Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 132 - 14.12.2016
Ausbildungsmarktbilanz

Vertragszahlen schrumpfen, Ausbildungsmarkt unter Spannung

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat heute seine Ausbildungsmarktbilanz für dieses Jahr vorgelegt. Dazu sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack am Mittwoch in Berlin:

„Der Ausbildungsmarkt steht weiter unter Spannung. Zwar ist es auch im zweiten Jahr der Allianz für Aus- und Weiterbildung gelungen, den jahrelangen drastischen Sinkflug der betrieblichen Ausbildungsverträge leicht zu bremsen. Insgesamt 520.332 Verträge wurden abgeschlossen. Die Zahl der Verträge ging um 0,4 Prozent oder 1.830 zurück. Dennoch suchen rund 80.600 Jugendliche akut einen Ausbildungsplatz, die von der Bundesagentur für Arbeit als ausbildungsreif eingestuft wurden. Ihnen stehen nur 43.600 offene Plätze gegenüber. Vor allem jungen Hauptschülern gelingt immer seltener der direkte Sprung von der Schule in Ausbildung. Eine Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt steht noch aus.

Noch im Sommer hatte das Handwerk ein sattes Plus von fünf Prozent der Ausbildungsverträge verkündet. Diese Zahl ist jetzt auf ein Mini-Plus von 0,2 Prozent geschrumpft. In Industrie und Handel gibt es sogar ein Minus von 1,3 Prozent der Verträge. Die Betriebe werden ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für Ausbildung nicht ausreichend gerecht. Es ist vor allem der Öffentliche Dienst, der mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent den Ausbildungsmarkt stabilisiert.

Die Fliehkräfte in unserer Gesellschaft wachsen, wenn eine konstant hohe Zahl von Jugendlichen den Sprung in Ausbildung nicht schafft und gleichzeitig eine wachsende Zahl an betrieblichen Ausbildungsplätzen offen bleibt.

Die Brüche auf dem Ausbildungsmarkt könnten im kommenden Jahr zunehmen, wenn mehr Geflüchtete aus den Sprachkursen und Vorbereitungsklassen auf den Ausbildungsmarkt kommen. Wir brauchen deshalb mehr betriebliche Ausbildungsplätze, die Bundesregierung muss zudem die Assistierte Ausbildung ausweiten. Wir werden in den künftigen Jahren nicht umhin kommen, gerade in Regionen mit einem angespannten Ausbildungsmarkt auch außerbetriebliche Ausbildung anzubieten.

Grundsätzlich gilt: Die duale Ausbildung bleibt attraktiv. Insgesamt 803.600 ausbildungsreife junge Menschen haben sich als Bewerber registrieren lassen. Von ihnen schafften nur 64,7 Prozent den Sprung in die Ausbildung. Die Betriebe haben es folglich selbst in der Hand, mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen.“

Hintergrund

Ein realistischer Blick auf die tatsächliche Lage auf dem Ausbildungsmarkt lässt sich mit der Kategorie der ausbildungsinteressierten Jugendlichen erfassen, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) entwickelt wurde. Sie setzt sich zusammen aus der Zahl der neuen Ausbildungsverträge sowie der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zwar den Bewerberstatus erhalten, aber keinen Ausbildungsplatz bekommen haben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, als Bewerber/-innen in der offiziellen Statistik gezählt werden. Jugendliche, die nach dem Kriterienkatalog „Ausbildungsreife“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht als „ausbildungsreif“ deklariert werden, erhalten keinen Bewerberstatus und fallen aus der offiziellen Ausbildungsbilanz somit gänzlich heraus. Den Kriterienkatalog „Ausbildungsreife“ haben die Spitzenverbände der Wirtschaft mit entwickelt. Das heißt im Umkehrschluss: Alle Bewerber/-innen, die offiziell in der BA-Statistik geführt werden, gelten als „ausbildungsreif“.

Die Quote der ausbildungsinteressierten Jugendlichen setzt sich aus folgenden Kategorien zusammen:

Offiziell unversorgte Bewerber/-innen: Auch im Jahr 2016 gab es 20.550 junge Bewerberinnen und Bewerber, die weder einen Ausbildungsplatz noch eine Ersatzmaßnahme bekommen haben. Es ist unstrittig, dass diese Jugendlichen als unversorgt gezählt werden müssen.

Bewerber/-innen in Warteschleifen mit Vermittlungsauftrag (alternativer Verbleib): Es werden aber auch Jugendliche als „versorgt“ gezählt, die von der BA als „ausbildungsreif“ eingestuft wurden und trotzdem in Ersatzmaßnahmen (Praktika, Einstiegsqualifizierungen berufsvorbereitende Maßnahmen etc.) „geparkt“ wurden. Von diesen Jugendlichen haben aber allein 2015 60.053 junge Menschen der BA angezeigt, dass sie aktuell noch einen Ausbildungsplatz suchen. Um ein realistischeres Bild der Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu bekommen, müssten nach Auffassung der Autoren des Nationalen Bildungsberichts zumindest diese Jugendlichen als unversorgt eingestuft werden. Damit bleiben allein 2016 insgesamt 80.603 Bewerber/-innen ohne Ausbildungsplatz.

Bewerber/-innen in Warteschleifen ohne Vermittlungsauftrag oder unbekannt Verbliebene Bewerber: 202.678 Jugendliche, die den Bewerberstatus erhalten haben, konnten trotzdem keinen Ausbildungsvertrag unterzeichnen. Sie waren entweder in Ersatzmaßnahmen, haben der BA aber nicht angezeigt, dass sie im laufenden Jahr noch einen Ausbildungsplatz suchen. Oder sie sind unbekannt verblieben. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) geht davon aus, dass viele diese Jugendlichen ihren Ausbildungswunsch nur aufgeschoben haben – immerhin ist das Ausbildungsjahr zum Stichtag 30. September schon seit bis zu acht Wochen im Gange.

Von den 803.613 jungen Menschen, die im Laufe des Berichtsjahres 2016 ein ernsthaftes Interesse an einer Ausbildung hatten – und die als „ausbildungsreif“ deklariert wurden – haben insgesamt 520.332 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Damit haben 64,7 Prozent (2015: 64,9 Prozent) dieser jungen Menschen einen Ausbildungsplatz gefunden.


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