Deutscher Gewerkschaftsbund

31.01.2019
Branchen-Mindestlöhne im Überblick

Mindestlohn für Gerüstbauer steigt ab Juni 2019

Stand der Daten: 31. Januar 2019

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Ab 1. Juni 2019 steigt der Mindestlohn für die Beschäftigten im Gerüstbauerhandwerk.

Bauerabeiterin mit zwei Bauerabeitern auf einem Gerüst

DGB/goodluz/123RF.com

Branchen-Mindestlöhne

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Ge­werkschaften und Arbeitgebern in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Mehr Details zu Branchen-Mindestlöhnen in der Liste weiter unten.

Den jeweils aktuellsten Stand der Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz finden Sie beim WSI-Tarifarchiv.

Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF (Stand: 13. November 2018)

Branchen-Mindestlöhne im Überblick

AUS- UND WEITERBILDUNG: Für die rund 30.000 Beschäftigten in der Aus- und Weiterbildung gilt ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn von mindestens 15,26 Euro. Pädagogische Mitarbeiter/innen erhalten ab 1. Januar 2019 15,72 Euro, Pädagogische Mitarbeiter/innen mit Bachelorabschluss 15,79 Euro.

BAUGEWERBE: Nach dem neuen Mindestlohn-Tarifvertrag, der vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019 gültig ist, gilt ein Branchen-Mindestlohn von 12,20 Euro. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne in der Baubranche.

DACHDECKERHANDWERK: Gesellen erhalten seit 1. Januar 2019 13,20 Euro. Für Ungelernte liegt der Mindestlohn bei 12,20 Euro.

ELEKTROHANDWERK (Montage): Der Mindeststundenlohn für knapp 360.000 Beschäftigte beträgt seit 1. Januar 2019 11,40 Euro.

FLEISCHINDUSTRIE: Für die rund 80.000 Beschäftigten der Fleischindustrie gilt ein Mindestlohn von 9,00 Euro. Die Allgemeinverbindlichkeit ist noch nicht erteilt.

LAND- UND FORTSWIRTSCHAFT, GARTENBAU: Seit Januar 2019 gilt der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro .

GEBÄUDEREINIGUNG: Für die rund 700.000 Beschäftigten gibt es seit 1. Januar 2019 für die Innen- und Unterhaltsreinigung einen Mindestlohn von 10,56 Euro (West) bzw. 10,05 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung gibt es mindestens 13,82 Euro (West) und 12,83 (Ost).

Der Mindestlohn steigt ab 1. Januar 2020 bundeseinheitlich: für die Innen -und Unterhaltsreinigung auf 10,80 Euro (West und Ost) bzw. für die Glas- und Fassadenreinigung auf 14,10 Euro (West und Ost).

GELD- UND WERTDIENSTE: Die Branchen-Mindestlöhne für die Geld- und Wertdienste sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Außerdem wird nach den Tätigkeiten "Geld- und Werttransport" und "Geldbearbeitung" unterschieden. Die Branchen-Mindestlöhne liegen derzeit zwischen 10,38 Euro pro Stunde und 16,53 Euro pro Stunde. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne bei den Geld- und Wertdiensten.

GERÜSTBAUERHANDWERK: Der Mindestlohn für die rund 31.000 Beschäftigten beträgt seit Juli 2018 11,35 Euro und erhöht sich ab 1. Juni 2019 auf 11,88 Euro.

MALER- UND LACKIERHANDWERK: Ungelernte Arbeiter in der Branche mit rund 115.000 Beschäftigten erhalten seit Mai 2018 mindestens 10,60 Euro. Für Gesellen gelten ab diesem Zeitpunkt Mindestlöhne von 13,30 Euro (West, inkl. Berlin) und 12,40 Euro (Ost).

Ab Mai 2019 erhalten ungelernte Arbeiter mindestens 10,85 Euro. Für Gesellen (Ost) erhöht sich ab diesem Zeitpunkt der Mindestlohn auf 12,95 Euro.

Die nächste Erhöhung steht dann im Mai 2020 an. Ab dann erhalten ungelernte Arbeiter einen Mindestlohn von 11,10 Euro. Gesellen erhalten dann bundesweit 13,50 Euro (West und Ost).

PFLEGEBRANCHE: Für die etwa 800.000 Arbeitnehmer gilt seit Januar 2019 Mindestlöhne von 11,05 Euro in Westdeutschland (inkl. Berlin) und 10,55 Euro in den neuen Bundesländern. Sie steigen im Januar 2020 auf 11,35 Euro (West) und 10,85 Euro (Ost).

SCHORNSTEINFEGERHANDWERK:  Für die rund 7.500 Beschäftigten gilt bis 12/2020 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 13,20 Euro.

STEINMETZ- UND STEINHAUERHANDWERK: Für die rund 13.200 Steinmetze und Bildhauer in Deutschland gilt ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 11,40 Euro.

TEXTIL- UND BEKLEIDUNGSINDUSTRIE: Es gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro.

WÄSCHEREIDIENSTLEISTUNGEN IM OBJEKTKUNDENGESCHÄFT: Es gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro.

Quelle der Daten: WSI-Tarifarchiv

Alle Angaben ohne Gewähr.

Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn

Gesetzlicher Mindestlohn beträgt 9,19 Euro

Die Mindestlohn-Kommission hat am 28. Juni 2016 in Berlin beschlossen, der Bundesregierung eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro/Stunde vorzuschlagen. Die Bundesregierung hat dann am 16. Oktober 2016 die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2017 beschlossen. Sie setzte damit die Entscheidung der Mindestlohnkommission um.

So ging es weiter:

Die Mindestlohn-Kommission hat sich am 26. Juni 2018 erneut beraten und eine Erhöhung des Mindestlohns zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro empfohlen. Diesen Vorschlag hat die Mindestlohnkommission an die Bundesregierung gerichtet, die den neuen Mindestlohn am 31. Oktober 2018 per Verordnung festgelegt hat. Er gilt ab dem 1.1.2019.


Viele Branchen-Mindestlöhne liegen über 9,19 Euro – und das bleibt auch so

Eine wichtige Frage: Gelten die (über 9,19 Euro liegenden) Branchenmindestlöhne trotz gesetzlichem Mindestlohn von 9,19 Euro weiter?

Und eine klare Antwort: Ja, die über 9,19 Euro liegenden tariflich ausgehandelten Branchenmindestlöhne behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Kein Arbeitgeber darf sie mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn kürzen.

Mindestlohn-Ausnahmen gelten nicht für Branchen-Mindestlöhne

Eine wichtige Frage: Gelten die Ausnahmen, die für den gesetzlichen Mindestlohn vorgesehen sind, künftig auch für Branchenmindestlöhne?

Und eine klare Antwort: Nein. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn (zum Beispiel für minderjährige Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose) gelten nur für den vom Gesetzgeber beschlossenen Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn und die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne sind zwei Paar Schuhe. Was von den Tarifpartnern in den Branchen-Mindestlöhnen ausgehandelt wurde, hat auch weiterhin Bestand – auch für unter 18-Jährige und ehemals langzeitarbeitslose Beschäftigte.


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