Deutscher Gewerkschaftsbund

29.11.2017

Acht Stunden sind genug

einblick Dezember 2017

Arbeiten bis zum Umfallen? Über 40 Prozent der Beschäftigten sind bereits jetzt nach der Arbeit zu erschöpft, um sich um Familie und Privates zu kümmern. Es ist daher mehr als zynisch, dass die Arbeitgeber jetzt das Arbeitszeitgesetz aufweichen wollen und eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag verlangen.

Erschöpft im Büro

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Beschäftigte: Keine Energie und keine Zeit

Vielen Beschäftigten fehlen nach Feierabend die Energie und die Zeit, um Arbeit und Privatleben miteinander gut in Einklang zu bringen. Das zeigen die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit, die Mitte November in Berlin vorgestellt wurden. Bei der repräsentativen Umfrage gaben 41 Prozent an, dass sie nach der Arbeit keine Kraft mehr für Privates oder Familiäres haben. 27 Prozent finden nur schwerlich Zeit für Freizeitaktivitäten.

„Die Arbeitsbedingungen sorgen vielerorts dafür, dass für außerbetriebliches Engagement die Kräfte nicht mehr reichen“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, ergänzte: „Die Arbeitszeitmodelle passen nicht zu den Lebenslagen derer, die täglich ihre Leistung in den Betrieben bringen“.

Flexibilität: nur sinnvoll, wenn selbstbestimmt

Die Antworten der Beschäftigten zeigen, dass eine gute Balance von Arbeit und Privatem eng mit guten Arbeitsbedingungen und verlässlichen Arbeitszeiten verknüpft ist. Modelle, die Arbeitsorte und Arbeitszeiten flexibler machen – etwa im Home Office – führen hingegen nicht automatisch zu mehr Vereinbarkeit. Entscheidend ist, ob Beschäftigte über diese Alternativen mitbestimmen können: 46 Prozent der Befragten gaben an, ihre Arbeitszeiten gern stärker selbst zu bestimmen. 55 Prozent wünschen sich, dass der Arbeitstag im Regelfall nach maximal acht Stunden endet, um Privates und Arbeit besser miteinander zu vereinbaren.

Jörg Hofmann unterstrich, dass sich die Bedürfnisse der Beschäftigten verändern. Jede und jeder Beschäftigte könne in verschiedenen Lebensphasen zeitliche Vereinbarkeitsprobleme erleben. Statt „Arbeitszeit plus Überstunden plus Flexibilität“, müsse es eine Flexibilität geben, die sich an den Beschäftigten orientiert.

Finger weg vom Arbeitszeitgesetz!

Im Hinblick auf die Forderung von Arbeitgebern, die Arbeitszeit weiter zu entgrenzen, sagte Reiner Hoffmann: „Wir erleben derzeit eine skurrile Diskussion über Arbeitszeiten“. Die Arbeitgeber forderten mehr Flexibilität, dabei bestünden bereits ausreichende Möglichkeiten für flexible Lösungen. Zudem leisteten die Beschäftigten 2016 bereits insgesamt 1,8 Milliarden Überstunden – eine Milliarde davon unbezahlt. „Da kann man durchaus von Lohndiebstahl sprechen“, so Hoffmann. Die künftige Bundesregierung sollte „die Finger vom Arbeitszeitgesetz lassen“.


Mehr Infos zum DGB-Index Gute Arbeit - Schwerpunkt Vereinbarkeit


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