Deutscher Gewerkschaftsbund

22.02.2019

Otto-Burrmeister-Ring geht an Alois Banneyer

Der Otto-Burrmeister-Ring geht an den langjährigen Betriebsratsvorsitzenden der Ruhrfestspiele, Alois Banneyer. Mit der Auszeichnung werden Persönlichkeiten geehrt, die rund um die Recklinghäuser Festspiele "die ldee und Verwirklichung einer freiheitlichen gesellschaftlichen Kultur" gestärkt haben. Die Laudatio bei der Verleihung am 22. Februar in Recklinghausen hielt DGB-Vorstand Stefan Körzell.

Der Ehrenring der Ruhrfestspiele wird jeweils vom vorherigen Träger weitergegeben. Der bisherige Träger Hansgünther Heyme, Intendant der Ruhrfestspiele von 1990 bis 2003, hatte Banneyer als Nachfolger bestimmt.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell (l.) mit dem neuen Träger des Otto-Burrmeister-Rings Alois Banneyer DGB

Mit Alois Banneyer trage zukünftig ein gewerkschaftlicher Kollege den Otto-Burrmeister-Ring, als "eine Würdigung für sein kulturelles Wirken und sein Engagement für die Ruhrfestspiele", so Körzell in seiner Laudatio. Banneyer ist seit dreißig Jahren Gewerkschaftsmitglied (heute bei ver.di), seit 1990 bei den Ruhrfestspielen tätig und war lange Jahre Vorsitzender des Betriebsrates der Ruhrfestspiele. Er gilt als "Neuerfinder des Kulturvolksfestes, das seit Mitte der 1970er Jahre am 1. Mai eines jeden Jahres stattfindet", würdigte Körzell. "Den schwierigen Balanceakt zwischen Kultur und Politik, Unterhaltung und Inhalt, Volksfest und gewerkschaftlicher Demonstration versucht er jedes Mal neu auszutarieren." Beim Kulturvolksfest am 1. Mai in Recklinghausen verbinden sich Kultur und gewerkschaftliche Tradition: Der Demonstrationszug der örtlichen Gewerkschaften zum 1. Mai endet am Ruhrfestspielhaus. Anschließend findet dann die gewerkschaftliche Maikundgebung am Festspielhaus statt und ein Betriebsrat einer Zeche eröffnet die Ruhrfestspielsaison.

Aus der Pressemitteilung der Ruhrfestspiele zur Übergabe des Otto-Burrmeister-Rings:

"Alois Banneyer, lange als Leiter der theaterpädagogischen Abteilung und in anderen Bereichen der Ruhrfestspiele Recklinghausen tätig und ein bekanntes Gesicht der Ruhrfestspiele in der Region, ist der neue Träger des Otto-Burrmeister-Ringes. Die Auszeichnung hat der letzte Träger des Ehrenringes, der frühere Intendant der Ruhrfestspiele, Hansgünther Heyme, heute Abend in einer Feierstunde im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen an Alois Banneyer weitergeben. Der Ring war zuerst 1965 von prominenten Künstlern an den Initiator und ersten Leiter der Ruhrfestspiele, Otto Burrmeister, für dessen Verdienste um die Kultur überreicht worden. Banneyer erhielt die Ehrenauszeichnung im Sinne des Ruhrfestspiel-Initiators in Würdigung 'seiner Arbeit als großartige, beispielhafte Leistung – für die jahrelange intensive und erfolgreiche Umsetzung der Idee einer gesellschaftlichen Kultur', hieß es in Heymes Begründung."

Ein weiteres Verdienst von Banneyer ist sein Engagement für kulturelle, gewerkschaftliche und internationale Jugendarbeit. "Der Austausch mit Europa, die internationale Verknüpfung dessen, was Gewerkschafter hier in Recklinghausen geschaffen hatten", sei Alois Banneyer ein großes Anliegen, so Körzell. "Gemeinsam mit der DGB-Jugend NRW durchgeführte Camps im In- und Ausland, bei denen die kulturelle Welterfahrung der jungen Leute im Vordergrund stand" seien Beispiele für gelungene Versuche kulturellen Jugendaustauschs gewesen.

Nahaufnahme eines goldenen Rings, gehalten von Daumen und Mittelfinger einer Hand

Der Otto-Burrmeister-Ring DGB

Die Ruhrfestspiele, Otto Burrmeister und der Otto-Burrmeister-Ring

Die Ruhrfestspiele und Otto Burrmeister

Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen sind das älteste Theaterfestival Europas. Sie fanden zum ersten Mal 1947 statt. Damals bedankten sich Hamburger Schauspielerinnen und Schauspieler mit Aufführungen in Recklinghausen für die Solidarität der Recklinghäuser Bergleute, die im Winter zuvor Kohle zum Heizen der Theater an die Elbe geschickt hatten.

Otto Burrmeister war einer der "Gründerväter" der Festspiele. Er wurde am 15. Oktober 1899 in Hamburg geboren. Sein Vater war Hafenarbeiter. Otto erlernte den Kaufmannsberuf und war in der Zeit der Weimarer Republik politisch und gewerkschaftlich aktiv. Wie er selbst sagte, war es gerade die Arbeiter-Jugendbewegung, die ihn prägte. In den 1930er Jahren wurde auch er arbeitslos. Er gründete in Hamburg eine Erwerbslosenselbsthilfe und ermöglichte ein kulturelles Angebot für Erwerbslose, das man im Nachhinein als eine Vorstufe seines Engagements für die Ruhrfestspiele ansehen kann.

"Sein wesentlicher und erster Verdienst um die tatsächliche Gründung der Ruhrfestspiele waren dabei nicht die Fahrt nach Recklinghausen, oder die Organisation der ersten Auftritte dort im Jahre 1947. Wesentlicher war, dass er die DGB-Führung überzeugte, zukünftig die Rolle zu übernehmen, die die Kohlekumpel 1947 übernommen hatten", sagte DGB-Vorstand Stefan Körzell bei der Verleihung des Otto-Burrmeister-Rings an Alois Banneyer. Otto Burrmeister, selbst Gewerkschaftsmitglied, nahm damals anlässlich einer Gewerkschaftstagung Kontakt zum neuen DGB-Vorsitzenden der britischen Besatzungszone, Hans Böckler, auf. Dessen Zusage, die Idee von Ruhrfestspielen zu unterstützen, soll er am gleichen Tag bekommen haben. Der Bundesvorstand des DGB in der britischen Zone beriet am 15. März 1948 den Plan zur Einrichtung der Ruhrfestspiele. Otto Burrmeister wurde erster Festspielleiter.

Der Otto-Burrmeister-Ring

Der Ehrenring der Ruhrfestspiele wurde 1965 erstmals an Otto Burrmeister verliehenen, nach dem die Auszeichnung heute benannt ist. Der aktuelle Träger der Auszeichnung entscheidet jeweils selbst, wann und an wen er den Ring weitergibt. Die bisherigen Träger des Ehrenrings waren nach Otto Burrmeister:

  • ab 1967: Heinz Winfried Sabais, Kulturdezernent der Stadt Darmstadt; Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt und Präsident des Deutschen Bühnenvereins (1970 bis 1981)
  • ab 1977:  Prof. Thomas Grochowiak, Direktor der Städtischen Museen Recklinghausen; Mitglied der Leitung der Ruhrfestspiele (1950 bis 1979)
  • ab 1995: Hilmar Hoffmann, Präsident des Goethe-Instituts (München); Kulturstadtrat von Frankfurt/M.  (1970 bis 1990) 
  • ab 2002: Prof. Hansgünther Heyme, Intendant der Ruhrfestspiele Recklinghausen (1990 bis 2003)

Heyme hat den Ring nun an Alois Banneyer weitergegeben.


Nach oben

Ruhrfestspiele 2019

Ruhr­fest­spie­le 2019: Thea­ter als Ge­gen­im­puls
Ruhrfestspiele 2019
Ruhrfestspiele/Rahi Rezvani
Bei den Ruhrfestspielen ist in diesem Jahr vieles neu: Es ist die erste Spielzeit des neuen Intendanten Olaf Kröck und die erste Saison nach dem Ende des Steinkohlebergbaus im Revier. Von Menschen und Gesellschaften in Umbrüchen, ungewohnten Situationen und Neuanfängen erzählen auch die Theaterstücke des diesjährigen Festivals.
weiterlesen …

Weitere Themen

Der DGB-Zu­kunfts­dia­log
Text: "Reden wir über..." Der Zukunftsdialog; davor stilisierte Satzzeichen (Fragezeichen, Ausrufezeichen, ...)
DGB
Mit dem DGB-Zukunftsdialog starten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften einen breiten gesellschaftlichen Dialog. Wir fragen, was die Menschen in Deutschland bewegt, sammeln ihre Antworten und entwickeln daraus Impulse für eine gerechtere Politik in Deutschland.
weiterlesen …

Jetzt un­ter­schrei­ben: Be­zahl­ba­res Woh­nen für al­le!
Kleines und großes Haus jeweils mit kleinem und großem Münzstapel
DGB/Anna Grigorjeva/123RF.com
Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Handelsware - doch inzwischen können sich breite Schichten der Bevölkerung das Dach über dem Kopf kaum noch leisten. Mit der Europäischen Bürgerinitiative "Housing for all" fordern wir die EU auf, die Rahmenbedingungen für bezahlbares Wohnen zu verbessern. Geben auch Sie Ihre Stimme ab!
zur Webseite …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten