Deutscher Gewerkschaftsbund

12.04.2021
Gesetzlicher Mindestlohn

Mindestlohn 2021/2022: Was ändert sich?

Gesetzlicher Mindestlohn ist zum 1. Januar 2021 auf 9,50 Euro gestiegen

Wie hoch ist der Mindestlohn im Jahr 2021? Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2021 und 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn

DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com

AKTUELLER GESETZLICHER MINDESTLOHN
Der aktuelle gesetzliche Mindestlohn im Jahr 2021 beträgt 9,50 Euro (noch bis 30. Juni 2021).

Wie wurde der gesetzliche Mindestlohn für 2021 und 2022 festgelegt?

Am 30. Juni 2020 hat die Mindestlohnkommission ihre Empfehlung für die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in den Jahren 2021 und 2022 abgegeben. Die Bundesregierung ist dieser Empfehlung der Mindestlohnkommission gefolgt. Der Mindestlohn wird demnach in den beiden Jahren 2021 und 2022 in vier Stufen steigen.

Wie hoch ist der gesetzliche Mindestlohn 2021?

  • Vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2021 beträgt der gesetzliche Mindestlohn: 9,50 Euro
  • Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2021 beträgt der gesetzliche Mindestlohn: 9,60 Euro

Wie hoch ist der gesetzliche Mindestlohn 2022?

  • Vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2022 beträgt der gesetzliche Mindestlohn: 9,82 Euro
  • Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2022 beträgt der gesetzliche Mindestlohn: 10,45 Euro

Wann wird der gesetzliche Mindestlohn erhöht?

Der gesetzliche Mindestlohn wird in den Jahren 2021 und 2022 in vier Schritten erhöht: Zum 1. Januar 2021 auf 9,50 Euro, zum 1. Juli 2021 auf 9,60 Euro, zum 1. Januar 2022 auf 9,82 Euro und zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro.

Wann gibt die Mindestlohnkommission ihre nächste Empfehlung für eine Mindestlohnerhöhung ab?

Die Mindestlohnkommission gibt ihre Empfehlung für die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns alle zwei Jahre ab. Ihre letzte Empfehlung hat sie am 30. Juni 2020 für die Jahre 2021 und 2022 abgegeben. Die bereits erfolgten oder anstehenden Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns in den Jahren 2021 und 2022 beruhen auf dieser Empfehlung.

Planmäßig wird die Mindestlohnkommission ihre nächste Empfehlung für die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns im Sommer 2022 abgeben. Wenn die Bundesregierung dieser Empfehlung folgt, gibt es dann ab Januar 2023 einen neuen gesetzlichen Mindestlohn-Betrag.  Da die Mindestlohnkommission ihre Empfehlung für die Jahre 2023 und 2024 aber, wie gesagt, erst im Sommer 2022 abgeben wird, steht die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns für die Jahre 2023 und 2024 noch nicht fest.

Wie hoch war der gesetzliche Mindestlohn 2020?

Der gesetzliche Mindestlohn betrug im Jahr 2020 9,35 pro Stunde und wurde zum 1. Januar 2021 auf 9,50 erhöht.

Wie hat sich der gesetzliche Mindestlohn entwickelt?

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland hat sich seit seiner Einführung in Deutschland am 1. Januar 2015 wie folgt entwickelt:

Jahr Mindestlohn
(in €/Std.)
2015 8,50
2016 8,50
2017 8,84
2018 8,84
2019 9,19
2020 9,35
2021 9,50
(1. Halbjahr)
9,60
(2. Halbjahr)
2022 9,82
(1. Halbjahr)
10,45
(2. Halbjahr)

Mit der aktuellen Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in den Jahren 2021 und 2022 steigt der Mindestlohn von Ende 2020 bis zum 2. Halbjahr 2022 um 11,8 Prozent.

Im Vergleich zur Einführung im Jahr 2015 (8,50 Euro) wird der gesetzliche Mindestlohn bis zum 2. Halbjahr 2022 um 22,9 Prozent gestiegen sein.

Die Entwicklung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland von 2015 bis 2022

Die Entwicklung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland von 2015 bis 2022 DGB

Gibt es 2021 noch Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn?

Hände eines Mannes umfassen ein "Achtung/Vorsicht"-Verkehrsschild

Colourbox.de

Auch im Jahr 2021 und im Jahr 2022 gibt es noch Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn.

Mindestlohn-Ausnahmen - Der gesetzliche Mindestlohn gilt weiterhin NICHT für:

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Auszubildende – unabhängig von ihrem Alter – im Rahmen der
    Berufsausbildung (Hinweis: Im Zuge der Reform des Berufsbildungsgesetzes ist häufig von der Einführung eines "Mindestlohns für Azubis" die Rede. Die korrekte Bezeichnung für dieses Mindestentgelt für Auszubildende ist aber "Mindestausbildungsvergütung" und nicht zu verwechseln mit dem gesetzlichen Mindestlohn. Hier finden Sie mehr Informationen zur Mindestausbildungsvergütung und hier finden Sie die Höhe des "Mindestlohns für Auszubildende" in 2021)
  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer
    Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit
  • Praktikanten, wenn das Praktikum verpflichtend im Rahmen einer
    schulischen oder hochschulischen Ausbildung stattfindet
  • Praktikanten, wenn das Praktikum freiwillig bis zu einer Dauer
    von drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder
    Aufnahme eines Studiums dient
  • Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung als Vorbereitung zu
    einer Berufsausbildung oder an einer anderen Berufsbildungsvor-
    bereitung nach dem Berufsbildungsgesetz teilnehmen
  • ehrenamtlich Tätige

Daneben galt bei Einführung des Mindestlohngesetzes für Tarifverträge, die Löhne unter dem gesetzlichen Mindestlohn vorsehen, eine Übergangsfrist. Diese Frist ist inzwischen aber längst ausgelaufen. Deshalb gilt: In keiner Branche darf (auch 2021 und 2022; abgesehen von den oben genannten Personengruppen) weniger gezahlt werden als es der gesetzliche Mindestlohn vorsieht.

Welche Mindestlöhne bzw. Branchenmindestlöhne steigen noch im Jahr 2021?

Mindestlöhne in bestimmten Berufen

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es auch noch Branchenmindestlöhne. Ein Branchenmindestlohn wird von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Er gilt dann für alle Beschäftigten dieser Branche - auch dann, wenn ihr Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist (Übersicht zu allen Branchenmindestlöhnen und weitere Informationen zum Thema Branchenmindestlohn).

Im Laufe des Jahres 2021 gibt es folgende neue/erhöhte Branchenmindestlöhne:

  • In der Abfallwirtschaft erhöht sich der Branchenmindestlohn ab Oktober 2021 von 10,25 Euro auf 10,45 Euro.
  • In der Beruflichen Aus- und Weiterbildung erhöht sich der Branchenmindestlohn ab Januar 2021 von 16,19 Euro auf 16,68 Euro für Pädagogische Mitarbeiter/innen. Für Pädagogische Mitarbeiter/innen mit Bachelorabschluss erhöht er sich zum selben Zeitpunkt von 16,39 Euro auf 17,02 Euro.
  • Im Dachdeckerhandwerk erhöht sich der Branchenmindestlohn ab Januar 2021 von 12,40 Euro auf 12,60 Euro für ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für Dachdecker-Gesellinnen und Dachdecker-Gesellen erhöht er sich zum selben Zeitpunkt von 13,60 Euro auf 14,10 Euro.
  • Im Elektrohandwerk erhöht sich der Branchenmindestlohn ab Januar 2021 von 11,90 Euro auf 12,40 Euro.
  • In der Pflegebranche wird es ebenfalls neue Branchenmindestlöhne geben. Lesen Sie dazu unsere Übersicht zum "Mindestlohn Pflege" in unserer Übersicht zu Branchenmindestlöhnen.
  • Auch in der Leiharbeit/Zeitarbeit steigen die Mindestentgelte.
"Mindestlohn für Auszubildende"

Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht für Auszubildende. Der Begriff "Mindestlohn für Azubis" wird jedoch umgangssprachlich häufig für die Mindestausbildungsvergütung verwendet. Auch diese Mindestausbildungsvergütung steigt ab Januar 2021: Sie beträgt dann im Jahr 2021

  • 550 Euro im 1. Ausbildungsjahr,
  • 649 Euro im 2. Ausbildungsjahr,
  • 743 Euro im 3. Ausbildungsjahr
  • 770 Euro im 4. Ausbildungsjahr

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