Deutscher Gewerkschaftsbund

12.06.2020
Umfrage

Große Mehrheit für 12 Euro Mindestlohn

78 Prozent der Deutschen sagen, der Mindestlohn sollte auf 12 Euro je Stunde angehoben werden. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag des DGB durchgeführt hat. Selbst Anhänger von CDU/CSU und FDP sind mehrheitlich für 12 Euro.

LINK: spiegel.de: Große Mehrheit der Deutschen ist für höheren Mindestlohn

Euro-Münze mit der Aufschrift "Mindestlohn"; daneben eine Grafik mit der Ziffer "12"

DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com / Colourbox.de

Auch über Parteigrenzen hinweg findet eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes auf 12 Euro enormen Zuspruch. Während Anhänger von SPD und Grünen zu 91 Prozent für 12 Euro plädieren und Anhänger von DIE LINKE zu 90 Prozent, sind es unter Anhängern von CDU und CSU immer noch 75 Prozent. Selbst unter den befragten FDP-Wähler sind 54 Prozent für eine Erhöhung auf 12 Euro.

Systemrelevante Berufe besser bezahlen – 93 Prozent dafür

Generell sollte die Leistung von Beschäftigten in gesellschaftlich wichtigen Bereichen besser honoriert werden. 93 Prozent der Befragten sprechen sich für eine bessere Bezahlung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Gesundheitsversorgung, Gebäudereinigung oder in Supermärkten aus. Unter den Anhängern aller Parteien gibt es dafür deutliche Mehrheiten (Linke 100 Prozent, Grüne 97, Union 94, SPD 93, FDP 88 Prozent).

Breite Ablehnung für Forderung, Mindestlohnerhöhung auszusetzen

Forderungen von Arbeitgebern und Teilen der Union, die anstehende Erhöhung des Mindestlohns Corona-bedingt auszusetzen, erfahren breite Ablehnung. Insgesamt sind 74 Prozent der Befragten dagegen. CDU/CSU-Wähler lehnen eine Aussetzung der Erhöhung sogar stärker ab als SPD-Wähler. Nach Parteipräferenzen sprechen sich 94 Prozent der Grünen-Anhänger dagegen aus, 80 Prozent der Linken-Anhänger, 72 Prozent der Unions-, 69 Prozent der SPD- und selbst 51 Prozent der FDP-Anhänger.

Portrait Stefan Körzell

DGB/Simone M. Neumann

Körzell: Klare Mehrheit für höheren Mindestlohn auch in Corona-Zeiten

"Das sind klare Mehrheiten für einen höheren Mindestlohn. Auch in Corona-Zeiten gibt es dafür über alle Parteigrenzen hinweg enormen Zuspruch. Arbeitgeber und wirtschaftsnahe Teile der Politik dürfen sich dem nicht länger verschließen", sagt DGB-Vorstand Stefan Körzell.

"Wir wollen mittelfristig 12 Euro je Stunde. Wenn die Arbeitgeber in der Mindestlohnkommission das blockieren, hat die Politik einen klaren Handlungsauftrag. Im Rahmen der Evaluation des Mindestlohngesetzes sollte sie den Mindestlohn im Herbst 2020 per Gesetz anheben."

Gerade in Zeiten von Corona müsse der Konsum angekurbelt werden. "Ein spürbar erhöhter gesetzlicher Mindestlohn spielt dabei eine wichtige Rolle", so Körzell.

Höherer Mindestlohn stabilisiert Konjunktur

Auf die konjunkturstabilisierende Wirkung eines höheren Mindestlohns vertraut ebenfalls eine deutliche Mehrheit. 77 Prozent der Befragten sagen, ein höherer Mindestlohn trage dazu bei, Konsum und Wirtschaft anzukurbeln. Auch hier gibt es deutlichen Zuspruch unter allen Parteianhängern (SPD 94 Prozent, Grüne 90, Linke 89, Union 77, FDP 55).

Die Umfrage wurde im Zeitraum von 28. Mai bis 2. Juni durchgeführt.


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