Deutscher Gewerkschaftsbund

26.03.2019
Industrielle Transformation

Gastbeitrag: Die Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE stellt sich vor

Klimawandel und Energiewende, Digitalisierung und Industrie 4.0, demographischer Wandel und Globalisierung – all das sind Prozesse, die unsere Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend beeinflussen und verändern. Die Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE hat als Nachhaltigkeits-Think Tank der IG BCE den Auftrag, diese Transformationsprozesse aus industriegewerkschaftlicher Perspektive zu untersuchen, beleuchten sowie zur Lösung der vielen Zielkonflikte, die damit verbunden sind, beizutragen.

Logo Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE

Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE

Unser Fokus liegt auf der Industrie – insbesondere auf der Energiewirtschaft und den energieintensiven Branchen. Nicht zuletzt, weil eben in jenen Branchen viele Spannungsfelder der sozial-ökologischen Transformation am deutlichsten auftreten.

Zentraler Ausgangspunkt unserer Arbeit ist, dass ökologische Nachhaltigkeit nur im Zusammenspiel mit sozialer Gerechtigkeit und nachhaltigen Wohlstand zu erreichen ist. Es geht darum, durch eine kluge und ambitionierte Innovations- und Industriepolitik neue Technologien zu unterstützen und auf den Markt zu bringen. Hier ist vor allem eine vorrausschauende und gezielte Industriepolitik wichtig, welche die langen Innovations- und Investitionszyklen der Industrie in den Blick nehmen. Beispielsweise im Verkehrssektor – Autohersteller sowie die Zulieferer aus den entsprechenden Branchen – werden für die Entwicklung von Wasserstoff-, Brennstoffzellen- sowie Batterietechnologie neue industriepolitische Konzepte gebraucht. Das Gleiche gilt für den Energie- und Stromsektor, in dem erneuerbare Gase, Speichersysteme und Netzinfrastruktur für die erfolgreiche Dekarbonisierung notwendig sind. Und auch in den energieintensiven Branchen wie etwa Chemie oder der Stahl- und Zementherstellung muss der Staat neue Rahmenbedingungen setzen, die technologische Sprünge ermöglichen.

Parallel zu den klimapolitischen Rahmenbedingungen steigen die Anforderungen für Unternehmen, unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte stärker in ihren Produkten und Produktionsprozessen zu berücksichtigen – auch in den globalen Lieferketten. Ob die Digitalisierung zu einem Beschäftigungszuwachs oder -verlust beitragen wird, ist umstritten. Dagegen ist unstrittig, dass der Veränderungsdruck auf Beschäftigte und Unternehmen weiter steigen wird.

Vor dem Hintergrund der vielen gleichzeitig stattfindenden und teilweise sich gegenseitig verstärkenden Transformationsprozesse muss neben der industriepolitischen Agenda auch die soziale Sicherung sowie die Stärkung der Qualifikations- und Mitbestimmungssysteme im Fokus stehen. Nur wenn die Transformation nicht ausschließlich als rein (öko-)technologisches Projekt verstanden und vorangetrieben wird, und stattdessen eng mit Konzepte der sozialen Modernisierung verknüpft wird, ist eine dauerhafte gesellschaftliche Unterstützung realistisch.

Gewerkschaften waren immer Teil der Nachhaltigkeitsdiskurse bzw. tragen bis heute konkret dazu bei. Durch ihre Position an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Arbeit werden sie zunehmend zu zentralen Akteuren einer erfolgreichen Transformation. Es ist unser Ziel, zur Stärkung der gewerkschaftlichen Nachhaltigkeitsdebatte beitragen zu können. Wir freuen uns auf die Debatte!


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