Deutscher Gewerkschaftsbund

13.12.2018
Ausbildung

"Der Ausbildungsmarkt zerfällt in parallele Welten"

Wohnort, Schulabschluss und Pass spielen eine große Rolle

Es klingt paradox: Auf der einen Seite gibt es immer mehr unbesetzte Ausbildungsplätze, auf der anderen Seite sind fast 80.000 Jugendliche akut auf der Suche. Und: Die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss steigt. Diese "Unwuchten auf dem Ausbildungsmarkt" müssen dringend beseitigt werden, fordert DGB-Vize Elke Hannack.

Junge Menschen mit Laptops auf einer Bank

DGB/rawpixel/123rf.com

In diesem Jahr wurden 531.414 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das sind 8.124 mehr als im Jahr zuvor und entspricht einem Anstieg von 1,6 Prozent. Auch das Angebot von Ausbildungsplätzen ist deutlich gestiegen. Aber: Viele Stellen bleiben unbesetzt, viele junge Menschen sind immer noch auf der Suche. Und: Die Hochrisikogruppe wird größer.

"Es bleiben zahlreiche Hausaufgaben zu erledigen"

„Der Ausbildungsmarkt zerfällt in parallele Welten: Während die Zahl der unbesetzten Plätze steigt, hängen die Ausbildungschancen der Jugendlichen noch immer stark von ihrem Wohnort, ihrem Schulabschluss und ihrem Pass ab", kritisiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Wir können froh sein, dass die Zahl der Ausbildungsverträge leicht gestiegen ist, doch es bleiben zahlreiche Hausaufgaben zu erledigen. Rund 78.600 Jugendliche suchen noch akut einen Ausbildungsplatz – und das bei 57.600 offenen Plätzen. Die Zahl der Jugendlichen ohne Berufsabschluss steigt weiter; von 13,9 auf 15,0 Prozent der jungen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren. Das sind 1,45 Millionen Jugendliche in diesem Alter. Sie sind die Hochrisikogruppe auf dem Arbeitsmarkt und fühlen sich von den demokratischen Kräften oft nicht mehr gesehen und angesprochen."

Allianz für Ausbildung

"Zurzeit verhandeln Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften über die Neuauflage der Allianz für Aus- und Weiterbildung", so Elke Hannack weiter. "Die neue Allianz muss sich daran messen lassen, ob sie diese Unwuchten auf dem Ausbildungsmarkt angeht. Im Koalitionsvertrag ist das vorgesehen - hier sind alle Allianz-Partner gefordert. Zu viele Betriebe ziehen bei der Ausbildung Mauern hoch und schotten sich gegen Hauptschüler ab. Es birgt sozialen Sprengstoff, wenn Unternehmen über einen vermeintlichen Azubi-Mangel klagen, sich aber von Hauptschülern abwenden. Nicht einmal jeder zweite Jugendliche mit Hauptschulabschluss schafft den direkten Sprung in Ausbildung. Die Betriebe müssen sich diesen Jugendlichen wieder öffnen. Mit den ausbildungsbegleitenden Hilfen und der Assistierten Ausbildung bietet der Staat die nötige Unterstützung an. Es gibt keine Ausreden mehr für mangelnde Ausbildungsbereitschaft. Wir müssen aber auch die Assistierte Ausbildung weiterentwickeln und ausbauen."

Große regionale Unterschiede

Elke Hannack weist auch auf die regionalen Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt hin: "Besonders dramatisch ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Ruhrgebiet, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsen sowie im Norden Schleswig-Holsteins. Wir dürfen nicht zulassen, dass in Oberhausen, Bochum, Hameln, Flensburg oder Nordbrandenburg eine abgehängte Generation heranwächst. In diesen Regionen muss der Staat ergänzend zur betrieblichen Ausbildung auch außerbetriebliche Plätze anbieten.“

 

 


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