Deutscher Gewerkschaftsbund

01.06.2017
klartext 22/2017

Steuergerechtigkeit: Abgeltungssteuer abschaffen!

Auch die Ernüchterung darüber, dass sie gar nicht so unkompliziert ist wie versprochen, lässt ehemalige Befürworter nun zu Gegnern der Abgeltungssteuer werden. „Gut so!“, meint der DGB-klartext und klärt auf.

Geld und kleine Weltkugel aus Glas

SGB/strelok/123rf.com

Anerkennung für die steuerpolitschen Eckpunkte des DGB

Die steuerpolitischen Eckpunkte des DGB zur Bundestagswahl gewinnen zunehmend an Bekanntheit und Anerkennung. Bereits in der vorletzten Woche attestierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass im Vergleich mit anderen Ideen einzig der vom DGB geforderte Einkommensteuertarif für eine Entlastung von 95 Prozent aller Lohnsteuerzahler sorge, zugleich aber den begrenzten Spielraum der öffentlichen Haushalte nicht überstrapaziere.

Während des vom DGB  mitausgerichteteten Makroökonomischen Kongresses bezeichnete dann vergangene Woche der Direktor der Abteilung für wirtschaftspolitische Studien bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die steuerpolitischen Vorschläge der Gewerkschaften als „das Beste, was derzeit auf dem Markt ist.“

Selbst Fachleuten ist die Abgeltungsteuer zu kompliziert

In dieser Woche erhielt eine weitere wichtige Forderung der Gewerkschaften unerwarteten Beistand, nämlich die Privilegierung der Kapitaleinkünfte durch die Abgeltungssteuer zu beenden. Die Gewerkschaften lehnen diese ab, weil durch sie beispielsweise Dividendenausschüttungen unabhängig von ihrer Höhe pauschal mit nur 25 Prozent besteuert werden, während der Steuersatz der Lohnsteuer bereits bei mittleren Einkommen deutlich darüber liegen kann.

Am Montag erklärte nun auch der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, dass die Abgeltungssteuer wieder abgeschafft gehöre, wenn demnächst der automatische internationale Informationsaustausch funktioniere: „Denn eine Abkehr von der Abgeltungsteuer und eine Rückkehr zur synthetischen Einkommensteuer wären aus steuersystematischen Gründen zu begrüßen.“

Als hingegen im Jahre 2007 die Einführung der Abgeltungsteuer bevorstand, war dieser Berufsstand noch davon überzeugt, dass die Verletzung der Steuergerechtigkeit zu rechtfertigen sei, wenn damit auch eine Steuervereinfachung einhergehe. Letztlich sind es vor allem eine Reihe von höchst schwierigen Abgrenzungsfragen, die selbst nach einer Reihe von Rechtsänderungen nun auch die Steuerberater zu einer Abkehr vom Projekt Abgeltungsteuer bewogen haben. Gut so!

Statt Abgeltungssteuer höhere Pauschbeträge

Für den DGB steht hingegen fest, dass mit der anonym erhobenen Abgeltungssteuer eine krasse Bevorteilung der höchsten Einkommen und Vermögen verbunden ist. Allein deshalb schon muss sie rückabgewickelt werden. Mit einem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro für Alleinstehende (2.000 Euro für Verheiratete), wie ihn der DGB fordert, müsste man bei einem Zinssatz von zwei Prozent mehr als 50.000 Euro (100.000 Euro) auf der hohen Kante haben, bevor die Zinsen und Dividenden auf das darüber hinaus gehende Vermögen dem persönlichen Einkommen hinzugerechnet und besteuert würden.

Wer allerdings so viel verdient, dass er einen Großteil seines Einkommens in zinstragende Anlagen investieren kann (siehe Grafik), der sollte nicht auch noch mit einem Steuerbonus bedacht werden.

Grafik zeigt die jährliche Ersparnis nach Einkommensgruppen 2013 und den entsprechenden Anteil am Jahreseinkommen. Spitzenverdiener sparen im Jahr durchschnittlich 58.349 Euro, mittlere Einkommen nur 197 Euro.

DGB



Nach oben

Weitere Themen

Qui­z: Was weißt du über die Welt der Ar­beit?
Ilya Rumyantsev/fotolia.com
In welchem Jahr wurde in Deutschland am häufigsten gestreikt? Wohin wandern die meisten Inder aus, um Arbeit zu finden? Wie viele Arbeitsplätze in China könnten durch Roboter ersetzt werden? Und wie viele Beschäftigte in Deutschland arbeiten auch am Wochenende? Teste dein Wissen zur Arbeitswelt mit Grafiken aus dem "Atlas der Arbeit" von DGB und Hans-Böckler-Stiftung.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Schluss mit Kür­zun­gen bei der Ren­te!
DGB/Simone M. Neumann
Bei der Rente vertrete der Deutsche Gewerkschaftsbund falsche Ideen, schrieb ZEIT-Redakteur Roman Pletter kürzlich. Doch er irrt, sagt DGB-Vorstand Annelie Buntenbach in ihrer Erwiderung.
weiterlesen …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
1. Mai – Zeit für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit
Der Tag der Arbeit steht vor der Tür und wir, die in den DGB-Gewerkschaften organisierten Mitglieder, haben gerade dieses Jahr gute Gründe gemeinsam zu feiern - aber auch unsere Solidarität unter Beweis zu stellen. Der DGB klartext über aktuelle Lohnentwicklungen und Tarifverhandlungen. weiterlesen …
Artikel
Solidaritätszuschlag: Abschaffung nutzt Top-Verdienern
In Dieser Woche diskutierten Unionsparteien, FDP und Bündnisgrüne über die künftige Finanzpolitik einer gemeinsamen Bundesregierung. Die Grundlinie scheint klar: Keine Vermögensteuer, keine neuen Schulden, dafür Steuersenkungen. Wer unten und in der Mitte entlasten und dennoch investieren will, sollte einen Blick in die steuerpolitischen Eckpunkte des DGB werfen, empfiehlt der DGB-klartext. weiterlesen …
Artikel
Statt Brexit-Spekulationen: Börsensteuer einführen!
Statt die weitgehend ausverhandelte Finanztransaktionssteuer endlich zu beschließen, wurde das Vorhaben nun auf unbestimmte Zeit vertagt, um Londoner Banken, die auf den Kontinent umziehen wollen, nicht abzuschrecken. Das ist ein Skandal, meint der DGB-klartext – und erklärt warum. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten