Deutscher Gewerkschaftsbund

20.02.2019
Buchvorstellung - 100 Jahre Frauenwahlrecht

Frauen wollen die Hälfte der Macht

Deutschland feiert 100 Jahre Frauenwahlrecht. Trotzdem klaffen die Arbeitsbedingungen zwischen Männer und Frauen immer noch weit auseinander. Zeit das zu ändern.

Seit 31 Jahren putzt Petra Vogel Fußböden, Toiletten und OP-Säle im Universitätsklinikum Bergmannsheil. Männliche Kollegen hat sie kaum. 95 Prozent aller Reinigungskräfte im Universitätsklinikum Bergmannsheil seien Frauen, sagt sie. „Putzen ist eine Frauendomäne. Nur in der Geschäftsleitung gibt es fast ausschließlich Männer“.

Kommt noch was rein

Elke Hannack (DGB-Vize), Elke Büdenbender (ehemalige Verwaltungsrichterin und Frau des Bundespräsidenten), Rita Süßmuth (ehemalige Bundestagspräsidentin), Eva Högl (MdB, SPD). Foto: Bettina Ausserhofer

So beschreibt es Vogel in dem von der Hans Böckler Stiftung herausgegebenen Buch „Wir haben die Wahl!“. Neben Vogel sprechen in dem Buch 100 Frauen über ihre Erfahrungen, in einer immer noch von Männern dominierten Welt. Darunter auch Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Frage nach Gleichberechtigung noch nicht vom Tisch

„Ich beobachte die patriarchalen Strukturen in Deutschland schon mit Sorge“, sagte Hannack bei einer Podiumsdiskussion, im Anschluss an die Buchvorstellung, am 19. Februar, im Literaturhaus Berlin. Es sei skandalös, dass vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer, die im Niedriglohnsektor arbeiten, Aufstockungsleistungen beantragen müssten, so Hannack. „Solange wir nicht ändern, dass vor allem Frauen im Niedriglohnsektor arbeiten, ändern wir gar nichts. Dann kämpfen wir um das Überleben.“ sagte Vogel.

„Auch Frauen in Führungspositionen sind immer noch schlechter bezahlt, als ihre männlichen Kollegen“, sagte Elke Büdenbender, ehemalige Verwaltungsrichterin, Ehefrau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und ebenfalls eine der Porträtierten Frauen in dem Buch. Nach 100 Jahren Frauenwahlrecht sei die Frage von Parität und Gleichberechtigung nicht vom Tisch, so Büdenbender. Am 19. Februar 1919 hielt Marie Juchacz als erste gewählte Abgeordnete eine Rede vor der Weimarer Nationalversammlung.

„Parität ist eine Selbstverständlichkeit, die uns Frauen verwehrt wird“, Elke Hannack.

„Mit diesem Buch wollten wir zeigen, was seitdem erreicht wurde und was noch zu tun ist“, sagte Michael Guggemos, Geschäftsführer der Hans-Böckler-Stiftung in seiner Eröffnungsrede. Im Sommer 2018 reisten die Autorin und Journalistin Ingeborg Wahle und der Fotograf Christian Irrgang quer durch Deutschland, um die Stimmen von 100 Frauen einzufangen. So entstand ein Cluster aus Geschichten, von Frauen unterschiedlichsten Alters und aus unterschiedlichsten Berufen, die eindrücklich aus ihrem Leben erzählen. Die Forderung nach Gleichstellung ist der rote Faden, der die Geschichten verbindet.

"Parität ist eine Selbstverständlichkeit"

In der Wirtschaft, aber besonders in der Politik sei die Gleichstellung von Männern und Frauen noch lange nicht angekommen, lautete der Konsens aller Diskussionsteilnehmerinnen bei der Buchvorstellung. „Parität ist eine Selbstverständlichkeit, die uns Frauen verwehrt wird“, so Hannack mit Blick auf die anstehende Wahlrechtsreform der Bundestagswahl. Jetzt sei der Moment, um die Parität endlich einzuführen, sagte auch Rita Süßmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin bei der Podiumsdiskussion. „Die Quote von 30 Prozent war nur ein Trippelschritt, wir brauchen die Parität. Denn Frauen brauchen Macht, um Einfluss nehmen zu können“, so Süßmuth. Damit Putzen keine Frauensache bleibt.


Nach oben

Weitere Themen

Der DGB-Zu­kunfts­dia­log
Text: "Reden wir über..." Der Zukunftsdialog; davor stilisierte Satzzeichen (Fragezeichen, Ausrufezeichen, ...)
DGB
Mit dem DGB-Zukunftsdialog starten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften einen breiten gesellschaftlichen Dialog. Wir fragen, was die Menschen in Deutschland bewegt, sammeln ihre Antworten und entwickeln daraus Impulse für eine gerechtere Politik in Deutschland.
weiterlesen …

Jetzt un­ter­schrei­ben: Be­zahl­ba­res Woh­nen für al­le!
Kleines und großes Haus jeweils mit kleinem und großem Münzstapel
DGB/Anna Grigorjeva/123RF.com
Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Handelsware - doch inzwischen können sich breite Schichten der Bevölkerung das Dach über dem Kopf kaum noch leisten. Mit der Europäischen Bürgerinitiative "Housing for all" fordern wir die EU auf, die Rahmenbedingungen für bezahlbares Wohnen zu verbessern. Geben auch Sie Ihre Stimme ab!
zur Webseite …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
100 Jahre Frauenwahlrecht: Es ist noch viel zu tun
Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt. Ein wichtiger Schritt - doch von einer wirklichen Gleichstellung sind wir immer noch weit entfernt. Auch heute noch werden Fauen schlechter bezahlt, auch heute noch leisten sie einen Großteil der Familienarbeit - während Männer nach wie vor die Führungsetagen in Politik und Wirtschaft dominieren. weiterlesen …
Artikel
Studien zeigen: Frauen bei Familien- und Hausarbeit im Nachteil
Verschiedene Studien zeigen: Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit in Haushalt und Familie als Männer – auch, wenn beide Partner in einer Beziehung berufstätig sind. Das bedeutet auch finanzielle Nachteile für die Frauen. weiterlesen …
Link
Aufruf zum Internationalen Frauentag am 8. März 2019
Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Im Jahr der Europawahl rufen die Frauen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) alle Wahlberechtigten auf, mit ihrer Stimme die demokratischen Kräfte in Europa bei der Wahl am 26. Mai zu stärken. Wir wollen ein politisch vereintes, demokratisches, wirtschaftlich starkes und sozial gerechtes Europa! zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten