Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 151 - 13.09.2011

Deutschland ist weit von einer Bildungsrepublik entfernt

Zur heutigen Vorstellung des OECD-Berichts „Bildung auf einen Blick 2011“ erklärte Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, am Dienstag in Berlin:

„Die OECD stellt dem deutschen Bildungswesen erneut ein schlechtes Zeugnis aus. Während andere Staaten gezielt in ein gutes Bildungswesen investieren, verpasst Deutschland den Aufbruch in die Bildungsrepublik. Der Anteil der Hochqualifizierten ist in den vergangenen Jahrzehnten kaum gestiegen, die soziale Herkunft bestimmt noch immer den Bildungserfolg. Wenn wir den Fachkräftebedarf künftig decken wollen, müssen wir endlich die sozialen Barrieren in unserem Bildungssystem aus dem Weg räumen.

Es ist besonders beschämend für die Bundesrepublik, dass von 36 untersuchten Staaten lediglich Indonesien, Tschechien, die Slowakei, Russland und Ungarn einen geringeren Anteil ihrer Wirtschaftskraft in ihr Bildungswesen investieren. Wir brauchen massive Investitionen in Ganztagskindergärten, Ganztagsschulen und die soziale Öffnung der Hochschulen. Allein in den Grundschulen gibt Deutschland pro Schüler rund 1 000 Dollar weniger aus als der OECD-Durchschnitt. Die Bundesländer allein sind offenkundig mit der Finanzierung eines hervorragenden Bildungswesens überfordert. Deshalb muss das Kooperationsverbot aus der Verfassung gestrichen werden.

Die Bundesländer müssen endlich ihre Rotstift-Politik bei Kindergärten, Schulen und Hochschulen beenden. Denn die OECD-Studie zeigt auch: Unter dem Strich profitiert gerade der Staat durch höhere Steuereinnahmen und geringere Transferleistungen in erheblichem Umfang finanziell von den guten Bildungsabschlüssen der Menschen. Mit Kürzungen im Bildungswesen lassen sich Haushalte nicht langfristig sanieren.

Wenn wir mehr Hochqualifizierte wollen, müssen sich die Hochschulen für Menschen ohne Abitur öffnen. Nötig sind mehr berufsbegleitende Studiengänge, eine bessere finanzielle Förderung und die verlässliche Anrechnung von beruflichen Kompetenzen. Hierfür muss es auch eine klare finanzielle Förderung geben: Im Hochschulpakt sollte jeder Studienplatz für beruflich Qualifizierte mit einem Bonus von 50 Prozent gefördert werden.“


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