Am vergangenen Donnerstag sind fast 12.000 Beschäftigte aus dem Bildungsbereich für mehr Gehalt auf die Straße gegangen. Der bundesweite „Streiktag Bildung" fand an 5 zentralen Standorten statt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zu den Kundgebungen aufgerufen. Zu den Streikenden gehörten Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Erzieher im Landesdienst, Hochschullehrende und studentische Beschäftigte.
Arbeitgeber ohne verbindliches Angebot
Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hat auch nach 2 Verhandlungsrunden kein verbindliches Angebot vorgelegt. Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern kritisierte diese Blockadehaltung scharf. “Die Arbeitgeber müssen sich in der 3. Runde endlich bewegen und ein Angebot vorlegen, das die Leistungen der Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas, an Schulen und Hochschulen wertschätzt”, sagte Finnern.
Forderungen der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften fordern für die rund 2,6 Millionen Beschäftigten der Länder:
- 7 Prozent mehr Gehalt – mindestens 300 Euro monatlich
- 200 Euro mehr für Auszubildende und Praktikanten im Monat
- Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung
- Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV Stud)
Der Tarifabschluss soll eine Laufzeit von 12 Monaten haben.
Streikaktionen in 5 Städten
Berlin: 3.500 Teilnehmer*innen
In Berlin zogen 3.500 Menschen durch die Straßen. Maike Finnern betonte: “Wir sind hier, weil die Arbeitgeber auch nach zwei Verhandlungsrunden kein verbindliches Angebot gemacht haben, über das wir verhandeln könnten. Das lassen wir uns nicht gefallen!”
Hamburg: 2.500 Teilnehmer*innen
Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg, sagte: “Der öffentliche Dienst ist kein Kostenfaktor – er ist das Rückgrat dieser Gesellschaft! Dankesreden zahlen keine Miete. Gute Arbeit braucht gutes Geld.”
Leipzig: 3.000 Teilnehmer*innen
Die stellvertretende GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik hob hervor: “Die Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas, Schulen, Hochschulen sind ein bedeutsames Bindeglied in der Gesellschaft.” Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, stellte fest: “Die Streiks zeigen, dass die Kolleginnen und Kollegen langsam die Geduld verlieren.”
Köln: 700 Teilnehmer*innen
Ayla Celik, Vorsitzende der GEW Nordrhein-Westfalen, kritisierte: “Die Länder erklären Bildung gern zur Chefsache. Sobald es jedoch konkret wird, sobald es um Prioritäten und Finanzierung geht, endet diese Einigkeit abrupt.”
Anja Bensinger-Stolze ergänzte: “Gerade bei der Bildung zu sparen, ist nicht im Interesse künftiger Generationen. In die Bildung investiertes Geld ist gut investiertes Geld.”
Mannheim: 2.000 Teilnehmer*innen
Monika Stein, Vorsitzende der GEW Baden-Württemberg, betonte: “Pädagogische Profis im Schuldienst und an den Hochschulen haben mehr verdient. Wir brauchen einen guten Abschluss, um im Fachkräftewettbewerb mitzuhalten.”
Reform der Entgeltordnung gefordert
Die Gewerkschaften wollen einen Einstieg in Verhandlungen zur Reform der Entgeltordnung der Länder erreichen. Annett Lindner, GEW-Vorstandsmitglied Tarif- und Beamtenpolitik, erklärte: “An den Schulen arbeiten viele sozialpädagogische und therapeutische Fachkräfte, die hochqualifizierte und wichtige Arbeit leisten. Die Eingruppierung entspricht jedoch vielerorts nicht dem Wert ihrer Arbeit.”
Nächste Verhandlungsrunde im Februar
Die dritte Verhandlungsrunde ist vom 11. bis 13. Februar in Potsdam geplant. Die Gewerkschaften erwarten, dass das Tarifergebnis zeit- und wirkungsgleich auf die Beamten sowie die Versorgungsempfänger übertragen wird.