Tarifstreit bei OMIRA eskaliert

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Die Gewerkschaft NGG hat die Tarifverhandlungen mit dem Milchverarbeiter OMIRA in Ravensburg für gescheitert erklärt. Nach über eineinhalb Jahren intensiver Gespräche bereitet die NGG nun Arbeitskampfmaßnahmen vor. Die Geduld der Beschäftigten ist nach eigenen Angaben am Ende.

Vom Tarifvertrag zur Tarifflucht

OMIRA hält sich seit 2017 nicht mehr an Tarifverträge. Bis zu diesem Jahr war der Betrieb tarifgebunden, doch mit dem Kauf durch den Konzern Lactalis endete diese Bindung. Die Belegschaft beobachtete diese Entwicklung lange, bis viele Beschäftigte Mitglieder der NGG wurden und die Gewerkschaft im Sommer 2024 beauftragten, eine neue Tarifbindung zu verhandeln.

Überraschende Kehrtwende nach 18 Monaten

Seit rund 18 Monaten saßen Vertreter der NGG und die Geschäftsführung von OMIRA am Verhandlungstisch. Das Ziel waren 3 Tarifverträge für faire Löhne, moderne Arbeitsbedingungen und eine zukunftssichere Altersvorsorge. Statt eines Abschlusses folgte jedoch eine überraschende Wendung: Die Arbeitgeberseite rückte plötzlich von dem Ziel ab, überhaupt tarifliche Regelungen festschreiben zu wollen. Daraufhin erklärte die NGG-Tarifkommission die Verhandlungen für gescheitert.

Massiver Vertrauensbruch

Michael Gutmann, Geschäftsführer der NGG-Region Ulm-Aalen/Göppingen, kritisiert das Vorgehen scharf. Die Beschäftigten seien nicht nur enttäuscht, sondern stinksauer über diese anhaltende Tarifflucht. Nach anderthalb Jahren konstruktiver Arbeit plötzlich zu erklären, man wolle nun doch keine Tarife mehr, sei ein beispielloser Schlag ins Gesicht der Belegschaft und ein massiver Vertrauensbruch. Besonders brisant ist laut Gutmann, dass alle Produktionsstandorte von Lactalis in Deutschland tarifgebunden sind, nur der Standort in Ravensburg nicht. Von Fairness und Wertschätzung fehle hier jede Spur.

Arbeitskampfmaßnahmen in Vorbereitung

Die Stimmung im Werk in Ravensburg ist aufgeheizt. Die Belegschaft fühlt sich von der Geschäftsführung hingehalten und nicht wertgeschätzt. Für die Beschäftigten und die NGG ist die Zeit der Diplomatie am runden Tisch vorbei. Die Gewerkschaft sieht die Verhandlungen als gescheitert an, da die Basis für weitere Gespräche fehlt. Die Planungen für Arbeitskampfmaßnahmen laufen bereits auf Hochtouren. In den kommenden Tagen wird die Belegschaft über die weiteren Schritte informiert und auf die kommenden Auseinandersetzungen vorbereitet. Begleitend zu diesen Vorbereitungen werden Aktionen vor Ort stattfinden, wie Unterschriftensammlungen in der Belegschaft für die Tarifverträge.

Betriebsrat sieht keine Alternative

Yvonne Becker, Betriebsratsvorsitzende und NGG-Tarifkommissionsmitglied, stellt klar, dass die Belegschaft alles versucht habe, um eine faire Lösung am Verhandlungstisch zu finden. Wer aber die Existenzgrundlage von Tarifverträgen nach 18 Monaten infrage stelle, provoziere den Konflikt. Die Beschäftigten bereiten nun alles vor, um den Druck direkt auf die Straße und vor die Werkstore zu tragen. Aktionen und Arbeitskampfmaßnahmen seien in dieser Situation die einzige logische Konsequenz.

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