Deutscher Gewerkschaftsbund

24.07.2018

Von Kfz-Handwerk bis Versicherung: Das verdienen Azubis

610 Euro im Kfz-Handwerk Thüringen, 1580 Euro im westdeutschen Bauhauptgewerbe: Die Unterschiede bei den Ausbildungsvergütungen sind enorm. Dabei spielen nicht nur die Branche und das Ausbildungsjahr eine Rolle, sondern auch die Region. Das geht aus einer neuen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Geldscheine in Gesäßtasche einer Jeans

DGB/Andrey Cherkasov/123rf.com

16 Branchen ausgewertet

Für die Studie hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung 16 Tarifbranchen ausgewählt und ausgewertet. Da für Auszubildende der gesetzliche Mindestlohn nicht gilt ist es für sie von entscheidender Bedeutung, ob ihr Betrieb nach Tarif zahlt oder nicht. Wenn nicht, haben sie ein Anrecht auf eine "angemessene Vergütung". Sie muss sich an den Tarifverträgen orientieren und darf maximal 20 Prozent unter dem tariflichen Niveau liegen.

Weniger Tarifbindung, weniger Geld

Das Problem: Immer weniger Betriebe sind tarifgebunden, Tarifverträge als Referenz sind immer weniger päsent. So lässt sich oft kaum noch nachvollziehen, ob die gezahlten Ausbildungsvergütungen nach obiger Definition angemessen sind. Die Folge: Es "werden häufig deutlich niedrigere Vergütungen gezahlt", so die Forscher. Sie fordern deshalb eine stärkere Tarifbindung und eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung.

Junge Arbeiterin in einer Fabrik

DGB/Katarzyna Białasiewicz/123rf.com

Mindestausbildungsvergütung

Auch der DGB fordert eine Mindestausbildungsvergütung - und hat ausgerechnet, wie hoch sie sein muss, damit sie auch wirklich sinnvoll ist.  

Weitere Infos: Ausbildung: Mindestens 635 Euro im ersten Jahr

Teaser Elke Hannack

DGB/Simone M. Neumann

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende:

"Die Ausbildungsvergütung ist neben der Qualität in der Ausbildung und den späteren Beschäftigungsbedingungen ein weiterer wichtiger Faktor um die Attraktivität einer Ausbildung zu erhöhen.

Wir fordern deshalb eine stärkere Tarifbindung und eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, um Missbrauch bei Betrieben, die außerhalb des Tarifvertragssystems stehen, vorzubeugen. Eine Mindestausbildungsvergütung ersetzt keine guten tariflichen Regelungen, sie schafft aber dort ein Mindestmaß an Absicherung, wo es bisher keine gab. Deshalb ist es auch ein zentrales Anliegen, die Tarifbindung zu erhöhen."

Große regionale Unterschiede

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Es gibt eine erhebliche regionale Differenzierung, die Unterschiede betragen bis zu 296 Euro im Monat. Auffällig ist vor allem das West-Ost-Gefälle. Damit zeigen die Ausbildungsvergütungen eine ähnliche Tendenz wie die Tariflöhne. Bundeseinheitliche Tarifreglungen gibt es nur in wenigen Branchen. Dazu gehören unter anderem die Banken und Versicherungen, der Öffentliche Dienst, die Druckindustrie oder die Deutsche Bahn.

Tabelle zeigt Ausbildungsvergütungen der gewerblichen und kaufmännischen Auszubildenden  in ausgewählten Tarifbranchen West/Ost

Hans-Böckler-Stiftung


Nach oben

Weitere Themen

Das än­dert sich 2019 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
2019 Jahrezahl
Colourbox.de
Am 1. Januar 2019 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Der Mindestlohn steigt, es gibt Neuerungen bei der Rente und endlich zahlen die Arbeitgeber wieder den gleichen Anteil für den Beitrag zur Gesetzlichen Krankenversicherung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

Was än­dert sich 2019 beim Min­dest­lohn?
Mindestlohn Stempel mit Geldscheinen
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro. Das hat die Bundesregierung am 31. Oktober 2018 per Verordnung festgelegt und ist damit dem Vorschlag der Mindestlohn-Kommission gefolgt. Unsere Übersicht zeigt, was beim gesetzlichen Mindestlohn und bei den Branchen-Mindestlöhnen im Jahr 2019 gilt.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
einblick DGB-Infoservice hier abonnieren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …