Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2020

Hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Mindestlohn von 12 Euro

Hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen sich für eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro sowie gegen eine "Corona-Nullrunde" beim Mindestlohn aus. Der Text der gemeinsamen Initiative ist heute als ganzseitige Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen. Die Initiative wird vom DGB unterstützt.

Linke Hälfte des Bildes zeigt die Nahaufnahme einer Euro-Münze mit der Aufschrift "Mindestlohn"; rechte Bildhälfte zeigt einen Ausbilder und zwei Auszubildende in Werkstatt, eine Jugendliche schraubt an einem Werkstück

DGB/B. Pietrzyk/123RF.com; Colourbox.de

Im gemeinsamen Text der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter dem Titel "Keine Corona-Nullrunde beim Mindestlohn – für eine schrittweise Anhebung auf 12 Euro!" heißt es unter anderem: "Die Herausforderungen der Corona-Krise zeigen in aller Deutlichkeit, wie wichtig ein funktionierender Sozialstaat und existenzsichernde Löhne für die ökonomische und soziale Stabilität einer Gesellschaft sind. Deshalb ist es wichtig, jetzt nicht auf eine Erhöhung des Mindestlohns zu verzichten und eine klare Perspektive in Richtung 12 Euro aufzuzeigen." Eine "Corona-Nullrunde" beim Mindestlohn nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler "sowohl in sozialer als auch ökonomischer Hinsicht kontraproduktiv". In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage hatte sich bereits eine große Mehrheit (78 Prozent) der Menschen in Deutschland für einen Mindestlohn von 12 Euro ausgesprochen.

Aus Sicht des DGB braucht es jetzt ein starkes Signal der Mindestlohnkommission. Denn eine spürbare Erhöhung der Lohnuntergrenze kann die Einkommenssituation der Betroffen im Niedriglohnsektor verbessern. Eine Corona-Nullrunde, wie von Arbeitgeberseite gefordert, ist nicht nur ökonomisch gefährlich, es wäre auch ein Schlag ins Gesicht für alle Heldinnen und Helden in gesellschaftlich wichtigen Bereichen. Ihnen jetzt die anstehende Erhöhung des Mindestlohnes vorzuenthalten, wäre unzumutbar.

Die Arbeitgeberseite muss deshalb ihre Blockadehaltung in der Mindestlohnkommission beenden und auch in diesen Zeiten Handlungsfähigkeit beweisen. Es braucht einen zeitnahen Anstieg des Mindestlohns auf 12 Euro. Sollte das in der Mindestlohnkommission nicht möglich sein, muss die Politik eingreifen und im Rahmen der geplanten Evaluierung des Mindestlohngesetztes im Herbst diesen Jahres den Mindestlohn gesetzlich anheben.


 

Der komplette Text im Wortlaut:

Keine Corona-Nullrunde beim Mindestlohn – für eine schrittweise Anhebung auf 12 Euro!

Im Juni muss die Mindestlohnkommission wieder eine Empfehlung zur Anpassung des Mindestlohns abgeben. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise mehren sich derzeit die Stimmen, die dafür plädieren, die Anpassung auszusetzen und den Mindestlohn auf sein jetziges Niveau von 9,35 Euro pro Stunde einzufrieren.

Eine Corona-Nullrunde beim Mindestlohn wäre jedoch sowohl in sozialer als auch ökonomischer Hinsicht kontraproduktiv und würde die Schwächsten in der Gesellschaft treffen.

Millionen von Beschäftigten erleiden derzeit im Zuge von Kurzarbeit erhebliche Einkommensverluste. Die Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession. Ein Einfrieren des Mindestlohns würde die Lage zusätzlich belasten. Damit die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnen kann, ist neben der Stärkung öffentlicher Investitionen eine Ausweitung der privaten Konsumnachfrage nötig. Hierfür ist es notwendig, die Erwartungen auf Einkommenssteigerungen der privaten Haushalte zu stabilisieren. Eine Anhebung des Mindestlohns kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, weil der Mindestlohn eine wichtige Signalwirkung für die Lohnentwicklung insgesamt hat. Damit lässt sich das Vertrauen der privaten Haushalte stärken.

Viele der in der Corona-Krise nun als „systemrelevant“ angesehenen Beschäftigten – sei es in der Landwirtschaft, im Einzelhandel, dem Bäcker- und Friseurhandwerk oder bei vielen anderen alltäglichen Dienstleistungen – erhalten sehr niedrige Löhne, die sich oft nahe an oder sogar nur auf dem Niveau des Mindestlohns bewegen. Damit die neu gewonnene Wertschätzung nicht nur mit Applaus, sondern auch mit nachhaltigen Einkommensverbesserungen einhergeht, bedarf es einer systematischen Aufwertung dieser Branchen. Hierzu kann neben einer Stärkung der Tarifbindung auch eine deutliche Anhebung des Mindestlohns beitragen. Die Herausforderungen der Corona-Krise zeigen in aller Deutlichkeit, wie wichtig ein funktionierender Sozialstaat und existenzsichernde Löhne für die ökonomische und soziale Stabilität einer Gesellschaft sind. Deshalb ist es wichtig, jetzt nicht auf eine Erhöhung des Mindestlohns zu verzichten und eine klare Perspektive in Richtung 12 Euro aufzuzeigen. Dies würde in etwa 60 Prozent des Medianlohns entsprechen, und damit der Zielgröße, die derzeit auch als Kriterium für angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union diskutiert wird.

Wie so etwas gehen könnte, zeigt der Anfang März 2020 in der Systemgastronomie abgeschlossene Tarifvertrag. Mit diesem haben sich führende Bistro- und Restaurantketten, wie McDonalds, Burger-King, Starbucks usw. verpflichtet, die untersten Tariflöhne schrittweise bis Anfang 2024 auf 12 Euro anzuheben.

Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören:

  • Prof. Gabriele Abels
  • Prof. Hermann Adam
  • Prof. Dorothea Alewell
  • Prof. Knud Andresen
  • Prof. Ingrid Artus
  • Prof. Gerhard Bäcker
  • Prof. Frank Bandau
  • Prof. Heinz Bartjes
  • Prof. Sigrid Betzelt
  • Prof. Jürgen Beyer
  • Prof. Hans-Jürgen Bieling
  • Prof. Oliver Bierhoff
  • Dr. Peter Birke
  • Dr. Reinhard Bispinck
  • Prof. André Bleicher
  • Prof. Stefanie Börner
  • Prof. Andreas Boes
  • Prof. Stefan Borrmann
  • Prof. Gerhard Bosch
  • Prof. Silke Bothfeld
  • Prof. Ulrich Brinkmann
  • Prof. Christian Brütt
  • Prof. Hauke Brunkhorst
  • Prof. Detlev Brunner
  • Prof. Daniel Buhr
  • Prof. Marius Busemeyer
  • Prof. Wolfgang Däubler
  • Prof. Frank Deppe
  • Prof. Christoph Deutschmann
  • Prof. Daniel Detzer
  • Prof. Berthold Dietz
  • Dr. Irene Dingeldey
  • Prof. Klaus Dörre
  • Prof. Leonhard Dobusch
  • Prof. Ulrich Dolata
  • Prof. Sebastian Dullien
  • Prof. Gudrun Ehlert
  • Prof. Monika Eigmüller
  • Prof. Bernhard Emunds
  • Prof. Egon Endres
  • Prof. Tim Engartner
  • Prof. Ulrike Erb
  • Prof. Roland Erne
  • Prof. Trevor Evans
  • Prof. Kerstin Feldhoff
  • Prof. Andreas Fisahn
  • Prof. Ulrich Fritsche
  • Prof. Barbara Fritz
  • Prof. Andrea Fried
  • Prof. Jochen Fuchs
  • Prof. Maria Funder
  • Prof. Raimund Geene
  • Prof. Thomas Gerlinger
  • Prof. Monika Götsch
  • Dr. Bernhard Goodwin
  • Prof. Karin Gottschall
  • Prof. Katrin Großmann
  • Prof. Simon Günther
  • Prof. Björn Hacker
  • Prof. Thomas Haipeter
  • Prof. Miriam Hartlapp
  • Prof. Anke Hassel
  • Prof. Axel Haunschild
  • Prof. Susanne Heeg
  • Prof. Martin Heidenreich
  • Prof. Eckhard Hein
  • Prof. Arne Heise
  • Dr. Markus Helfen
  • Prof. Fritz Helmedag
  • Prof. Wera Hemmerich
  • Prof. Friedhelm Hengsbach SJ.
  • Prof. Thomas Henne
  • Prof. Annette Henninger
  • Prof. Gudrun Hentges
  • Prof. Hansjörg Herr
  • Prof. Alexander Herzog-Stein
  • Prof. Cora Herrmann
  • Prof. Markus Hertwig
  • Prof. Rudolf Hickel
  • Prof. Marianne Hirschberg
  • Prof. Martin Höpner
  • Prof. Hajo Holst
  • Prof. Gustav Horn
  • Prof. Monika Huesmann
  • Prof. Carola Iller
  • Prof. Heike Jacobsen
  • Prof. Christian Jansen
  • Dr. Bettina Jansen-Schulz
  • Prof. Heike Joebges
  • Prof. Elizabeta Jonuz
  • Prof. Kerstin Jürgens
  • Prof. Ulf Kadritzke
  • Prof. Jürgen Kädtler
  • Prof. Franz Kaiser
  • Prof. Jakob Kapeller
  • Prof. Berndt Keller
  • Prof. Christine Kirchhoff
  • Prof. Ute Klammer
  • Prof. Tanja Klenk
  • Prof. Eva Kocher
  • Prof. Bettina Kohlrausch
  • Prof. Tom Krebs
  • Prof. Susanne Kreutzer
  • Prof. Martin Kronauer
  • Prof. Werner Kuhlmeier
  • Prof. Christian Lahusen
  • Prof. Simone Leiber
  • Prof. Bettina Lendzian
  • Prof. Stephan Lessenich
  • Prof. Fabian Lindner
  • Prof. Camille Logeay
  • Prof. Wenzel Matiaske
  • Prof. Steffen Mau
  • Prof. Michael May
  • Prof. Nicole Mayer-Ahuja
  • Prof. Rosa Mazzola
  • Prof. Wolfgang Menz
  • Prof. Wolfgang Merkel
  • Prof. Martina Metzger
  • Prof. Rita Meyer
  • Prof. Kerstin Michalik
  • Prof. Heiner Minssen
  • Prof. Matthias Möhring-Hesse
  • Dr. Torsten Müller
  • Prof. Oliver Nachtwey
  • Prof. Katja Nebe
  • Prof. Torsten Niechoj
  • Prof. Werner Nienhüser
  • Prof. Andreas Nölke
  • Prof. Frank Nullmeier
  • Prof. Simone Odierma
  • Prof. Claus Offe
  • Prof. Helge Peukert
  • Prof. Birgit Pfau-Effinger
  • Prof. Sabine Pfeiffer
  • Prof. Hans-Wolfgang Platzer
  • Prof. Hans J. Pongratz
  • Prof. Ulrich Preis
  • Prof. Ludger Pries
  • Prof. Jan Priewe
  • Prof. Christian R. Proaño
  • Dr. Toralf Pusch
  • Prof. Sigrid Quack
  • Prof. Britta Rehder
  • Prof. Miriam Rehm
  • Prof. Jörg Reitzig
  • Prof. Thomas Rixen
  • Prof. Florian Rödl
  • Prof. Boris Röhrl
  • Dr. Stefan Rüb
  • Prof. Detlef Sack
  • Dr. Martin Sauber
  • Prof. Thomas Sauer
  • Prof. Armin Schäfer
  • Prof. Fritz W. Scharpf
  • Prof. Christoph Scherrer
  • Dr. Christoph Scheuplein
  • Prof. Günther Schmid
  • Prof. Josef Schmid
  • Prof. Dr. Johannes Schmidt
  • Prof. Susanne K. Schmidt
  • Prof. Alexandra Schmidt-Wenzel
  • Prof. Sophie Schmitt
  • Prof. Florian Schramm
  • Prof. Wolfgang Schroeder
  • Prof. Mechthild Schrooten
  • Prof. Thorsten Schulten
  • Prof. Michael Schulze
  • Prof. Gesine Schwan
  • Prof. Jürgen Schwark
  • Prof. Martin Seeleib-Kaiser
  • Prof. Hans-Martin Seipp
  • Prof. Martina Sproll
  • Prof. Philipp Staab
  • Prof. Wiebke Störmann
  • Prof. Wolfgang Streeck
  • Prof. Olaf Struck
  • Prof. Heinz Sünker
  • Prof. Christina Teipen
  • Prof. Andreas Thiesen
  • Prof. Volker Thole
  • Prof. Werner Thole
  • Prof. Stefan Thomas
  • Prof. Anita Tiefensee
  • Prof. Andreas Treichler
  • Prof. Rainer Trinczek
  • Prof. Achim Truger
  • Dr. Knut Tullius
  • Prof. Till Van Treeck
  • Dr. Luzia Vorspel
  • Prof. Fabian Virchow
  • Prof. Karen Wagels
  • Prof. Manfred Wannöffel
  • Dr. Günter Warsewa
  • Dr. Andrew Watt
  • Dr. Claudia Weinkopf
  • Prof. Manfred Weiss
  • Prof. Felix Welti
  • Prof. Peter-Ulrich Wendt
  • Prof. Martin Wenke
  • Prof. Werner Widuckel
  • Prof. Heike Wiemert
  • Prof. Carsten Wirth
  • Prof. Markus Wissen
  • Prof. Aysel Yollu-Tok
  • Prof. Reingard Zimmer

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Die Anzeige zur Initiative als PDF zum Download (PDF, 49 kB)

"Keine Corona-Nullrunde beim Mindestlohn – für eine schrittweise Anhebung auf 12 Euro!"


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