Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 172 - 18.10.2011

Stresstests auch für Unternehmen

„Psychische Belastungen in der Arbeitswelt müssen konsequenter als bisher bekämpft werden. Stresstests sind nicht nur für Bahnhöfe, Atomkraftwerke oder Banken, sondern auch und vor allem für die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen nötig“, forderte Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, am Dienstag bei der Eröffnung der Arbeitsschutzmesse A + A in Düsseldorf.

„Burn-out betrifft nicht nur Fußballtrainer und Schlagersänger, sondern ist ein wachsendes Problem für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben. Psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für Erwerbsminderung. Fast jeder fünfte Rentenzugang erfolgt über die Erwerbsminderungsrente. Die Ursache ist bei rund 40 Prozent der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine psychische Erkrankung.

Die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt müssen deshalb energisch und auf allen Ebenen eingedämmt werden. Eine Voraussetzung dafür ist die konsequente Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes durch flächendeckende Stresstests in den Unternehmen (Gefährdungsbeurteilungen). Gleichzeitig müssen die Beschäftigten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, durch die Erwerbsminderungsrente deutlich besser abgesichert werden.

Wie stark der Druck inzwischen gestiegen ist, zeigen auch die Einschätzungen der Beschäftigten hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven: Nach dem DGB-Index 2010 glauben 60 Prozent der Befragten nicht, dass sie ihre Arbeit bis zum Rentenalter ausführen können. Außerdem gehen mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehrmals pro Jahr krank zur Arbeit. Entsprechend sind auch die Verschreibungen von Antidepressiva gestiegen – von 2005 bis 2008 hat sich diese Zahl verdoppelt. Doping für die Arbeit ist also keine Randerscheinung mehr.

Der drastische Anstieg bei psychischen Erkrankungen hängt auch eng mit der fatalen Ausweitung des Niedriglohnsektors zusammen, der gerade die junge Generation in Unsicherheit hält. Die Bundesregierung muss auch deshalb die Perspektivlosigkeit aus unsicheren, befristeten und schlecht bezahlten Jobs überwinden.“


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