West) und 13,50 (Ost).

GELD- UND WERTDIENSTE: Die Branchen-Mindestlöhne für die Geld- und Wertdienste sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Außerdem wird nach den Tätigkeiten "Geld- und Werttransport" und "Geldbearbeitung" unterschieden. Die Branchen-Mindestlöhne liegen derzeit zwischen 12,16 Euro pro Stunde und 18 Euro pro Stunde. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne bei den Geld- und Wertdiensten.

GERÜSTBAUERHANDWERK: Der Mindestlohn für die rund 31.000 Beschäftigten beträgt seit Juni 2019 11,88 Euro.

MALER- UND LACKIERHANDWERK: Ungelernte Arbeiter in der Branche mit rund 115.000 Beschäftigten erhalten seit Mai 2019 mindestens 11,10 Euro. Für Gesellen (Ost) erhöht sich ab diesem Zeitpunkt der Mindestlohn auf 12,95 Euro. Der Mindestlohn für Gesellen in West inkl. Berlin beträgt 13,30 Euro.

Die nächste Erhöhung steht dann im Mai 2020 an. Ab dann erhalten ungelernte Arbeiter einen Mindestlohn von 11,10 Euro. Gesellen erhalten dann bundesweit 13,50 Euro (West und Ost).

PFLEGEBRANCHE: Für die Arbeitnehmer in den alten Bundesländern gilt ab Januar 2020 ein Mindestlohn von 11,35 Euro (inkl. Berlin). Die ostdeutschen Beschäftigten bekommen dann einen Lohn von mindestens 10,85 Euro.

SCHORNSTEINFEGERHANDWERK:  Für die rund 7.500 Beschäftigten gilt bis 12/2020 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 13,20 Euro.

STEINMETZ- UND STEINHAUERHANDWERK: Für die rund 13.200 Steinmetze und Bildhauer in Deutschland gilt bis April 2020 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 11,85 Euro (Allgemeinverbindlichkeit noch nicht erteilt). Ab dem 1. Mai steigt der Mindestlohn für Steinmetze und Steinhauerhandwerker dann auf 12,20 Euro

TEXTIL- UND BEKLEIDUNGSINDUSTRIE: Es gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro.

WÄSCHEREIDIENSTLEISTUNGEN IM OBJEKTKUNDENGESCHÄFT: Es gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro.

Quelle der Daten: WSI-Tarifarchiv

Alle Angaben ohne Gewähr.

Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn

Gesetzlicher Mindestlohn beträgt 9,35 Euro

Die Mindestlohn-Kommission hat am 28. Juni 2018 in Berlin beschlossen, der Bundesregierung eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro vorzuschlagen. 

Diesen Vorschlag hat die Bundesregierung am 31. Oktober 2018 per Verordnung festgelegt. Er gilt ab dem 1.1.2019.


Viele Branchen-Mindestlöhne liegen über 9,35 Euro – und das bleibt auch so

Eine wichtige Frage: Gelten die (über 9,35 Euro liegenden) Branchenmindestlöhne trotz gesetzlichem Mindestlohn von 9,35 Euro weiter?

Und eine klare Antwort: Ja, die über 9,35 Euro liegenden tariflich ausgehandelten Branchenmindestlöhne behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Kein Arbeitgeber darf sie mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn kürzen.

Mindestlohn-Ausnahmen gelten nicht für Branchen-Mindestlöhne

Eine wichtige Frage: Gelten die Ausnahmen, die für den gesetzlichen Mindestlohn vorgesehen sind, künftig auch für Branchenmindestlöhne?

Und eine klare Antwort: Nein. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn (zum Beispiel für minderjährige Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose) gelten nur für den vom Gesetzgeber beschlossenen Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn und die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne sind zwei Paar Schuhe. Was von den Tarifpartnern in den Branchen-Mindestlöhnen ausgehandelt wurde, hat auch weiterhin Bestand – auch für unter 18-Jährige und ehemals langzeitarbeitslose Beschäftigte.


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