Deutscher Gewerkschaftsbund

29.01.2019

Stipendien: Geld für ein gutes Studium

einblick Februar 2019

Ein Studium ist teuer. Glücklich ist, wer ein Stipendium bekommt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der geförderten Menschen deutlich gestiegen. Wir zeigen, wie Gewerkschaften junge Menschen für ein Stipendium vorschlagen können und was es zu beachten gilt.

Studenten im Hörsaal in der Hochschule

DGB/Simone M. Neumann

Wer studieren möchte, muss sich vorab mit der Finanzierung des Studiums befassen. Wie viel können meine Eltern besteuern? Muss ich nebenher arbeiten? Kann ich mir trotz der teuren Mieten in Uni-Städten eine Wohnung leisten? Mit einem Stipendium sind all diese Fragen Nebensache und die Studierenden können sich auf das Wesentliche konzentrieren: Vorlesungen, Hausarbeiten, Klausuren.

Engagement und gute Noten

Lange hielt sich das Gerücht, dass Stipendien nur für Elite-SchülerInnen seien. Wer kein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,0 hatte, brauchte sich erst gar nicht bemühen. Das ist heute nicht mehr so – im Gegenteil. Herausragendes gesellschaftspolitisches Engagement und gute Noten sind eine solide Grundlage bei einer Bewerbung. Wer aktiv war oder ist und grundlegende Kriterien erfüllt, hat Chancen gefördert zu werden. Zudem ist die Zahl der zu vergebenden Stipendien seit 1998 deutlich gestiegen – von knapp 10 000 auf rund 29 500 im Jahr 2017, wie eine Auswertung der Bundesregierung auf Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag zeigt.

Förderwerker

DGB / einblick

Geld für die Stipendien erhalten die 13 anerkannten und öffentlich geförderten Studienförderwerke – darunter die Hans-Böckler-Stiftung – vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Vergabe der Stipendien erfolgt nach den Regeln des BAföG-Gesetzes. So werden etwa keine Studien in Teilzeit gefördert. Zudem ist geregelt, wie hoch die Fördersätze sind und wie viel die Eltern verdienen dürfen, um finanzielle unterstützt zu werden.

Mehr Arbeiterkinder und Frauen mit Stipendium

Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur mehr Stipendien, sondern die Zahl von geförderten Menschen aus unterrepräsentierten Gruppen wie Frauen, MigrantInnen oder Kindern aus Arbeiterhaushalten ist gestiegen. So gibt es mehr geförderte MigrantInnen: bei den jährlichen Neuaufnahmen ist die Zahl von rund 11 Prozent im Jahr 2010 auf rund 24 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Im Jahr 2017 lag der Anteil von geförderten Studierenden mit Migrationshintergrund über alle Begabtenförderungswerke bei insgesamt rund 21,4 Prozent. Mit Avicenna gibt es seit 2012 ein öffentlich anerkanntes Studienförderungswerk, das gezielt engagierte Muslime unterstützt. Dort werden aktuell rund 300 Personen gefördert.

Stipendien

DGB / einblick

Auch der Anteil bei den Neuaufnahmen von Menschen aus nicht-akademischen Haushalten hat sich von rund 29 Prozent im Jahr 2010 auf rund 36 Prozent im Jahr 2017 erhöht. Verantwortlich ist dafür unter anderem die Hans-Böckler-Stiftung (HBS). Seit jeher fördert die Stiftung im Vergleich zu anderen Förderungswerken gezielt Arbeiterkinder. Aktuell stammen etwas mehr als die Hälfte der HBS-StipendiatInnen aus nicht-akademischen Familien. Ein weiteres Merkmal unterscheidet HBS-StipendiatInnen von den Geförderten anderer Werke: Rund zwei Drittel haben eine abgeschlossene Ausbildung oder haben vor dem Studium bereits gearbeitet. 36,1 Prozent der Böckler-StipendiatInnen haben einen Migrationshintergrund.

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Hans-Böckler-Stiftung: Vorschlagsrecht der Gewerkschaften

Fakt ist: Wer studiert oder studieren möchte und sich gesellschaftspolitisch oder gewerkschaftlich engagiert hat, sollte sich unbedingt um ein Stipendium bewerben. Bei der Hans-Böckler-Stiftung läuft bis zum 1. August 2019 die Bewerbungsphase für das Sommersemester 2020 (für Promotionsstipendien bis zum 15. April 2019). Die HBS unterstützt Studierende, Promovierende und Menschen, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen wollen. Eine Bewerbung ist seit Kurzem online möglich. Dort können alle Unterlagen hochgeladen werden. Der DGB und die Mitgliedsgewerkschaften können Gewerkschaftsmitglieder für ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung vorschlagen.

Der Bewerbungsweg um ein Stipendium bei der Hans-Böckler-Stiftung

Das Auswahlverfahren bei der Hans-Böckler-Stiftung läuft so ab: Unter www.boeckler-stipendium.de gibt es eine Onlinemaske, über die sich Menschen auf ein Stipendium bewerben können. DGB, Gewerkschaften, Aufsichtsräte und ArbeitsdirektorInnen können Gewerkschaftsmitglieder für ein Stipendium vorschlagen. Das Vorschlagsgutachten der Gewerkschaft kann auch online hochgeladen werden. Neben den formalen Fördergrundsätzen gibt es die Böckler-spezifischen Förderkriterien, nach denen die Auswahl getroffen wird. „Zentrales Element der Auswahlkriterien ist die Würdigung der Gesamtbiographie.“ Dann werdendie BewerberInnen von einer/ einem VertrauensdozentIn und der
StipendiatInnengruppe zu einem Gespräch eingeladen. Abschließend folgt noch ein Gespräch im Auswahlausschuss. Zwischen dem Bewerbungsschluss und der Entscheidung des Auswahlausschusses können etwa sechs Monate vergehen, gibt die Hans-Böckler-Stiftung an. Die nächsten Bewerbungsschlüsse lauten:

  • Abitur auf dem 2. Bildungsweg: 1. August 2019 und 1. Februar 2020
  • für Studierende: 1. August 2019 und 1. Februar 2020
  • für Promovierende: 15. April und der 15. Oktober 2019

Die Hans-Böckler-Stiftung empfiehlt allen BewerberInnen, parallel einen BAföG-Antrag zu stellen, um im Fall einer Absage trotzdem finanziell abgesichert zu sein. www.boeckler-stipendium.de

 


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