Deutscher Gewerkschaftsbund

06.12.2022

Starkes Engagement: Betriebsräte machen den Unterschied

einblick Dezember 2022

Sie sichern Jobs, verhandeln mit den Chef*innen auf Augenhöhe und entscheiden mit, wenn es ans Eingemachte geht: Betriebsräte. Der Deutsche Betriebsräte-Preis ehrt ihr Engagement, ihre Innovationen und rettenden Ideen. einblick hat mit den Preisträger*innen 2022 gesprochen.

Eine Gruppe Menschen mit einem Preis

Preisträger*innen des Betriebsräte-Preises in Gold: Der Betriebsrat der Gestamp Griwe Haynrode mit Laudatorin Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall (rechts). Bund Verlag

  • Standort gesichert: Betriebsräte-Preis in Gold

    Ereignisreiche Jahre liegen hinter dem Betriebsratsvorsitzenden Andreas Zappe und seinem Betriebsrat bei der Gestamp Griwe, einem Autozulieferer in Haynrode, Thüringen. Sein Gremium wurde mit dem Betriebsrätepreis in Gold ausgezeichnet. „Ohne die Gewerkschaft, die IG Metall, an unserer Seite hätten wir es nicht geschafft“, ist sich Zappe sicher.

    2020 hieß es vonseiten des Arbeitgebers, es gebe nicht genug Aufträge, für neue Technik fehle der Platz. Mittelfristig drohte die Schließung. Für den Betriebsrat war klar: Wir kämpfen für den Standort und die Beschäftigten. Ihre erfolgreiche Petition „Zukunft für Haynrode“ machte Druck auf den Arbeitgeber. Auch die anderen Argumente des Arbeitgebers nahm der Betriebsrat genau unter die Lupe. Als es hieß, das Werk sei zu klein für neue Anlagen, legten die Betriebsräte den Zollstock an, markierten Maße mit Kreide auf dem Boden, schnitten Modelle aus Pappe aus und klebten sie auf maßstabsgetreue Grundrisse. Das Ergebnis: Es passte. Dann hieß es, dass es nicht genug Aufträge für den Standort gäbe. Hier erfuhr der Betriebsrat jedoch, dass ein Kunde gerne seine Aufträge nach Haynrode vergeben wollte, auch aus ökologischen Gründen. So konnten die Argumente des Arbeitgebers schließlich widerlegt und der Standort gesichert werden.

  • Mitbestimmung erkämpft: Betriebsräte-Preis in Silber

    Jetzt – nach zwei Jahren – gibt es zaghafte Zeichen, dass der Arbeitgeber zukünftig auf Kooperation setzt. Doch der Weg dahin war steinig. So erzählt es Felicitas Kopf, ver.di-Mitglied und inzwischen Konzernbetriebsratsvorsitzende der Schön-Kliniken. Das Engagement von Kopf und ihren Kolleg*innen wurde mit dem Betriebsräte-Preis in Silber ausgezeichnet.

    2020 wurde den Beschäftigten der Schön-Kliniken ein Betriebsübergang mitgeteilt: Die nicht-medizinischen Beschäftigten würden zukünftig bei einer Holding angestellt sein, das medizinische Fachpersonal weiterhin bei den jeweiligen Kliniken. Bei der Einführung eines Computersystems zum Facility Management verweigerte der Arbeitgeber Verhandlungen mit dem Hinweis auf einen fehlenden Gesamtbetriebsrat. Der Betriebsrat der Klinik in Neustadt in Holstein, dem Kopf seit 2018 angehörte, ergriff daraufhin die Initiative, für die Holding einen Gesamtbetriebsrat zu wählen. Dies gelang innerhalb von einem halben Jahr. Ein Vorteil: In der Corona-Pandemie hatten sich die Betriebsräte der einzelnen Kliniken bereits über Video-Konferenzen miteinander vernetzt.

    Auch nach Gründung des GBR war der Arbeitgeber nicht einsichtig. Er verwies nun auf das Fehlen eines Konzernbetriebsrats, bei dem er die Mitbestimmung angeblich angesiedelt sah. Auch hier gaben die Kolleg*innen nicht auf und gründeten einen KBR – innerhalb von sechs Wochen.

  • Zukunft gestalten: Betriebsräte-Preis in Bronze

    In der Pandemie brauchte plötzlich niemand mehr Gabelstapler. Die Nachfrage ging um 20 Prozent zurück. Ein Problem für Gabelstapler-Produzenten und Logistik-Unternehmen wie die Linde Material Handling GmbH in Aschaffenburg, die zum Kion-Konzern gehört. Das Management stellte kurzerhand einen Plan vor, um Personal abzubauen und das Traditions-Werk in Kahl zu schließen. Der Betriebsrat in Aschaffenburg ging in Verhandlungen. „Unser Ziel war immer ‚Beschäftigung halten – Zukunft gestalten‘“, erklärt Özcan Pancarci, der Betriebsratsvorsitzende von Linde Aschaffenburg und Konzernbetriebsratsvorsitzender.

    Zunächst konnten die Arbeitnehmerverteter*innen den Arbeitgeber überzeugen, dass man die Beschäftigten braucht, um die Transformation zu bewältigen. Unter großem Zeitdruck musste ein Tarifvertrag verhandelt werden. Dies gelang auch mithilfe der IG Metall. So konnten die Standorte Kahl und Aschaffenburg gesichert werden, und der Arbeitgeber war nun bereit, auch zu investieren. In Aschaffenburg werden nun die Gabelstapler der Zukunft entwickelt und gebaut. Betriebsbedingte Kündigungen und Outsourcing wurden verhindert. Für diese Erfolge erhielten Pancarci und seine Kolleg*innen den Betriebsräte-Preis in Bronze.

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Der Deutsche Betriebsräte-Preis ist eine Initiative der Fachzeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb des Bund-Verlags. Der DGB ist Kooperationspartner des Deutschen Betriebsrätepreises. Alle Infos gibt es hier: www.dbrp.de

Im November wurden im Rahmen des Schöneberger Forums von DGB und DGB-Bildungswerk auch die Deutschen Personalräte-Preise verliehen: www.dprp.de


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