Deutscher Gewerkschaftsbund

22.09.2023
Veranstaltungsbericht

DGB-Fachtagung "Herausforderung Long- und Post-COVID: Betroffene, Forschung, Sozialversicherung und Politik im Dialog"

Am 7. September 2023 hat der DGB zur ersten Fachtagung über Long- und Post-COVID ins Hans-Böckler-Haus in Berlin eingeladen. Es wurde offensichtlich, dass wir vor einem großen gesellschaftlichen Problem stehen, das nur durch gemeinsame Anstrengungen aller beteiligten Akteure im Sinne der Betroffenen und ihrer Angehörigen bewältigt werden kann.

Mikroskopaufnahme Corona-Viren

DGB/Kateryna Kon/123rf.com

Zu Beginn der Veranstaltung sprach Markus Hofmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik des DGB-Bundesvorstands, über die verheerenden Auswirkungen der Erkrankung: Viele der Millionen von Betroffenen sind in ihrem Alltagsleben stark eingeschränkt oder sogar arbeitsunfähig oder pflegebedürftig und warten bisher vergeblich auf angemessene Unterstützung. Long- und Post-COVID verursacht ebenfalls erhebliche volkswirtschaftliche Kosten, belastet Gesundheits- und Rentensysteme und verstärkt den Fachkräftemangel. Politik, Leistungserbringer und Sozialversicherungsträger müssen daher gemeinsam mit Entschlossenheit handeln, um ausreichende Forschung, wirksame Akuttherapien und angemessene Rehabilitationsmaßnahmen zu ermöglichen.

Es folgten 3 Fachvorträge, die einen intensiven Einblick aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglichten:

  • Dr. Kirsten Wittke, Oberärztin des Charité Fatigue Centrums, sprach über die medizinischen Implikationen von Long- und Post-COVID sowie die vielfach unterschiedlichen Symptome, die die Behandlung erschweren und die Entwicklung wirksamer Therapie- und Rehabilitationskonzepte vor Herausforderungen stellen.
  • Die beiden Vertreter*innen der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), Anke de Masi, Ärztliche Dezernentin (Abteilung Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin), und Prof. Dr. Köllner, Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums Seehof, berichteten über die Aktivitäten der DRV und über erste Erfolge bei der Rehabilitation und Wiedereingliederung von Betroffenen. Gleichzeitig wiesen sie auf die vielseitigen Probleme hin, die bei der Bereitstellung passender Rehabilitationsmaßnahmen nach wie vor bestehen.
  • Ricarda Piepenhagen, Gründerin der Patienteninitiative "NichtGenesen", konnte die Perspektive der Betroffenen näherbringen und das große Leid der vielen Patient*innen eindrücklich verdeutlichen. Neben der mangelhaften finanziellen Ausstattung der einschlägigen Forschung und der unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten kritisierte sie ebenfalls das zögerliche Verhalten der politischen Entscheidungsträger, die schon zu Beginn der Pandemie besser hätten reagieren müssen.

Ergebnisse der Podiumsdiskussion und Ausblick

In der nachfolgenden Diskussion konnte der DGB die Bundestagsabgeordneten und Mitglieder des Gesundheitsausschusses, Heike Baehrens (SPD), Tino Sorge (CDU), Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) und Kathrin Vogler (DIE LINKE), gemeinsam mit der Moderatorin Tina Groll und Ricarda Piepenhagen auf dem Podium begrüßen.

Die Diskussion wurde von den laufenden Haushaltsdebatten überschattet, in denen erneut um die Finanzierung der Versorgung und Forschung im Bereich Long- und Post-COVID gerungen wurde. Insgesamt wurde deutlich darauf hingewiesen, dass dringend weitere Anstrengungen notwendig sind, um den Betroffenen ausreichend zu helfen. Erste gelungene Forschungsansätze und Behandlungsmöglichkeiten wurden gelobt. Deutschland arbeite hier eng mit internationalen Partnern zusammen, um geeignete Behandlungskonzepte zu entwickeln. Um schnelle Hilfe zu ermöglichen, solle auch die Verkürzung von Zulassungsverfahren für Medikamente in Erwägung gezogen werden. Gleichzeitig wurde klar, dass noch viele weitere konkrete Maßnahmen folgen müssen. Es wurde auch festgestellt, dass zu Beginn der Pandemie, als umfangreiche Mittel für die Eindämmung von Infektionen und wirtschaftliche Unterstützung bereitgestellt wurden, die Langzeitfolgen sträflich vernachlässigt wurden. Gute Forschung erfordert jedoch Expertise und Zeit. Es konnte der Eindruck gewonnen werden, dass die berechtigte Kritik an der bisher zögerlichen Reaktion der Bundesregierung mitunter auch als politisches Profilierungsinstrument der Opposition verwendet wird. Ebenfalls wurde die trotz der Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit immer noch unzureichende Informationslage kritisiert, die passende Behandlungen erschwert.

Der DGB wird weiterhin als Sprachrohr für die Belange der Betroffenen und Versicherten einstehen und das Gespräch mit den Betroffenen, politischen Entscheidungsträgern und Vertreter*innen der Sozialversicherungen suchen. Denn Gesundheit ist ein grundlegendes Menschen- und Arbeitnehmer*innenrecht, weshalb ausnahmslos jeder Person eine bedarfsgerechte und hochwertige Versorgung zuteilwerden muss – das steht für den DGB außer Frage.


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