Equal Pay Day 2026: „Muss ich einen Bart tragen, um gerecht bezahlt zu werden?“

DGB-Jugend Köln fassungslos über anhaltende Lohnungleichheit

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Ordnungsnummer 6

Auch im Jahr 2026 verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt rund 16 Prozent weniger als Männer. Um auf diese anhaltende Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, organisiert die DGB‑Jugend Köln am Equal Pay Day eine öffentlichkeitswirksame Aktion unter dem provokanten Motto: „Muss ich einen Bart tragen, um gerecht bezahlt zu werden?“

„Meine Freundinnen und ich arbeiten hart, häufig unbezahlt, selten anerkannt und oft unsichtbar. Deshalb raubt es mir den letzten Nerv, dass wir bei der Schließung der Lohnlücke kaum vorankommen, nur weil Man(n) uns nicht glaubt, dass diese Probleme existieren. Dabei ist die Faktenlage klar“, erklärt Janine Deling, stellvertretende Vorsitzende der DGB‑Jugend Köln. Gemeinsam gehen die jungen Gewerkschafter*innen deshalb heute mit angeklebten Bärten auf die Straße. „Wir wollen mit der Aktion zeigen, dass unsere Löhne ein Bart‑Problem haben!“, so Deling

„Lohnungleichheit ist kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem“, sagt Katharina Sieben, Jugendbildungsreferentin beim DGB Köln‑Bonn. Frauen verdienen weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit oder geraten in die Minijobfalle. Aufgrund geringerer Erwerbstätigkeit und niedrigerer Einkommen sind viele Frauen finanziell stärker vom Partner abhängig und tragen ein erhöhtes Risiko, im Alter in Armut zu geraten. Dabei sind viele von ihnen gut qualifiziert, arbeiten jedoch unter ihren Möglichkeiten. Zudem sind Frauen überdurchschnittlich häufig in Berufen tätig, die gesellschaftlich unverzichtbar, aber traditionell schlecht bezahlt sind. Dazu zählt der Sozial‑, Bildungs‑ und Pflegebereich.

Katharina Sieben macht deutlich: „Die Lösungen liegen auf der Hand. Wir brauchen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zentral bleibt der Ausbau einer verlässlichen Kinderbetreuungs‑ und Pflegeinfrastruktur. Erst dann können sich Frauen aus unfreiwilliger Teilzeit oder prekären Beschäftigungsverhältnissen wie Minijobs befreien.“ Der Jugendbildungsreferentin ist zudem wichtig zu betonen: „Dort, wo Tarifverträge die Gehälter regeln, sind Löhne am gerechtesten verteilt. Wir fordern deswegen mehr Tarifbindung und eine vernünftige Entgelttransparenz!“
„All das sind politische Weichen, die gesetzt werden müssen“, ergänzt Janine Deling. „Aber wir können auch selbstwirksam sein. Ich habe bewusst angefangen, meine Kolleg*innen nach ihrem Gehalt zu fragen, um ein Bewusstsein für Löhne und Ungleichheit zu schaffen.“

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