Deutscher Gewerkschaftsbund

14.09.2016
Kommunikation

Körpersprache: Souverän auftreten im Job

Tipps für überzeugende Präsentationen und Gespräche

Die Hände werden feucht, das Herz klopft: Schon beim Gedanken daran, eine Präsentation oder Rede halten zu müssen, bekommen viele weiche Knie. Wie kann man das lästige Lampenfieber bekämpfen? Und wie schafft man es, auch beim Vorstellungsgespräch oder der Gehaltsverhandlung mit dem Chef souverän und überzeugend rüberzukommen?

Frau in Besprechung

Colourbox.de

Körpersprache spielt eine große Rolle

Vor einem wichtigen Gespräch oder Auftritt bereiten sich die meisten Menschen gut vor. Sie sammeln Informationen und Argumente, überlegen sich, was sie sagen wollen. Das ist gut und richtig – reicht aber nicht. Mindestens genauso wichtig wie das, was man sagt, ist, wie man es sagt. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass der Inhalt nur 10 Prozent der persönlichen Wirkung ausmacht. Die restlichen 90 Prozent werden über Stimme und Körpersprache vermittelt.

Doch wenn Stimme und Körpersprache so eine große Rolle spielen: Wie schafft man es, darüber einen guten Eindruck zu vermitteln? 10 Tipps von Kommunikationstrainerin Isabel Nierbeck.

10 Tipps für einen überzeugenden Auftritt

  • Eine sichere, stabile Haltung wirkt sich positiv auf Atmung und Stimme aus. Sorgen Sie deshalb für guten Bodenkontakt. Wenn Sie stehen: Stellen Sie sich hüftbreit, verteilen Sie Ihr Gewicht auf beide Beine und bleiben Sie locker in den Knien; so kann der Atem gut fließen. Bei einem sehr engen Stand oder überkreuzten Beinen ist das nicht der Fall. Diese Haltungen signalisieren außerdem eher Unsicherheit.

  • Wenn Sie sitzen: Achten Sie darauf, dass Sie nicht auf dem Stuhl „hängen“ oder mit eingefallener Brust oder abgeknicktem Hals dasitzen. Stellen Sie auch hier guten Kontakt zum Boden und zur Sitzfläche her. Eine aufrechte, stabile Haltung gibt Ihnen innerlich Sicherheit und strahlt gleichzeitig Selbstbewusstsein aus.

  • Eine stabile Haltung bedeutet nicht, dass Sie sich nicht bewegen dürfen – im Gegenteil. Wer starr und wie eingefroren dasteht oder -sitzt verrät seine Anspannung. Dasselbe gilt für fahriges Herumfuchteln oder Zappeln.

  • Vermeiden Sie „Körperputzgesten“. Dazu gehören zum Beispiel das Spielen mit einer Haarsträhne, das Kratzen am Ohr oder das Zupfen an der Kleidung. Auch das unbewusste Spielen mit einem Stift oder Klackern mit einem Kugelschreiber sind Zeichen für Nervosität – und können außerdem Ihr Gegenüber von dem, was Sie sagen, ablenken.

  • Eine zittrige, erhöhte Sprechstimme und rasantes Sprechtempo verraten Ihre Aufregung. Versuchen Sie, Pausen zu machen und Ihr Tempo zu drosseln, wenn Sie zu schnellem Sprechen neigen.

  • Bei Lampenfieber werden wir automatisch hochatmiger. Auch die Stimme rutscht nach oben und klingt angespannt. Bauen Sie die Spannung ab, indem Sie vor dem Auftritt oder dem Gespräch Lockerungs-, Atem- und Stimmübungen machen.
Frau mit Pusteblume auf einer Wiese

Colourbox

Kleine Übungen für Atmung und Stimme

Zur Lockerung: Dehnen Sie sich gut durch, laufen Sie einmal um den Block oder schütteln Sie im stillen Kämmerlein einfach mal alle Gliedmaßen aus, um die muskuläre Spannung zu lösen. Eine einfache Atemübung: Eine Hand auf den Bauch legen, den Atem spüren. Das sammelt und fokussiert, der Atem wird tiefer und ruhiger. Für die Stimme: Wärmen Sie Ihre Stimme kurz auf, indem Sie Sie sich leicht auf die Brust klopfen und dabei summen. Oder: Kauen und dabei einen Ton von sich geben. Dadurch wird Ihre Stimme resonanzreicher und bleibt in ihrer natürlichen Lage. Vorteil: Sie haben nicht gleich zu Beginn Ihrer Präsentation einen „Frosch im Hals“.

  • Halten Sie Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber. Schauen Sie ihm offen ins Gesicht – so bekommen Sie auch mit, wie er auf das, was Sie sagen, reagiert. Achten Sie darauf, dass Sie nicht immer dieselbe Person fixieren, das wirkt irritierend. Wenn Sie also vor einer größeren Gruppe sprechen, schauen Sie abwechselnd verschiedene Personen an und stellen so einen Kontakt zu Ihren Zuhörern her. Gar nicht gut: den Blick beim Nachdenken zu lange abwenden, aus dem Fenster schauen oder stur auf Notizen oder den Boden starren. Ein flüchtiger, schneller Blickkontakt lässt Sie unsicher oder gehetzt wirken.

  • Wichtig ist auch Ihre innere Haltung. Sie drückt sich auch in Ihrem Auftreten aus. Wenn Sie mit der Einstellung „Das wird sowie nichts“ in ein Gespräch gehen, wird Ihr Gegenüber das spüren. Wappnen Sie sich, indem Sie sich positive Erfahrungen in Erinnerung bringen oder sich auf Ihre Stärken besinnen. Formulieren Sie daraus positive Glaubenssätze, aus denen Sie Kraft und Sicherheit schöpfen können.

  • Ganz wichtig: Üben, üben, üben. Probesprechen gehört zu einer guten Vorbereitung unbedingt dazu. Tragen Sie Ihre Präsentation einer vertrauten Person vor. Dabei merken Sie, an welchen Stellen es vielleicht noch hakt. Vor einem Vorstellungsgespräch oder einer Gehaltsverhandlung können Sie Freunde oder Verwandte bitten, die Situation in einem Rollenspiel zu proben. So bekommen Sie wertvolles Feedback und können üben, auch mit unerwarteten oder unangenehmen Fragen umzugehen.

  • Wie sicher wir uns fühlen, hängt auch von unserer Kleidung ab. Wählen Sie ein Outfit, das dem Anlass angemessen ist, in dem Sie sich aber trotzdem wohl fühlen und das Sie in Ihrer Bewegungsfreiheit nicht einschränkt. Wichtig ist, dass die Atmung nicht behindert wird, die Kleidung sie also nicht einschnürt. Sie können die Kleidung auch nutzen, um potentielle Schwachstellen bewusst zu kaschieren. Wenn Sie bei Aufregung zu roten Flecken am Hals neigen, tragen Sie zum Beispiel gerne einen Schal oder einen Rolli.

Und zu guter Letzt: Bleiben Sie bei aller Vorbereitung natürlich. „Versuchen Sie nicht, angelernte Posen einzunehmen, die angeblich gut wirken, aber nicht zu Ihnen passen“, rät Expertin Isabel Nierbeck. „Das wirkt gekünstelt und im schlimmsten Fall unglaubwürdig. Bleiben Sie Sie selbst – nur so können Sie auch authentisch und überzeugend rüberkommen.“

Isabel Nierbeck ist Kommunikationstrainerin und Coach für Atem-, Stimm- und Sprechtraining, Rede- und Gesprächsrhetorik. Sie gibt unter anderem Seminare für Gewerkschaften und gewerkschaftliche Bildungseinrichtungen.

Link: DGB Bildungswerk


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