Wer über die Qualität der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst spricht, kommt an der Frage der Arbeitszeit nicht vorbei. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit. Der Druck auf die Beschäftigten ist hoch, und genau deshalb braucht es endlich entschlossene politische und organisatorische Antworten.
Mehr als 1.300 Beschäftigte aus Verwaltungen, Behörden und öffentlichen Einrichtungen haben an der repräsentativen Befragung teilgenommen. Das Bild ist eindeutig: Gerade beim Arbeitgeber Staat berichten viele von überlangen Diensten und einer hohen Arbeitsbelastung. Nur 39 Prozent sind mit ihrer aktuellen Arbeitszeit zufrieden, während 56 Prozent gerne kürzer arbeiten würden.
Rund 40 Prozent der Befragten leisten regelmäßig Überstunden. 22 Prozent kommen im Schnitt auf 1 bis 5 zusätzliche Stunden pro Woche, weitere 17 Prozent sogar auf mehr als 5. Der DGB‑Index definiert Überstunden als jede Arbeitszeit, die über das vertraglich vereinbarte Pensum hinausgeht, unabhängig von dienst- oder tarifrechtlichen Begrifflichkeiten.
Überstunden im öffentlichen Dienst
Was die Beschäftigten wollen
Wären die Beschäftigten frei in ihrer Entscheidung, würden extrem lange Arbeitswochen von mehr als 40 oder gar 48 Stunden praktisch verschwinden. Nur 4 Prozent wünschen sich solche Modelle. Die große Mehrheit strebt Arbeitszeiten an, die mit dem Privatleben vereinbar sind und ausreichend Raum für Erholung, Familie und Regeneration lassen. Kurz: Die Belastung soll sinken, nicht steigen.
Gesundheitsschutz stärken
Doch während die Beschäftigten Entlastung fordern, drängen öffentliche Arbeitgeber und Dienstherren verstärkt auf längere Arbeitszeiten. Angesichts der Studienergebnisse wirken diese Forderungen, so DGB-Vize Elke Hannack, "wie ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die seit Jahren an der Belastungsgrenze arbeiten".
Gewerkschaften und Personalräte stellen sich solchen Vorstößen entschieden entgegen. Denn wer regelmäßig Überstunden schiebt, Schicht um Schicht übernimmt und gesundheitliche Risiken trägt, braucht keine Appelle zu noch mehr Einsatz. "Die Beschäftigten wünschen sich echte Entlastung", betont Hannack.
Für die Gewerkschaften ist klar: Menschen sind keine Maschinen, die auf Knopfdruck einfach länger laufen können. Arbeitsbelastung und Erholung müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, damit Beschäftigte gesund bleiben können.
DGB-Report "Arbeitszeit im öffentlichen Dienst"
Aus dem Inhalt:
- Sonderauswertung DGB Index Gute Arbeit
- Gründe für Teilzeit
- Übersicht: Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst
- Interview Christine Behle, ver.di
- Interview Sven Hüber, GdP
- Interview Annett Lindner, GEW
- Forderungen der Gewerkschaften
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