Deutscher Gewerkschaftsbund

21.11.2017

"Let's dance": Kunst oder Sport?

Prominente tanzen – und stolpern oftmals – mithilfe von professionellen TurnierttänzerInnen durch die Show „Let’s dance“, die regelmäßig auf einem privaten TV-Sender gezeigt wird. Ob die Profis KünstlerInnen oder SportlerInnen sind, musste das Bundessozialgericht entscheiden. Denn: Davon hängt ab, ob für ihre Tätigkeit Künstlersozialabgabe fällig wird.

Victoria Swarovski und Erich Klann Let's dance 2016

RTL / Frank Hempel

Der Fall: Die Künstlersozialkasse* sah die professionellen (Eis)Tänzer, die an den TV-Shows „Let’s Dance“ und „Dancing on Ice“ mitgewirkt haben, als KünstlerInnen an und hat für die Jahre 2006 und 2007 die Künstlersozialabgabe in Höhe von 22 225,50 Euro von der Produktionsfirma gefordert. Dagegen hatte die Produktionsfirma geklagt – in erster Instanz erfolglos, in zweiter jedoch erfolgreich. Dagegen hatte wiederum die Künstlersozialkasse Revision eingelegt.

Das Urteil: Das Bundessozialgericht hat entschieden, dass die Produktionsfirma keine Künstlersozialabgabe für die professionellen TänzerInnen entrichten muss. Es handele sich nicht um eine abgabepflichtige künstlerische Tätigkeit, sondern um die Ausübung von Sport. Das Gericht entschied, dass nicht jeder automatisch zum Unterhaltungskünstler wird, wenn er in einem Unterhaltungsformat eine eigenständige Leistung erbringt. Die professionellen (Eis)Tänzer präsentierten in den Shows schwerpunktmäßig ihren Tanz bzw. Eistanz als Sport. Tanz fällt aber nur dann in die Künstlersozialversicherung, wenn er als eine Form der darstellenden Kunst ausgeübt wird, nicht aber als professioneller Leistungssport.

Bundessozialgericht Kassel, Urteil B 3 KS 1/17 R, 28. September 2017


*Selbständigen KünstlerInnen bietet die Künstlersozialversicherung einen ähnlichen sozialen Schutz wie sozialversichert beschäftigten ArbeitnehmerInnen. Die KünstlerInnen tragen die Hälfte der Beiträge selbst, während die andere Hälfte der Künstlersozialabgabe von Unternehmen und dem Bund getragen wird. Grundsätzlich sind Unternehmen abgabepflichtig, die regelmäßig selbständige KünstlerInnen beauftragen.


Nach oben

Weitere Themen

Al­li­anz für Weltof­fen­heit star­tet Mit­mach-Ak­ti­on „Deutsch­land #ver­eint“ – für De­mo­kra­tie, So­li­da­ri­tät und Rechts­staat
Allianz für Weltoffenheit
Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland privat, in ihrem Unternehmen, in Vereinen, Parteien und Organisationen für den Zusammenhalt unserer vielfältigen Gesellschaft und gegen Rassismus und Ausgrenzung. Die Allianz für Weltoffenheit möchte diesem Engagement eine Bühne bieten. Zum 3. Oktober startet sie ihre Initiative „Deutschland #vereint“.
Zur Pressemeldung

Löh­ne, Mie­ten, Steu­ern - Schief­la­ge be­sei­ti­gen!
Männlcihe Hand mit mehreren Stapeln Münzen
DGB/Papan Saenkutrueang/123rf.com
Die Wirtschaft brummt, der Wohlstand wächst - aber nicht für alle. Trotz der guten Konjunktur gibt es in Deutschland immer mehr Einkommens- und Vermögensschwache. Der DGB-Verteilungsbericht zeigt, wie sich die extreme Ungleichheit in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Probleme sie schafft - zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
einblick DGB-Infoservice hier abonnieren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
EuGH: Kirchliches Arbeitsrecht darf nicht diskriminieren
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Kündigung eines katholischen Chefarztes, der zum zweiten Mal geheiratet hat, als mögliche verbotene Diskriminierung wegen der Religion eingeordnet und an das Bundesarbeitsgericht zurückverwiesen. weiterlesen …
Artikel
So umgeht eine Supermarktkette "Equal Pay"
Eigentlich sollen Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) nach neun Monaten denselben Lohn bekommen, wie fest angestellte Beschäftigte ("Equal Pay"). Doch wenn der Einsatz drei Monate unterbrochen ist, kann weiter der niedrigere Leiharbeitslohn gezahlt werden. Die Supermarktkette Real nutzt offenbar diese Lücke im AÜG. weiterlesen …
Artikel
Unfallversicherung: Kein Schutz für Umweg
Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt grundsätzlich nur für den direkten Weg zwischen der Arbeitsstätte und der Wohnung. Für Um- bzw. Abweg besteht hingegen kein Versicherungsschutz. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten