Deutscher Gewerkschaftsbund

14.02.2019
WSI-Studie

Der Mindestlohn steigt - (fast) überall in Europa

Deutschland ist Schlusslicht in Westeuropa

Es geht bergauf, zum Teil sogar kräftig: In den 22 EU-Staaten, die eine gesetzliche Lohnuntergrenze haben, sind die Mindestlöhne im Schnitt um 4,8 Prozent gestiegen. Auch in Deutschland gab es eine Erhöhung - trotzdem sind wir immer noch Schlusslicht in Westeuropa. Die aktuellen Zahlen des WSI im Überblick.

Miniatur-Globus auf Euro-Geldscheinen

DGB/Aleksandr Belugin/123rf.com

böckler.de: Internationaler Mindestlohnreport des WSI

Es sind die zweitstärksten Erhöhungen seit 2009: In den 22 EU-Staaten, die eine gesetzliche Lohnuntergrenze haben, sind die Mindestlöhne im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 4,8 Prozent gestiegen. Außer Lettland haben alle Länder die Mindestlöhne erhöht oder planen das demnächst. Auch in Deutschland wurde der allgemeine gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2019 angehoben, von 8,84 Euro auf 9,19 Euro pro Stunde.

Allerdings: Der deutsche Mindestlohn liegt trotz des Anstiegs deutlich unter den Lohnuntergrenzen in den anderen westeuropäischen Euro-Staaten. Dort gibt es überall mindestens 9,66 Euro in der Stunde, in Frankreich sogar erstmals über 10 Euro. Spitzenreiter ist Luxemburg mit einem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 11,97 Euro.

"Wir wollen, dass der Mindestlohn armutsfest ist"

Was bedeutet das konkret für Deutschland und die weitere Entwicklung? "Es gibt zurzeit eine politische Debatte über die Höhe des Mindestlohns; die Forderungen reichen von 11,80 bis 12,65 Euro", sagt DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell.  "Wir wollen, dass der Mindestlohn armutsfest ist. Im nächsten Jahr muss das Gesetz evaluiert werden – die Politik sollte dies für eine einmalige Anhebung des Niveaus nutzen. Wir brauchen ein vergleichbares Lohngefüge und einen europäischen Mindestlohn."

Grafik zeigt gesetzliche Mindestlöhne im internationalen Vergleich

WSI


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