Deutscher Gewerkschaftsbund

28.07.2017

Tag 4 der DGB-Sommertour 2017

Am 27. Juli machte die DGB-Sommertour Halt in Berlin und Rüdersdorf. Die letzten beiden Stationen der Tour: die Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei und die CEMEX Deutschland AG.

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Station 7: Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Berlin

Der letzte Tag der DGB-Sommertor 2017 beginnt mit strahlendem Sonnenschein – und einem intensiven Hopfen-Duft, der über dem Betriebsgelände der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Berlin-Hohenschönhausen liegt. Bei einer Führung erfahren wir, wie aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen entsteht – und wie man aus nur vier Grundstoffen unendlich viele verschiedene Biere brauen kann. Besonders beeindruckend sind die riesigen Tanks und die beiden Abfüllanlagen, in denen pro Stunde insgesamt knapp 100.000 Flaschen vom Band laufen. Menschen sehen wir hier nur wenige: Vieles läuft vollautomatisch.

Ein Mann und eine Frau blicken in einen Sudtopf in einer Brauerei

Die NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger in der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei DGB/U. Völkner/FOX

32-Stunden-Woche: Mehr Zeit fürs Feierabend-Bier 

Die Menschen, die in der Brauerei arbeiten, tun das oft schon seit vielen Jahren: Rund ein Drittel der Belegschaft hat bereits ihr 25- oder 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Ein Grund für die Zufriedenheit und Treue ist die 32-Stunden Woche. Sie wurde 1996 bei der Fusion der Brauereien Berliner Kindl und Berliner-Schultheiss im Tarifvertrag vereinbart, um Arbeitsplätze zu retten und Kündigungen zu vermeiden. Also eigentlich eine Notlösung – die dann aber schnell so populär wurde, dass die Beschäftigten sie auf keinen Fall wieder hergeben wollen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die zusätzliche Freizeit wichtig. Das hat auch damit zu tun, dass die Arbeit im Drei-Schicht-Betrieb anstrengend und Erholung deshalb etwas Wertvolles ist.

Immer mehr junge Frauen im Betrieb: „Brauerin ist mein Traumberuf“

Geringe Fluktuation und lange Betriebszugehörigkeit bedeuten aber auch: Die Belegschaft ist im Schnitt relativ alt, das Durchschnittsalter liegt bei rund 49 Jahren. Aber: „Uns gelingt es, im Ausbildungsbereich viele junge Mädchen zum Beispiel für den Beruf 'Brauer und Mälzer' zu gewinnen. Das freut uns sehr, dass die Männerdomäne ein bisschen aufgebrochen wird und wir es offensichtlich schaffen, den Beruf auch für junge Frauen attraktiv zu machen“, sagt der Geschäftsführer Wolfhard Buß. Der Anteil der Frauen im Betrieb beträgt inzwischen 26 Prozent. Später treffen wir eine von ihnen, eine junge Frau, die hier ihre Ausbildung zur Brauerin abgeschlossen hat. „Dass ich mich für den Beruf entschieden habe, war eigentlich Zufall“, berichtet sie. „Doch jetzt kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen. Ich habe meinen Traumberuf gefunden.“

Station 8: CEMEX Deutschland AG in Rüdersdorf

Zwei Männer mit roten Bauhelmen auf dem Dach einer Industrieanlage

Der IG-BAU-Vorsitzende Robert Feiger (r.) verschafft sich beim Zementhersteller CEMEX in Rüdersdorf den Überblick DGB/U. Völkner/FOX

Die nächste Station der Sommertour ist gleichzeitig die letzte: Die CEMEX AG in Rüdersdorf. Im Zementwerk  erfahren wir, wie aus Kalkstein ein international gefragter Baustoff wird – und was sich das Unternehmen einfallen lässt, um die dringend benötigten Fachkräfte zu gewinnen. Doch bevor es losgeht kleiden wir uns ein: Ohne Sicherheitsschuhe, Warnweste, Schutzbrille und Handschuhe geht bei der Werksbesichtigung nichts. So ausgestattet, erkunden wir eines der modernesten Zementwerke Deutschlands. In den letzten Jahren wurde hier viel investiert, um die Produktion umweltfreundlicher zu machen und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben. Unter anderem wurden die Filteranlagen umgebaut und die Nutzung von Sekundärbrenn- und -rohstoffen weiterentwickelt. Ergebnis: deutlich weniger Staub in der Luft, geringerer CO2-Ausstoß und Schonung der natürlichen Ressourcen.

Ausbildung mit "Wohlfühl-Faktor"

Eine große Herausforderung für das Unternehmen ist es, gute Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Das fängt schon bei der Ausbildung an. „Für Jugendliche stehen Nähe zum Wohnort und gute Erreichbarkeit des Ausbildungsplatzes ganz oben auf der Prioritätenliste“, sagt Jana Welsch, Director Human Resources bei CEMEX. „Da haben wir manchmal einen Standortnachteil. Um so wichtiger ist es, dass unsere Angebote und Konditionen attraktiver sind als die der anderen Betriebe.“

Um die Qualität der Ausbildung zu verbessern und einen „Wohlfühl-Faktor“ zu schaffen, wurden unter anderem einheitliche Ausbildungsrichtlinien und großzügige Regelung zur Kostenübernahme vereinbart. Außerdem werden die „Young Talents“ durch eine spezielle Ausbildungskoordination betreut; es gibt Einführungswochen, Workshops und zeitlich begrenzte Einsätze in anderen Geschäftsfeldern, beziehungsweise an anderen Standorten. Und: Jeder Auszubildende erhält eine deutschlandweite Übernahmegarantie auf einen unbefristeten Arbeitsplatz.  

Ziel: Von Mitbewerbern abgrenzen

Weitere Maßnahmen: Für Hochschulabsolventen wurde ein einjähriges Trainee-Programm entwickelt, es gibt ein Konzept zur Einstellung von Flüchtlingen und ausscheidenden Berufssoldaten sowie ein umfangreiches Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramm für die Beschäftigten. „Außerdem legen wir besonderen Wert auf die Sozialleistungen“, erfahren wir vom Betriebsrat. Dazu gehören zum Beispiel eine betriebliche Altersversorgung, ein Dauersozialplan und eine Überbrückungs-Betriebsvereinbarung, die dauerhaft erkrankten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Übergang in die Rente finanziell erleichtert. Es gibt eine Unterstützungskasse für in Not geratene Kolleginnen und Kollegen sowie einen Sozialfonds, der von der Geschäftsführung finanziert wird.

„All das tun wir, um uns von Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt abzugrenzen“, sagt Henning Weber, Mitglied der Geschäftsführung und Hauptverantwortlicher für den Bereich Zementproduktion in Deutschland. „Trotzdem wird es langfristig immer weniger Fachkräfte geben. Um das aufzufangen, müssen wir unser Produktivität und Effizienz in Zukunft steigern. Wir sehen in der Digitalisierung deshalb keine Gefahr, sondern eine Chance, auch für diesen Standort."

TAG 4: DIE STATIONEN DER DGB-SOMMERTOUR 2017
(Donnerstag, 27. Juli)
Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Berlin-Hohenschönhausen
CEMEX Deutschland AG in Rüdersdorf
organisiert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
organisiert von der Industriegewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)
Die Brauerei entstand aus dem Zusammenschluss der Berliner Kindl Brauerei und der Berliner-Schultheiss-Brauerei. Sie gehört zu den bedeutendsten Brauereien in den neuen Bundesländern und ist Teil der Radeberger-Gruppe im Oetker-Konzern. In der Brauerei selbst sind 272 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, bei der Tochter Spree-Trans, einem Logistik-Dienstleister, weitere 98. Der Betriebsrat des Unternehmens gilt als einer der kämpferischsten in der Radeberger-Gruppe, er ist Vorreiter bei Entgelt-Verhandlungen und Altersteilzeit. Auf seine Initiative hin wurden Leiharbeiter nach einem Outsourcing wieder in den Betrieb eingegliedert; sie erhalten nun tarifliche Löhne und Leistungen wie Sonderzahlungen und Haustrunk. Eine Herausforderung für das Unternehmen sind die extremen Nachfrageschwankungen, die eine hohe Flexibilität erfordern.

Der Baustoffhersteller ist Teil eines weltweit operierenden Unternehmens mit Hauptsitz in Mexiko. Hauptprodukte sind mineralische Rohstoffe (Kies, Sand, Split), Zement, Transportbeton und Bauchemie.  In Deutschland gibt es mehr als 100 Niederlassungen mit knapp 1500 Beschäftigten. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren, der Frauenanteil bei 18 Prozent. Außerdem sind 64 Auszubildende und etwa 20 Leiharbeitnehmer im Unternehmen beschäftigt. Es gibt einen Hausmanteltarifvertrag und ein Nachhaltigkeitsmodell, das unter anderem auf soziale Verantwortung und CO2-arme Produktion zielt. Wesentlicher Zukunftsfaktor ist die Sicherung von Fachkräften.  


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