Verhandlungen ohne Ergebnis
Bei den Tarifverhandlungen am 11. Februar 2026 konnten sich die Gewerkschaft ver.di und die Geschäftsführung von Vivantes nicht einigen. ver.di hat das vorgelegte Angebot als nicht einigungsfähig zurückgewiesen. Die Geschäftsführung hatte ihr Angebot gegenüber der vorherigen Verhandlungsrunde nur geringfügig verändert.
Streit um Vollanwendung des TVöD
Ben Brusniak, Verhandlungsführer für ver.di, kritisiert die Haltung der Geschäftsführung: “Die Geschäftsführung betont, keine Eskalation zu wollen und einen schnellen Abschluss anzustreben. Das funktioniert aber nur, wenn wir endlich dazu kommen, das vielfach verkündete Ziel einer Vollanwendung des TVöD zu teilen und uns über das Wie zu verständigen. Daran hapert es noch gewaltig.”
Das Hauptproblem: Vivantes weigert sich, einen sogenannten Anwendungs-Tarifvertrag zum TVöD abzuschließen. Ein solcher Vertrag würde die Regelungen des Flächentarifvertrags eins zu eins auf die Vivantes-Beschäftigten übertragen – auch bei künftigen Änderungen.
Kürzungen bei Altersversorgung und Weihnachtsgeld
An entscheidenden Stellen will die Geschäftsführung dauerhaft hinter dem TVöD zurückbleiben. Das betrifft vor allem die betriebliche Altersversorgung und die Jahressonderzahlung, also das Weihnachtsgeld.
Bei Vivantes selbst wird die VBL angewendet, die Zusatzrente für Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Diese wird anteilig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. Für die Beschäftigten der Tochterfirmen plant die Geschäftsführung ein anderes Modell: Die Beschäftigten sollen einen Teil ihres Gehalts in eine Altersvorsorge umwandeln können. Damit würden sie ihre Alterssicherung im Wesentlichen selbst bezahlen müssen.
Forderung nach vierjährigem Streikverbot
Zusätzlich fordert die Geschäftsführung für die nächsten 4 Jahre eine “absolute Friedenspflicht”. Das bedeutet ein komplettes Streikverbot für alle Themen – eine Regelung, die praktisch nirgends getroffen wird. Die Beschäftigten könnten sich damit auch nicht an den Tarifrunden im TVöD beteiligen. ver.di wertet dies als Versuch, den Beschäftigten einen Maulkorb umzubinden.
Entgeltangleichung erst 2030 statt 2028
Selbst bei den Tabellenentgelten soll die vollständige Angleichung erst 2030 erreicht werden. Das steht im Widerspruch zu zahlreichen Zusagen der Landespolitik als Träger des Klinikums aus den vergangenen Jahren, die Angleichung schnellstmöglich umzusetzen.
Im Eckpunktepapier zur Tarifeinigung 2021 hatte die Geschäftsführung noch das Jahr 2028 als Datum für die Entgeltangleichung unterschrieben.
Gewerkschaft warnt vor Eskalation
“Die Beschäftigten lassen sich nicht mehr auf die lange Bank schieben. Es ist jetzt an der Zeit, die Versprechen der letzten Jahre konkret, verbindlich und auf Dauer gestellt umzusetzen. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit für die Verantwortlichen auf Arbeitgeberseite. Sich hier zu verweigern, ist der Weg in eine Eskalation”, so Ben Brusniak abschließend.
Wie geht es weiter?
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 6. März vorgesehen. Angesichts des enttäuschenden Verhandlungsverlaufs kann es bis dahin zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen kommen.