Deutscher Gewerkschaftsbund

Mitbestimmung als Chefsache

Eigentlich trat Kurt Gscheidle 1969 als Spitzenkandidat für das Amt des DGB–Vorsitzenden an. Doch der Bundeskongress entschied sich für Heinz Oskar Vetter. Er machte die Mitbestimmung zur Chefsache im DGB. Gegenkandidat Gscheidle wurde Staatssekretär, später Bundespostminister.

Novellierung Betriebsverfassungsgesetz 1964: Der DGB fordert Mitbestimmung der Betriebsräte bei allen sozialen und personellen Angelegenheiten.

1969 wurde Heinz Oskar Vetter (stellvertretender Vorsitzender IG Bergbau und Energie) an die Spitze des DGB gewählt. Es gelang ihm rasch, ein eigenes politisches Profil zu entwickeln und das Image des „Königs ohne Land“ abzustreifen. Die Mitbestimmungspolitik wurde unter seiner Führung zur Chefsache.

Den hausinternen Streit, ob sich die Gewerkschaften eher als Gegenmacht oder als marktwirtschaftlicher Ordnungsfaktor begreifen sollten, versuchte er mit einer integrativen Politik zu schlichten. Den Buchstaben des Düsseldorfer DGB–Programms getreu sollten sie beide Vorgaben erfüllen – Ordnungsfaktor und Gegenmacht sein. Unter Vetters Führung mischte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund wieder verstärkt in politische Debatten ein.

Einstieg in die Umweltpolitik

Maiplakat 1970

Das Aktionsprogramm von 1972 enthielt nicht nur wirtschafts– und sozialpolitisch orientierte Forderungen nach Mitbestimmung, Vermögensbildung, Arbeitsplatzsicherung und Steuerpolitik: Auf der Agenda standen auch Fragen des Miet– und Bodenrechts, des Nahverkehrs und des Umweltschutzes.

Im Vergleich zur atomaren Bewaffnung der 50er oder zu den Notstandsgesetzen eher „weiche“ Themen, die dennoch auf den Nägeln brannten. Das galt insbesondere für die Umweltpolitik, der sich der DGB 1972 durch die Verabschiedung umweltpolitischer Leitsätze erstmals annäherte. Ihnen folgte 1974 ein eigenes Umweltprogramm.


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