Deutscher Gewerkschaftsbund

06.04.2018
Hans-Böckler-Stiftung

Social Networks: Wie Chefs die Belegschaft ausspähen können

Wer kann mit wem, bei wem laufen die Fäden zusammen? Und wer steht im Betrieb eher abseits? Mit jeder Mail, jedem Tweet und jedem Like fallen Kommunikationsdaten an, mit denen Arbeitgeber die sozialen Beziehungen der Angestellten analysieren können. Eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat untersucht, wozu das führen kann - und wie man sich dagegen wehrt.

Nahaufnahme wibliches Auge im Fadenkreuz

DGB/Lukas Gojda/123rf.com

böckler.de: „The Circle“ im eigenen Büro – Kommunikationsdaten machen soziale Beziehungen für Arbeitgeber immer leichter analysierbar

"Sozialer Graph" wird gefüttert

Durch elektronische Kommunikation fallen in Unternehmen immer mehr Daten an, die die Interaktionen unter Beschäftigten dokumentieren. Wer sie analysiert, erfährt eine Menge über die sozialen Strukturen im Betrieb, über Kooperation, Konflikte und Motivation unter den Beschäftigten: Bei wem laufen die Fäden zusammen? Wer ist ein gefragter Ansprechpartner und Ratgeber? Wer steht eher am Rande und bekommt selten Antworten auf seine Mails oder Beiträge im firmeninternen Social Network? Mit jeder Mail, jedem Chat und jedem Like wird der "soziale Graph" um eine Beziehung zwischen Kollegen und Kolleginnen ergänzt.

Mehr zum Thema: Wie Big Da­ta die Ar­beits­welt ver­än­dert

Software analysiert Interaktionen

Noch haben Arbeitgeber keinen Einblick in diese Daten - doch technisch ist es bereits möglich, solche Beziehungsgeflechte zu konstruieren und für Personalentscheidungen zu nutzen. Das zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie. Die Forscher weisen darauf hin, dass bereits erste Softwareprodukte auf dem Markt sind, die persönliche Stellungen und soziale Beziehungen der Belegschaft analysieren können. Systeme wie „Workplace Analytics“ von Microsoft oder „Organisational Analytics“ von IBM etwa hätten dieses Potenzial.

Wer schlecht vernetzt ist, fliegt

In Zukunft könnten Unternehmen solche Programme verstärkt nutzen, "um in die Belegschaft hineinzuhorchen", so die Autoren der Studie. Arbeitgeber, die Entlassungen planen, könnten sich dann zum Beispiel an den Ergebnissen der Analysen orientieren: Wer nicht gut genug vernetzt ist, muss mit beruflichen Nachteilen rechnen oder riskiert sogar die Kündigung.

Politik und Betriebsrat gefragt

Noch sind solche Szenarien Zukunftsmusik. Damit es nicht soweit kommt, sind neben der Politik die Betriebsräte gefordert. Sie müssen den Arbeitgebern genau auf die Finger schauen, wenn es um das Sammeln und Auswerten von Daten mit „sozialen Graphen“ geht, so die Hans-Böckler-Stiftung. Rechtlich seien solchen Formen der Vorratsdatenspeicherung zwar relativ enge Grenzen gezogen - doch das geltende Recht müsse auch effektiv durchgesetzt werden.


Die komplette Studie zum Download: Heinz-Peter Höller, Peter Wedde: Die Vermessung der Belegschaft.


Nach oben

Mehr zum Thema

Wie Big Da­ta die Ar­beits­welt ver­än­dert
Flickr/Harper Reed/changes made/by-nc-nd/2.0
Mit neuer Software und Datenanalyse-Tools können Arbeitgeber im großen Stil Interaktionen und Aktivitäten ihrer Beschäftigten tracken und auswerten: Vom ersten Tastaturanschlag am Morgen, bis zum letzten Telefongespräch am Abend. Datenschutzexperten warnen: Die nächste Phase der Überwachung am Arbeitsplatz hat längst begonnen.
weiterlesen …

Weitere Themen

21. Par­la­ment der Ar­beit: Der DGB-Bun­des­kon­gress 2018
DGB
Vom 13. bis 17. Mai 2018 tagt in Berlin das 21. Parlament der Arbeit - der Ordentliche Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). 400 Delegierte aus den acht DGB-Gewerkschaften treffen beim Kongress Entscheidungen für die nächsten Jahre. Mehr Infos auf unserer Kongress-Webseite.
zur Webseite …

Be­triebs­rats­wahl 2018: Be­triebs­rä­te kämp­fen für Gu­te Ar­beit
DGB
Vom 1. März bis zum 31. Mai 2018 finden in ganz Deutschland Betriebsratswahlen statt. in Zehntausenden Betrieben wählen die Beschäftigten ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Betriebsrat. Der Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber – und sorgt für Mitbestimmung und Demokratie im Betrieb.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Buchtipps zu Blockchain, Plattformen und Algorithmen
Blockchain, Plattform-Ökonomie, Algorithmen – doch wie und wo verändern diese Technologien unser Leben? Diese drei Bücher helfen bei der Orientierung. weiterlesen …
Artikel
Darum ist Microsoft Office 365 ein Fall für den Betriebsrat
Mehr Effizienz durch umfassende Leistungskontrolle im Job? Mit einem neuen Add-on für die Bürosoftware Microsoft Office 365 können Arbeitgeber die Leistung ihrer Mitarbeiter detailliert analysieren. Aus Sicht des DGB ist der Einsatz der Software zwingend mitbestimmungspflichtig. weiterlesen …
Pressemeldung
Digitalisierung macht Arbeit nicht automatisch besser
Digitalisierung kann genutzt werden, um Arbeit zum Vorteil der Menschen und ihrer Gesundheit zu gestalten. Aktuell geht der Trend aber gerade in die andere Richtung: Beim DGB-Index Gute Arbeit geben 46 Prozent der Beschäftigten an, dass sich ihre Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung erhöht hat. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten