Deutscher Gewerkschaftsbund

24.06.2021
Rente mit 68

Arbeit bis ins hohe Alter?

Das Rentenalter sollte nicht erhöht werden. Es gibt andere Lösungen, die nächste Regierung muss sich nur darum kümmern. Denn die Rente ist kein Almosen, sondern ein Sicherheitsversprechen. Ein Beitrag in der FR-Gastwirtschaft von DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

Frau hält Tafel mit Schriftzug "Rente"

DGB/Bjoern Wylezich/123rf.com

Den bevorstehenden Staatsruin durch die Rente prognostizierte jüngst der Ökonom Axel Börsch-Supan, Mitglied im Beirat des Wirtschaftsministeriums. Das Gutachten des Beirats und die Forderung, die Altersgrenze bei der Rente auf 68 anzuheben, katapultierte das Thema Rente in den Bundestagswahlkampf. Sehr zum Ärger der Fraktionen und Parteien: Selbst Wirtschaftsminister Peter Altmaier distanzierte sich von den Vorschlägen des eigenen Gremiums. Kein Wunder, denn die Aussicht auf Arbeit bis zum Umfallen sorgt in der Bevölkerung für berechtigten Widerstand.

Dass manche Professoren, Manager oder Rechtsanwälte ihre Arbeit am Schreibtisch ohne Probleme auch bis ins hohe Alter erledigen können, mag sein. Dasselbe gilt aber nicht für Pflegerinnen, Bauarbeiter, Fliesenleger und Dachdecker. Wer bei wenig Einkommen körperlich oder seelisch belastet hart arbeiten muss, hat erfahrungsgemäß eine geringere Lebenserwartung.

Für diese Beschäftigten ist ein höheres Renteneintrittsalter real eine Rentenkürzung. Denn darauf läuft es hinaus, wenn man kürzer Rente bezieht und bei einem früheren Renteneintritt hohe Abschläge in Kauf nehmen muss – so man die Rente überhaupt erlebt. Laut Statistischem Bundesamt wird jeder zehnte im Jahr 2000 geborene Mann und jede 16. Frau keine 65 Jahre alt.

Die Rente ist kein Almosen, sondern ein Sicherheitsversprechen. Für die, die jahrzehntelang Beiträge eingezahlt haben, muss die Rente für ein Leben in Würde im Alter reichen. Das in einer älter werdenden Gesellschaft zu finanzieren ist keine Rechenaufgabe, die man mit dem Anheben der Altersgrenze löst. Und mehr private Vorsorge hilft auch nicht, damit entlässt man zwar Arbeitgeber und Vermögende aus der gesellschaftlichen Verantwortung, fast die Hälfte der deutschen Haushalte hat aber kein Geld für private Vorsorge, weil das Monatseinkommen dafür zu gering ist.

Die Rentenfinanzierung ist kein Konflikt zwischen Generationen, sondern zwischen Kapital und Arbeit. Die Antwort lautet Solidarität: Die gesetzliche Rente muss zur Erwerbstätigenversicherung umgebaut werden, in die alle einzahlen. Die Erwerbsbeteiligung muss erhöht werden und wir brauchen mehr bessere, tariflich bezahlte Arbeit – denn dem Niedriglohn folgt unmittelbar die Armutsrente.

Der Beitrag in der FR-Gastwirtschaft zum Nachlesen.


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