Deutscher Gewerkschaftsbund

04.09.2014

Ausbildungsreport: Betriebe müssen besser werden

In Branchen mit schlechten Ausbildungsbedingungen bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Probleme der Betriebe sind oft hausgemacht: Regelmäßige Überstunden, Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz und ausbildungsfremde Tätigkeiten schrecken viele Jugendliche ab. "Die jungen Menschen stimmen über Ausbildungsbedingungen mit den Füßen ab", sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Die DGB-Jugend befragt im Rahmen ihres Ausbildungsreports jedes Jahr Tausende Auszubildende zu ihren Ausbildungsbedingungen. Auch in diesem Jahr gibt es wieder klare Ergebnisse: Am besten schneiden Ausbildungsberufe wie Industriemechanik, die Ausbildung zu Industrie- oder Bankkaufleuten sowie zu MechatronikerInnen und FachinformatikerInnen ab. Schlusslichter auf der Bewertungsskala sind die Ausbildungsbedingungen bei den Köchen, den Zahnmedizinischen Fachangestellten, bei der Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk, der Ausbildung im Hotelgewerbe sowie bei FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk.

Florian Haggenniller

DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller stellt den Ausbildungsreport der DGB Jugend vor: "Es bleibt unbegreiflich, dass Branchen, wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Handel und Teilen des Handwerks Jahr für Jahr die Auszubildenden davon laufen und trotzdem nichts passiert. Die Missstände in den Betrieben müssen schneller erkannt und beseitigt werden. Die Zahl der Ausbildungsberater muss dringend erhöht werden." DGB/Menze

Jede vierte Ausbildung wird vorzeitig abgebrochen, in manchen Branchen sogar fast jede zweite

Der Report zeigt außerdem ganz klar: Je schlechter die Ausbildungsbedingungen, desto schwieriger ist es für die Betriebe, Auszubildende zu finden und zu halten. Im Schnitt wird etwa jede vierte Ausbildung vorzeitig abgebrochen – in Ausbildungsberufen mit schlecht bewerteten Ausbildungsbedingungen sind es laut Ausbildungsreport sogar wesentlich mehr. So bringen 41 Prozent der Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk ihre Ausbildung nicht zu Ende. Bei den angehenden Köchinnen und Köchen sind es sogar über 48 Prozent. "Die jungen Menschen stimmen über Ausbildungsbedingungen mit den Füßen ab", kommentierte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller die Zahlen bei der Präsentation des Ausbildungsreports.

Grafik zu Vertragslösungsquote in Ausbildungsberufen

Je besser die Ausbildungsbedingungen, desto treuer sind die Azubis ihrem Betrieb: Nur knapp sechs Prozent der Bankkaufleute brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab. Dieser Ausbildungsberuf erhielt im Ausbildungsreport der DGB Jugend gute Bewertungen. Die Ausbildung zum Koch oder zur Köchin bricht hingegen fast jeder zweite Azubi ab. Diese Ausbildung wurde im Report besonders schlecht bewertet. DGB Jugend

"Fast jeder 4. Ausbildungsvertrag wird vorzeitig beendet" - DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller zu Abbrecher-Quoten von Azubis

Sie benötigen den FlashPlayer (mindestens Version 9) und einen Browser mit aktiviertem JavaScript!
Überstunden, Verstöße gegen Jugendarbeitsschutz, ausbildungsfremde Tätigkeiten

Der Ausbildungsreport der DGB Jugend zeigt auch, woran es in manchen Betrieben konkret mangelt: Fast jeder fünfte Auszubildende (18,2%) gibt an, selten oder nie von einem Ausbilder betreut zu werden. Außerdem müssen über 10 Prozent der Auszubildenden ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten, also zum Beispiel Putzarbeiten erledigen.

Regelmäßige Überstunden gehören für über ein Drittel der Azubis zum Alltag. 17 Prozent von ihnen bekommen dafür nicht einmal einen Ausgleich – weder finanziell, noch über einen Freizeitausgleich.

Auch den Jugendarbeitsschutz für unter 18-jährige Azubis halten einige Betriebe nicht ein. Vor allem die zulässige Wochenarbeitszeit wird oft überschritten: 13,2 Prozent der Auszubildenden unter 18 Jahren müssen mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. Und knapp über 7 Prozent der unter 18-Jährigen müssen sogar, entgegen der Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes, mehr als fünf Tage in der Woche im Betrieb arbeiten. "Das ist ein klarer Gesetzesversoß", so Florian Haggenmiller. Dass diese Zahl im Vergleich zu den Vorjahren leicht gesunken ist (2013: 16,5 Prozent), sei zwar erfreulich. "Das hilft den Betroffenen aber auch nicht weiter", so Haggenmiller. Die DGB Jugend fordert deutlich mehr Kontrollen, ob der Jugendarbeitsschutz in den Betrieben eingehalten wird.

"Ein klarer Gesetzesverstoß" - DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller zur Wochenarbeitszeit vieler minderjähriger Azubis

Sie benötigen den FlashPlayer (mindestens Version 9) und einen Browser mit aktiviertem JavaScript!

Nach oben

Pressemitteilung

Aus­bil­dungs­re­port 2014: Qua­li­tät si­chert Fach­kräf­te
DBJR/rw
Wenn ganze Branchen über unbesetzte Ausbildungsplätze und Fachkräftemangel klagen, liegt das oft an der mangelnden Ausbildungsreife der Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt der neunte Ausbildungsreport der DGB-Jugend. Es sei kein Zufall, dass gerade Branchen mit schlechter Ausbildungsqualität auch über Fachkräftemangel klagen, sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.
Zur Pressemeldung

Audio


Statement von DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller zum Ausbildungsreport 2014 (komplett)
Sie benötigen den FlashPlayer (mindestens Version 9) und einen Browser mit aktiviertem JavaScript!

Themenverwandte Beiträge

Artikel
DGB legt Liste der 10 unattraktivsten Ausbildungsberufe vor
Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Der Azubi-Mangel konzentriert sich dabei auf 10 Branchen, zeigt eine DGB-Expertise. Das Problem ist hausgemacht, sagt DGB-Vize Elke Hannack. „Wenn junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden, bewerben sie sich in diesen Unternehmen nicht mehr“. weiterlesen …
Pressemeldung
Elke Hannack: Ausbildungsgarantie statt Bestenauslese
"Der Ländermonitor zeigt: Wenn sich die Zahl der Ausbildungsplätze im Sinkflug befindet, liegt dies nicht am vermeintlichen Akademisierungswahn, sondern an Betrieben, die sich an eine Bestenauslese gewöhnt haben und Jugendlichen mit Hauptschulabschluss oder ausländischem Pass von vornherein kaum eine Chance mehr geben", erklärte DGB-Vizevorsitzende Elke Hannack. Zur Pressemeldung
Artikel
Girls’ Day: „Frau Hannack, wie wird man Gewerkschafterin?“
Was bedeutet es, sich für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einzusetzen, was heißt es, in der Politik zu arbeiten? Berliner Schülerinnen aus Berlin wollten beim Girls' Day die Gewerkschaftsarbeit genauer kennenlernen. Zum Berufs-Schnuppertag gehörte auch eine Fragerunde mit der DGB-Vizevorsitzenden Elke Hannack. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten