DGB/Piegsa
Armut in Deutschland ist ein wachsendes Problem, Millionen Menschen sind hier - in einer der reichsten Industrienationen der Welt - arm oder von Armut bedroht.
Zuletzt hatte der UN-Ausschuss über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR) die soziale Lage in Deutschland krisitisiert. »Tief besorgt« sei man über die Diskriminierung von Migranten in Deutschland, die auch in der zweiten Generation in Bildung und Beruf benachteiligt würden. Außerdem gab es Schelte für die anhaltende Kinderarmut und die hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland.
Thema Armut / Kinderarmut:
Bereich Arbeitsmarktpolitik
Johannes Jakob
E-Mail: johannes.jakob@dgb.de
Wilhelm Adamy
E-Mail: wilhelm.adamy@dgb.de
Thema Altersarmut:
Bereich Sozialpolitik
Ingo Nürnberger
E-Mail: ingo.nuernberger@dgb.de
Renten, die zum Leben kaum genügen, Niedriglöhne, die keine Familie ernähren können, Arbeitslosengeld II, das kaum für den Lebensunterhalt reicht: der aktuelle "Armuts- und Reichtumsbericht" der Bundesregierung zeigt es schwarz auf weiß und zeichnet noch an manchen Stellen „schön“. Demnach gilt ein knappes Fünftel der Bevölkerung offiziell als arm, die Umverteilung durch staatliche Transferleistungen ist dabei schon berücksichtigt. Sonst wäre es jede/r Vierte.
Selbst die Mittelschicht gerät inzwischen finanziell immer mehr unter Druck. Allmählich schwindet der bescheidene und hart erarbeitete Wohlstand vieler ArbeitnehmerInnen. Spitzenverdiener, Unternehmen und Vermögende dagegen werden von der Politik massiv entlastet, die "Schere zwischen Arm und Reich" in unserem Land öffnet sich zusehends. Die Ursachen liegen auf der Hand:
Niedriglöhne, (Langzeit-)Arbeitslosigkeit und schrumpfende Sozialleistungen haben die Probleme verschärft. Kinder, Alleinstehende und Menschen mit Migrations-Hintergrund sind besonders betroffen. Auch Altersarmut wird in den kommenden Jahren wieder zunehmen. Die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente - dazu lange Zeiten der Arbeitslosigkeit bei vielen Neurentnern - und die dadurch geringeren Beitragszahlungen haben die Rückkehr von Altersarmut vorprogrammiert.
Armut betrifft alle Lebensbereiche
Armut wirkt sich auf viele Bereiche des täglichen Lebens aus. Bildung, Gesundheit und soziale Teilhabe stehen in engem wechselseitigen Zusammenhang. Wer aus einer armen Familie kommt, hat schlechtere Bildungs- und damit Aufstiegschancen als Menschen mit ausreichendem Einkommen, ist häufiger krank und stirbt früher, ist vom Sozialen Leben (Kulturveranstaltungen, Vereine etc.) schnell ausgeschlossen. Inzwischen droht Armut in vielen Familien von einer Generation auf die nächste „vererbt" zu werden.
Soziale Gerechtigkeit mit gleichen Aufstiegs-Chancen ist aber ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaftsordnung. Armutsbekämpfung muss deshalb weit mehr als nur Fürsorge sein. Sie erfolgt letztlich im Interesse aller. Denn nur eine sozial gerechte Gesellschaft ist eine stabile Gesellschaft, an der die Bürger/innen teilhaben und für die sie sich demokratisch einsetzen.
Der DGB bezieht Stellung beim Kampf gegen Armut und entwickelt Vorschläge zur Armutsvermeidung: