Deutscher Gewerkschaftsbund

04.01.2018
Plattformökonomie

Unfallversicherung: Uber, Airbnb & Co sollen Sozialabgaben zahlen

Sie vermitteln online Autofahrten, Ferienwohnungen oder andere Dienstleistungen – doch als Arbeitgeber sehen sich Unternehmen der so genannten Plattformökonomie wie Uber oder Airbnb nicht. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung sagt: Das schadet unseren Sozialsystemen – und fordert jetzt: Auch die Plattform-Betreiber sollen Sozialabgaben zahlen.

Mann (von hinten aufgenommen) mit Tablet- und Laptop-Computer

Colourbox.de

Bisher übernehmen die Plattformen kaum Verantwortung für die Menschen, von deren vermittelter Arbeit sie ihre Gewinne erzielen: Sie zahlen keine Sozialabgaben für die Click- und Crowdworker und überprüfen nur selten, ob Arbeitsstandards eingehalten werden. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), fordert deshalb jetzt: "Auch die Solo-Selbstständigen und Crowdworker sollten in die gesetzliche Unfallversicherung integriert werden." Denn zum einen entgeht laut Breuer allein der gesetzlichen Unfallversicherung rund eine Milliarde Euro pro Jahr an Beitragseinnahmen – weil die Plattformbetreiber sich mit ihrem Geschäftsmodell um den Status als Arbeitgeber herumdrücken. Zum anderen sind die Crowdworker bei Unfällen bisher nicht abgesichert.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB): Plattformen haben Arbeitgeberfunktion

"Plattformen haben in der Regel Arbeitgeberfunktion, da dürfen sie sich nicht einfach an ihren Verpflichtungen vorbeidrücken", sagt auch DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Es sei deshalb "ermutigend, dass die gesetzliche Unfallversicherung so klar Position bezieht". Gerade Selbständige in prekärer Lage, auch Click- und Crowdworker "gehören in den Schutz der Sozialversicherung", fordert Buntenbach. "Wenn Tätigkeiten ausgelagert oder in Subunternehmerketten weitergegeben werden, darf der soziale Schutz nicht auf der Strecke bleiben – dazu gehört auch die Unfallversicherung. Am Bau zum Beispiel müssen die Standards für Sicherheit und Gesundheit für alle gelten, und zwar verbindlich!"

Unfallversicherung nennt Frankreich als Vorbild

DGUV-Hauptgeschäftsführer Breuer plädiert dafür, in Deutschland ein ähnliches Modell zu schaffen, wie es in Frankreich seit Anfang 2018 gilt: Dort gibt es jetzt gesetzlich definiert "Arbeitnehmer, die eine elektronische Vermittlungsplattform nutzen". Click- und Crowdworker gelten dort also in der Regel nicht als Solo-Selbstständige, sondern als Arbeitnehmer. Die Plattform-Betreiber müssen in Frankreich diese Arbeitnehmer melden und für sie Sozialbeiträge abführen.

 


Nach oben

Weitere Themen

Ex­tre­me Wit­te­rung: Was bei Un­wet­ter, Käl­te und Hit­ze im Job gilt
DGB/Wang Tom/123Rf.com
Extremes Wetter, ob im Sommer oder Winter, stellt Beschäftigte vor besondere Fragen: Wie heiß oder kalt darf es am Arbeitsplatz eigentlich sein? Sind kurze Hose und Flip Flops bei der Arbeit erlaubt? Und muss ich bei Unwetterwarnungen zur Arbeit? Der DGB-Rechtsschutz gibt Antworten.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

... ge­neh­mig­ten Ur­laub wie­der strei­chen?
DGB/siraphol/123rf.com
Der Urlaub wurde schon vor Wochen genehmigt, das Hotel ist gebucht, der Koffer so gut wie gepackt - und dann macht der Chef einen Rückzieher, weil ein großer Auftrag reingekommen oder ein Kollege krank geworden ist. Ist das erlaubt? Und kann er verlangen, dass ich im Notfall meinen Urlaub sogar abbreche?
weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten