Deutscher Gewerkschaftsbund

05.03.2018
Infrastruktur und Digitalisierung

Santander: Streifzug durch eine "smarte Stadt"

Was eine vernetzte und digitalisierte Kommune für Bewohner und Beschäftigte bedeutet

Gebäude im spanischen Santander

Gebäude im spanischen Santander Stéphane Neckebrock/flickr.com; CC BY-NC-ND 2.0

  • Nie mehr eine Parklücke suchen, weil digitale Systeme sofort zu einem freien Parkplatz leiten?
  • Sobald die Mülltonne voll ist, kommt die Müllabfuhr?
  • Schlaglöcher sofort per App an die Stadtverwaltung melden?
  • Und sofort mehr Beleuchtung, sobald man nachts die dunkle Seitenstraße betritt?

Die spanische Stadt Santander ist näher dran an diesen Zukunftsvisionen als jede andere Stadt in Europa. Denn Santander ist die erste europäische "SmartCity": 20.000 Sensoren sind in der Stadt angebracht und erfassen Verkehr, Wetter oder auch die Bewegung von Fußgängern.

Was bedeutet das für die Menschen, die dort leben – und was für die, die dort arbeiten? DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell hat sich am 28. Februar und am 1. März 2018 vor Ort einen Eindruck verschafft und mit Wissenschaftlern, Kommunalpolitikern und spanischen Gewerkschaften gesprochen.

Das "SmartSantander-Projekt" ist ambitioniert. Die Sensoren erfassen diverse Aspekte, die für die Infrastruktur, den öffentlichen Dienst und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt relevant sind.

Manche Sensoren erfassen freie Parkplätze, andere sind an Mülltonnen angebracht und erkennen, wenn diese voll sind. Dann kommt die Müllabfuhr – Vorteil für die Stadt: Die Müllabfuhr muss auf ihren Touren nicht alle Mülltonnen anfahren, sondern nur die, die tatsächlich voll sind. Ein effektives System.

Auch das Wetter wird erfasst

Straße im spanischen Santander bei Regen

Innenstadt von Santander bei Regen juanjominor/flickr.com; CC BY-NC-ND 2.0

Wieder andere Sensoren messen Wetter und Witterung: Die öffentlichen Grünanlagen der Stadt werden über automatische Bewässerungssysteme nur dann bewässert, wenn es auch tatsächlich notwendig ist.

Und auch die öffentlichen Straßenlaternen in Santander sind mit Sensoren ausgestattet: Sie schalten sich über Bewegungsmelder automatisch ein, wenn Fußgänger oder Autos vorbeikommen. Die übrige Zeit leuchten sie nur "gedimmt". So hat Santander 25 Prozent seiner Energiekosten für die Beleuchtung eingespart.

Digitale Stadt in "Bürgerhand"?

Doch es gibt auch Kritik: Smart-City-Konzepte nutzen zwar in vielen Fällen der Stadt und den Bürgerinnen und Bürgern – hinter den Konzepten stehen aber nicht selten kommerzielle Interessen von Unternehmen, die mit der Digitalisierung der städtischen Infrastruktur Geld verdienen wollen, nicht zuletzt mit den gesammelten Daten. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat deshalb im "BERLINER MANIFEST: ÖFFENTLICHE DIENSTE 2.0" zehn Aspekte formuliert, die digitalisierte und vernetzte öffentliche Dienste künftig erfüllen müssen, um weiter "gemeinwohlorientiert" zu sein.

Und bei allen Vorteilen der "vernetzten Stadt", stellen sich sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (zum Beispiel im Öffentlichen Dienst) viele Fragen: Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Gehen Arbeitsplätze verloren oder entstehen gar neue? Bleibt die neue digitale Infrastruktur in öffentlicher Hand – oder wird sie privatisiert?

Kölner Stadtanzeiger: "Sensoren im Asphalt und im Mülleimer"

Der Kölner Stadt-Anzeiger (KSTA) hat über den Besuch der DGB-Delegation in Santander berichtet: "Besucher aus aller Welt bestaunen, wie Santander eine "Smart City" wurde - doch nicht alles läuft rund", lautet das Resümee. Die spanische Gewerkschaft UGT berichtet etwa, dass weder Bürgerinnen und Bürger noch die Beschäftigten in das Projekt einbezogen worden seien. "Das läuft für mich an den Menschen vorbei. Aber so ein Projekt kann nur mit den Menschen funktionieren. Für Beschäftigte droht sonst die 'digitale Peitsche'.", so DGB-Vorstand Körzell gegenüber dem KSTA.

LINK ZUM BEITRAG


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