Deutscher Gewerkschaftsbund

17.07.2017
Arbeitszeit

DGB-Faktencheck: Überstunden in Deutschland

Zahl seit Jahren relativ konstant

1,8 Milliarden Überstunden machen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland - jedes Jahr. Umgerechnet entspricht das 45 Millionen 40-Stunden-Wochen. Das Problem: Die Mehrheit dieser Überstunden werden nicht bezahlt. Dadurch sind den Beschäftigten allein im letzten Jahr mehr als 20 Milliarden Euro Lohn und Gehalt entgangen.

Junge Frau sitzt an überfülltem Schreibtisch und stützt den Kopf auf die Hände

DGB/Andriy Popov/123rf.com

Fakt oder Fake?

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) behauptet in ihrer aktuellen Broschüre „Fakten statt Zerrbilder“ (Juli 2017), dass es seit Jahren einen deutlichen Rückgang der Überstunden in Deutschland geben würde. Doch der Faktencheck – nach den Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB, 2017), auf die sich auch die BDA beruft – zeigt:

  1. Von einem Sinkflug bei den Überstunden in Deutschland kann keine Rede sein.
  2. Es zeigt sich ein anhaltend hohes Niveau an Überstunden.
  3. In den letzten Jahren – seit 2013 – liegen Überstunden relativ stabil bei 1,8 Milliarden.
  4. Die Mehrheit der Überstunden wird nicht bezahlt.
Grafik Überstunden in Deutschland

DGB

Grafik Überstundenvolumen seit dem Jahr 2000

DGB

DGB-Faktencheck

BDA rechnet Zahlen klein

Einzig positiv an der Entwicklung der letzten Jahre ist, dass die besonders hohe Zahl an unbezahlten Überstunden – von 2006 bis 2011 – in den letzten Jahren wieder leicht zurückgegangen ist. Gleichwohl zeigt die Übersicht seit dem Jahr 2000 ein kontinuierlich hohes Niveau. In den letzten Jahren wurden jeweils eine knappe Milliarde Überstunden nicht bezahlt.

Der Trick der Arbeitgeber: Die BDA nimmt als Vergleichsjahr aus den letzten 16 Jahren ausgerechnet das Jahr (2007), in dem die Belastung mit 1,25 Milliarden unbezahlten Stunden besonders hoch war. Außerdem rechnet die BDA das Gesamtvolumen auf die einzelnen Beschäftigten klein.

Grafik Jährliche Überstunden pro ArbeitnehmerInnen seit 2000

DGB

Fazit:

Die Darstellung eines Sinkfluges bei den Überstunden ist eine offensichtlich bewusste Verharmlosung durch die BDA.

Legt man das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen von 3.700 Euro bei Vollzeitbeschäftigten zugrunde (StBA 2017), das einem Brutto-Stundenlohn von rund 23 Euro entspricht, so wurden den Beschäftigten allein im Jahr 2016 mehr als 20 Milliarden Euro an Entgelt vorenthalten – trotz zusätzlicher Arbeitsleistung.


Nach oben

Weitere Themen

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Wer Be­triebs­rä­te be­hin­der­t, dem droht bis zu ei­nem Jahr Ge­fäng­nis
Colourbox.de
Wer Betriebsräte in ihrer Tätigkeit behindert, dem drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafen – eigentlich. Denn diese Straftaten von Arbeitgebern werden praktisch nicht verfolgt. Das sei skandalös, findet der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann – und fordert Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften.
weiterlesen …

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Hoffmann: Auch Politik ist in der Arbeitszeit-Debatte gefordert
Mehr Souveränität und Arbeitszeiten, die sich an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen: Im Rahmen der Konferenz Leben_Arbeit_Zukunft hat der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann die Bundesregierung aufgefordert, den Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit schnell umzusetzen und die Rechte der Beschäftigten zu stärken: „Wir erwarten politische Unterstützung zur selbstbestimmten Gestaltung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit sowie des Arbeitsortes“. Zur Pressemeldung
Artikel
DGB-Faktencheck: Niedriglöhne in Deutschland
Der DGB-Faktencheck zeigt: Der Niedriglohnsektor ist für Geringqualifizierte kein "Sprungbrett" in bessere Arbeit. Selbst die OECD widerspricht dieser Arbeitgeber-These. weiterlesen …
Pressemeldung
Union und Arbeitgeber verhindern flexible Teilzeit
Union und Arbeitgeber haben die Vorschläge von Bundesarbeitsministerin Nahles zu einem neuen Teilzeitgesetz abgelehnt. Die Union hat damit „ein zentrales Versprechen aus dem Koalitionsvertrag nicht gehalten“, sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Er erwartet „endlich ein modernes Teilzeitgesetz, das den Ansprüchen der Beschäftigten Rechnung trägt.“ Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten