Produktionsende trotz Wirtschaftlichkeit
Die Produktion am Jungheinrich-Standort Lüneburg wird zum 31. März 2027 eingestellt. Rund 160 Beschäftigte sind von der Schließung betroffen. Nach Ansicht der IG Metall war das Werk wirtschaftlich tragfähig. Ein Zukunftskonzept des Betriebsrats lag vor, das die Wettbewerbsfähigkeit hätte sichern können. Das Unternehmen hielt jedoch an seiner strategischen Entscheidung fest.
Umfassendes Absicherungspaket erkämpft
Nach 85 Streiktagen konnte ein substanzielles Paket zur sozialen Absicherung durchgesetzt werden. Der Sozialplan sieht einen Abfindungsfaktor von 1,35 Bruttomonatsgehältern vor. Für IG Metall-Mitglieder erhöht sich dieser durch einen tariflichen Zusatzfaktor auf insgesamt 1,7. Beschäftigte mit Unterhaltspflichten, Alleinerziehende, Pflegende und Schwerbehinderte erhalten zusätzlich jeweils 5.500 Euro.
Vereinbart wurde zudem eine neunmonatige Transfergesellschaft vom 1. April bis 31. Dezember 2027. Die Teilnehmenden erhalten während dieser Zeit 80 beziehungsweise 87 Prozent ihres letzten Nettoentgelts. Pro Person in der Transfergesellschaft steht ein Qualifizierungs- und Coachingbudget von 5.000 Euro zur Verfügung.
Ergebnis eines entschlossenen Arbeitskampfes
Lennard Aldag, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Celle-Lüneburg, bewertet das Ergebnis als deutlich überdurchschnittlich. Das Gesamtvolumen liegt im zweistelligen Millionenbereich. Der Arbeitgeber habe ursprünglich deutlich geringere Konditionen durchsetzen wollen. Streikkoordinator Florian Rebstock hebt die besondere Solidarität der Belegschaft hervor. In 85 Tagen Streik sei eine Familie entstanden, die gemeinsam gekämpft habe.
Kritik an fehlenden Instrumenten und politischer Unterstützung
Die IG Metall kritisiert, dass bestehende Mitbestimmungsrechte nicht ausreichen, um die Schließung wirtschaftlich gesunder Standorte zu verhindern. Konstruktion und Administration mit 125 Stellen bleiben zwar bestehen, doch Wertschöpfung und industrielle Kompetenz gehen verloren. Die Gewerkschaft stellt klar, dass kein Sozialplan Arbeitsplätze ersetzen könne.
Deutliche Kritik übten Beschäftigte auch am Auftreten der Lüneburger Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Viele empfanden es als mangelnde Rückendeckung, dass sie sich vor entscheidenden Verhandlungen öffentlich an die Seite des Arbeitgebers gestellt habe. Die kommunizierte Rettung von Arbeitsplätzen wird hinterfragt, da die 125 verbleibenden Stellen in Konstruktion bereits in der ursprünglichen Planung des Arbeitgebers vorgesehen waren.
Arbeitskampf wird unterbrochen
Die betriebliche Tarifkommission empfiehlt die Annahme des Verhandlungsergebnisses. Die Mitgliederversammlung hat am 12. Februar beschlossen, den Arbeitskampf zu unterbrechen und eine zweite Urabstimmung zur Beendigung des Streiks einzuleiten.