Deutscher Gewerkschaftsbund

18.09.2017
Hans-Böckler-Stiftung

Wie sich Armut und Ungleichheit bekämpfen lassen

Neue Studie mit 16 konkreten Vorschlägen

Die Starken mehr beteiligen, die Mitte stärken und Armut reduzieren: Die Hans-Böckler-Stiftung hat ein Drei-Säulen-Konzept vorgestellt, mit dem die wachsende Ungleichheit in Deutschland reduziert und die wirtschaftlichen Chancen für die Zukunft verbessert werden können. Die Vorschläge reichen von Änderungen im Steuersystem bis zur Stärkung der gesetzlichen Rente.

kleiner Mann und große Hand bewegen Schachfiguren

DGB/bowie15/123rf.com

Ungleichheit steigt

Die soziale Schere zwischen Arm und Reich hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geöffnet. Zwischen 1991 und 2014 ist das durchschnittliche verfügbare Einkommen der Oberschicht um 17 Prozent gestiegen, Geringverdiener mussten sich mit knapp drei Prozent begnügen. Die Diskrepanz zwischen den Einkommensklassen hat sich also deutlich vergrößert. Gleichzeitig ist die Mittelschicht im selben Zeitraum von 63 auf 56 Prozent aller Haushalte geschrumpft.

Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft

"Es ist Zeit, die Ungleichheit wieder zu reduzieren", sagt Prof. Dr. Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Das sichert den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es verbessert Deutschlands wirtschaftliche Chancen für die Zukunft. Ein polarisiertes Land kann auf Dauer nicht erfolgreich sein."

Grafik zeigt Einkommensentwicklung verschiedener Einkommensklassen in den Jahren 1991 bis 2014

IMK/Hans-Böckler-Stiftung

Drei-Säulen-Konzept des IMK

Zusammen mit anderen Forschern hat Horn konkrete Vorschläge dafür entwickelt, wie sich Ungleichheit und Armut reduzieren lassen. Die Autoren der Studie setzen dabei drei Schwerpunkte. Die Maßnahmen im Überblick.

Die Starken mehr beteiligen

  • Steuerschlupflöcher schließen und Unternehmensgewinne effektiver besteuern
  • private Steuerflucht konsequent verfolgen
  • den Spitzensteuersatz anheben
  • überzogene Priviliegien von Unternehmenserben bei der Erbschaftsteuer abschaffen
  • Vermögensteuer reaktivieren
  • Grundsteuer in eine Bodenwertsteuer umwandeln
  • Einführung einer Finanztransaktionssteuer

Die Mitte stärken

  • das Ehegattensplitting durch höhere Kindergeld ersetzen
  • finanzschwache Kommunen entlasten
  • das Tarifsystem stärken, unter anderem durch vereinfachte Allgemeinverbindlichkeitserklärungen
  • einen Staatsfonds aufbauen, der in Wertpapiere investiert und die Rendite jährlich zu gleichen Teilen an alle Bürger ausschüttet ("bedingungsloses Kapitaleinkommen")
  • stärker in die Infrastruktur investieren, zum Beispiel in Kitas und Schulen

Die Armut reduzieren

  • prekäre Beschäftigung eindämmen
  • die gesetzliche Rente stärken
  • den Mindestlohn schneller erhöhen
  • den Hartz-IV-Regelsatz angemessen erhöhen und an die Entwicklung des Mindestlohns koppeln.

Mehr Infos zur Studie: böckler.de - Drei-Säulen-Konzept gegen Ungleichheit und Armut


 


Nach oben

Weitere Themen

Der DGB-Zu­kunfts­dia­log
Text: "Reden wir über..." Der Zukunftsdialog; davor stilisierte Satzzeichen (Fragezeichen, Ausrufezeichen, ...)
DGB
Mit dem DGB-Zukunftsdialog starten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften einen breiten gesellschaftlichen Dialog. Wir fragen, was die Menschen in Deutschland bewegt, sammeln ihre Antworten und entwickeln daraus Impulse für eine gerechtere Politik in Deutschland.
weiterlesen …

Jetzt un­ter­schrei­ben: Be­zahl­ba­res Woh­nen für al­le!
Kleines und großes Haus jeweils mit kleinem und großem Münzstapel
DGB/Anna Grigorjeva/123RF.com
Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Handelsware - doch inzwischen können sich breite Schichten der Bevölkerung das Dach über dem Kopf kaum noch leisten. Mit der Europäischen Bürgerinitiative "Housing for all" fordern wir die EU auf, die Rahmenbedingungen für bezahlbares Wohnen zu verbessern. Geben auch Sie Ihre Stimme ab!
zur Webseite …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
DGB-Verteilungsbericht: Vermögensverteilung extrem ungleich
Vermögen sind in Deutschland extrem ungleich verteilt: Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen über fast zwei Drittel (64%) des gesamten Nettovermögens. 30 Prozent der Erwachsenen Bevölkerung haben hingegen so gut wie gar kein Vermögen oder gar Schulden. Das ist ein Ergebnis des DGB-Verteilungsberichts. "Gegen die zunehmende Ungleichheit brauchen wir endlich wirksame Maßnahmen", fordert DGB-Vorstand Stefan Körzell. weiterlesen …
Artikel
"Armut in allen ihren Formen und überall beenden"
Der 17. Oktober ist der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut. 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung haben die Vereinten Nationen aufgestellt. Zu diesen Zielen haben sich auch Deutschland und Europa verpflichtet. Das erste Ziel der 17 "Sustainable Development Goals" (SDGs) lautet: "Armut in allen ihren Formen und überall beenden". Was muss dafür getan werden? weiterlesen …
Link
Der große Deutschland-Vergleich: So unterschiedlich sind die Einkommen
34.987 Euro pro Person im Landkreis Starnberg, 16.203 Euro in Gelsenkirchen: Das Einkommen, das die Deutschen durchschnittlich pro Jahr zur Verfügung haben, unterscheidet sich je nach Wohnort dramatisch. Das zeigt eine neue WSI-Studie. Und wie sieht es in Ihrer Region aus? Hier gehts zur interaktiven Karte. zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten