Deutscher Gewerkschaftsbund

07.06.2022
DGB-Studie

Mutterschutz in Bedrängnis

Rechte von Schwangeren werden in vielen Betrieben missachtet

Arbeitsschutz und Pausenregelungen für Schwangere werden von vielen Arbeitgebern nicht eingehalten; Stillzeiten für Mütter kaum ermöglicht. Eine DGB-Studie zeigt das Ausmaß an Rechtsverletzungen in deutschen Unternehmen und die Folgen für lohnabhängige Frauen.

Schwangere Frau am Schreibtisch

DGB/dolgachov/123rf.com

Schutz vor Gefahren und Überforderung

Vor 70 Jahren verabschiedete der deutsche Bundestag das Mutterschutzgesetz (MuschG). Von den damals 410 Abgeordneten waren etwa 30 weiblich. Seither hat sich einiges im Bundestag und wenig an den Schutzvorkehrungen geändert. Das Gesetz regelt das Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin während Schwangerschaft und Stillzeit. Schwangere und stillende Menschen sollen vor Gefahren und Überforderungen am Arbeitsplatz geschützt werden. Nach einer Novelle im Jahr 2018 müssen Arbeitgeber den Arbeitsplatz Schwangerer oder Stillender so einrichten, dass sich Schwangerschaft, Stillwunsch und Berufstätigkeit nicht von vornherein ausschließen. Eine aktuelle Studie des DGB zeigt nun, dass Verstöße gegen ebendiese Regelungen keine Seltenheit sind.

Mehrarbeit in der Schwangerschaft

Mehr als die Hälfte der 1.193 online Befragten Mütter gab an, in der Schwangerschaft mehrmals Mehrarbeit über die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus geleistet zu haben (56 Prozent), genauso hat mehr als die Hälfte der Befragten die Tageshöchstarbeitszeit von 8,5 Arbeitsstunden in dieser Zeit überschritten (55 Prozent).

„Mehrarbeit ist offensichtlich die Regel, ebenso werden Vorschriften für Ruheräume und Entlastungsmöglichkeiten vielfach nicht eingehalten,“ kommentierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack die Studie.

Angesichts des grundsätzlich nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen gesundheitlichen Beschwerden und dem Leisten von Überstunden, bezeichnen die Autor*innen der Studie dieses Ergebnis als besonders gravierend.

Karrierebremse durch Care-Arbeit

Auch nach der Schwangerschaft berichten die Befragten von Nachteilen: Mehr als ein Viertel berichtete von langfristigen beruflichen Nachteilen aufgrund ihrer Schwangerschaft. Zwei Drittel von ihnen beklagten, die Schwangerschaft habe ihre berufliche Weiterentwicklung verzögert oder blockiert, bei fast der Hälfte von ihnen hätten sich anstehende Karriereschritte verzögert oder seien vollständig blockiert worden.

Elke Hannack: „Immer noch ist für viele Frauen die Geburt eines Kindes eine Karrierebremse – um dies zu ändern, gibt es noch viel zu tun. Die Unternehmen müssen endlich lernen, Schwangerschaft und Geburt als selbstverständlichen Teil in den Berufsbiografien ihrer Beschäftigten zu akzeptieren. Diese Lebensphase muss von allen betrieblichen Akteur*innen wohlwollend begleitet und unterstützt werden. Den gesetzlichen Rahmen dafür bietet das Mutterschutzgesetz.“

Gegen eine solch systematische Benachteiligung könne nur ein stärkeres Bewusstsein und ein strengerer Blick auf die Einhaltung der Rechte helfen. In Deutschland ist die Zahl der Betriebsbesichtigungen durch die Arbeitsschutzaufsicht von 479.565 im Jahr 2002 auf 127.683 in 2020 gesunken. Auch die Zahl der besichtigten Betriebe sank, von 197.982 im Jahr 2002 auf zuletzt 51.962 (2020). Aktuell gibt es deutschlandweit nur 1.490 Aufsichtsbeamt*innen mit Arbeitsschutzaufgaben. „Die Arbeitgeber stehen in der Pflicht, den Mutterschutz in den Betrieben zu gewährleisten. An regelmäßigen und konsequenten Kontrollen führt kein Weg vorbei,“ fordert Hannack.


 Zur kompletten Studie:


Nach oben

22. Ordentlicher DGB-Bundeskongress

Logo 22. OBK DGB
DGB
Vom 8. bis 12. Mai 2022 fand in Berlin der 22. Ordentliche Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. 400 Delegierte aus den acht DGB-Mitgliedsgewerkschaften, nationale und internationale Gäste kamen zum 22. Parlament der Arbeit.
zur Webseite …

Arbeitsmarkt: Zahl des Monats

Mädchen spielt auf der Straße "Himmel und Erde"
DGB/rawpixel/123rf.com
Manchmal sagt eine Zahl mehr als viele Worte. Wir stellen jeden Monat eine Zahl aus der Arbeitsmarktpolitik vor - von Leiharbeit bis Hartz IV.
weiterlesen …

Der DGB-Tarifticker

Ge­werk­schaf­ten: Ak­tu­el­le Ta­rif­ver­hand­lun­gen und Streiks
Menschenmenge Gewerkschafter Gewerkschafterinnen bei Kundgebung Demo Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen beenden, München, 9.4.16
DGB/Werner Bachmeier
Aktuelle Meldungen zu Tarifverhandlungen, Tariferfolgen und Streiks der acht Mitgliedsgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
weiterlesen …

WIR gesucht

WIR GE­SUCHT: Was hält uns zu­sam­men?
Tagesschau-Sprecher*innen Ingo Zamperoni und Caren Miosga vor blauem Hintergrund; Schrift: wir gesucht
ARD
Der DGB steht für ein starkes Wir, für Solidarität und unterstützt die Themenwoche WIR. Die ARD möchte zeigen, wo Menschen in Deutschland sich für Zusammenhalt einsetzen. Jetzt Projekte einreichen!
zur Webseite …

Wahlaufruf 2022

Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen 2022
Foto mit grafischer Überlagerung. Das Foto zeigt drei Personen bei der Büroarbeit, eine Person sitzt im Rollstuhl.
Kampus Production von pexels via Canva.com
Vom 1. Oktober bis 30. November 2022 werden Schwerbehindertenvertretungen (SBV) gewählt. In allen Betrieben mit mindestens fünf schwerbehinderten Beschäftigten oder ihnen gleichgestellten behinderten Beschäftigten haben diese das Recht auf eine spezielle Interessenvertretung. Aktuelle Auswertungen zeigen die Wichtigkeit der Vertreter*innen: Mit SBV sind die Arbeitsbedingungen schwerbehinderter Beschäftigter besser.
weiterlesen …

Aktuellste Meldungen

RSS-Feeds

RSS-Feeds: Un­se­re In­hal­te – schnell und ak­tu­ell
DGB RSS Feeds
Hintergrundfoto: Colourbox.de
Der DGB-Bundesvorstand bietet seine aktuellen Meldungen, Pressemitteilungen, Tarifmeldungen der DGB-Gewerkschaften sowie die Inhalte des DGB-Infoservices einblick auch als RSS-Feeds.
weiterlesen …

MITGLIED WERDEN

Rechtsschutz, Tarifliche Leistungen, Unterstützung bei Tarifkonflikten und Weiterbildung - dies sind vier von acht guten Gründen Mitglied in einer DGB-Gewerkschaft zu werden.
weiterlesen …

Direkt zu ihrer Gewerkschaft

Zu den DGB-Gewerkschaften

DGB