Gefährlicher Kurs: Union und Arbeitgeber wälzen die Schuld für die Krise auf Beschäftigte ab

Kolumne "Gastwirtschaft"

Datum

Dachzeile Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied

Die Angriffe von Teilen der Union und Arbeitgebern auf Sozialstaat und Beschäftigte werden täglich härter. Ein gefährlicher Kurs: er verunsichert die Menschen, tut nichts für den wirtschaftlichen Aufschwung und bringt null Wachstum. Das Ziel ist durchsichtig: Den Beschäftigten soll die Schuld für wirtschaftliche Misserfolge in die Schuhe geschoben werden. Diejenigen, die Tag für Tag den Laden am Laufen halten, sollen für die Versäumnisse anderer mit noch mehr Einsatz bezahlen. Dabei sind sie nicht das Problem, sondern die Lösung.

Wer ernsthaft mit Karenztagen Kranken den Lohn kürzen will, hat nicht nur seinen sozialen Kompass verloren, sondern dreht auch ökonomisch frei: Wer krank ist, muss sich auskurieren, nicht arbeiten, Kolleg*innen anstecken und chronische Krankheiten riskieren. Diese Ignoranz gegenüber der Gesundheit von Beschäftigten ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die jeden Tag hart arbeiten und wird am Ende teurer für alle.

Angriffe auf den 8-Stunden-Tag und das Recht auf Teilzeit folgen nur dem einen Ziel: Unter dem Deckmantel “flexiblerer Arbeitszeiten” sollen Beschäftigte künftig für Arbeitgeber ständig verfügbar sein. Heißt: Mehr Stress, weil dauernd erreichbar, und weniger Ruhezeiten. Ein No-Go für Branchen wie Pflege und Gastronomie, in denen die Belastung schon jetzt viel zu hoch ist.

Die wirklichkeitsfremde Debatte über das Recht auf Teilzeit hat gezeigt, dass es nicht um das Wohl der Beschäftigten geht. Weil Teilzeit keine Lifestylefrage ist, sondern für viele Menschen die einzige Möglichkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen oder pflegebedürftige Angehörige zu unterstützen. Einschränkungen treffen zuerst die Frauen und verschärfen die soziale Schieflage. Das ist kein Fortschritt, sondern Rückschritt für die Gleichberechtigung.

Deutschland krankt nicht an zu viel Arbeitnehmerrechten. Sozialkassen werden nicht voller durch niedrige Löhne und unsichere Arbeitsverhältnisse. Auftragsbücher füllen sich nicht durch weniger Lohn, weniger Gesundheits- oder Kündigungsschutz. Wirtschaftlicher Aufschwung entsteht nie durch falsche Sparmaßnahmen und Schuldzuweisungen. Sondern er ist das Ergebnis kluger unternehmerischer Entscheidungen und des täglichen Einsatzes der Beschäftigten.


Dieser Gastbeitrag ist Teil der Rubrik “Gastwirtschaft” der Frankfurter Rundschau und ist dort am 16. März 2026 erschienen.
 

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