Tarifrunde mit klaren Forderungen
Die Beschäftigten der Textilindustrie Ost fordern in der aktuellen Tarifrunde 5 Prozent mehr Geld. Dabei gilt ein Mindestbetrag von 150 Euro, um besonders die unteren Einkommen zu entlasten. Darüber hinaus sollen die Ausbildungsvergütungen überproportional erhöht und die tarifliche Altersteilzeit verlängert werden. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 12 Monaten haben. Diese Forderungen hat der Vorstand der IG Metall auf Empfehlung der Tarifkommission beschlossen.
Eindeutiges Votum der Belegschaften
In den vergangenen Monaten haben die Beschäftigten in den Betrieben intensiv über mögliche Forderungen diskutiert. Zusätzlich hat die IG Metall eine Befragung durchgeführt, um ein aktuelles Stimmungsbild zu erhalten. Die Ergebnisse fallen eindeutig aus: Die Beschäftigten benötigen aufgrund der Preissteigerungen der letzten Jahre eine spürbare Verbesserung ihrer Einkommen.
“Gerade jetzt, wo die Industrie schwächelt, braucht es verlässliche Antworten”, erklärt Eileen Müller, Verhandlungsführerin der IG Metall. “Sicherheit beim Arbeitsplatz und beim Einkommen schafft Kaufkraft und sorgt dafür, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Es braucht Einkommen zum Auskommen. Die IG Metall-Forderungen sind notwendig und angemessen.”
Entlastung für untere Entgeltgruppen und Auszubildende
Die Forderung nach einem Mindestbetrag von 150 Euro soll sicherstellen, dass gerade die unteren Entgeltgruppen eine überdurchschnittliche Entlastung erhalten. Denn sie spüren die gestiegenen Lebenshaltungskosten besonders deutlich. Auch für die Auszubildenden soll die Vergütung überproportional steigen. Im Wettbewerb um den dringend benötigten Nachwuchs soll die Branche nicht weiter zurückfallen. Für die Kolleginnen und Kollegen, die sich dem Übergang in den Ruhestand nähern, ist eine Fortführung der tariflichen Altersteilzeit unerlässlich. Fast 100 Prozent der Befragten haben sie für unverzichtbar erklärt.
Hohe Wechselbereitschaft als Warnsignal
Die Befragung der Beschäftigten zeigt außerdem ein deutliches Bild zur Wechselbereitschaft in der Branche. Für weniger als ein Drittel der Beschäftigten ist ein Jobwechsel kein Thema. Die große Mehrheit denkt aber zumindest darüber nach, den Arbeitgeber oder sogar die Branche zu verlassen. “Das ist ein ernstes Signal für die Textilindustrie Ost”, betont Müller. “Wenn die Betriebe ihre Beschäftigten halten wollen, müssen sie jetzt liefern: mit fairen Einkommen und klaren Perspektiven.”
Tarifbotschafter begleiten die Tarifrunde
Die Vorbereitungen für die Tarifrunde laufen auf Hochtouren. In den Betrieben haben sich Beschäftigte als Tarifbotschafterinnen und Tarifbotschafter bereit erklärt, ihre Kolleginnen und Kollegen während der gesamten Tarifbewegung eng zu begleiten. Sie halten die Belegschaften über den Stand der Verhandlungen auf dem Laufenden, erklären die nächsten Schritte und spiegeln gleichzeitig die Stimmung aus den Betrieben zurück an die Tarifkommission. Außerdem holen sie ein Streikbekenntnis ein – für den Fall, dass es im März zu keiner Einigung mit den Arbeitgebern kommt.
Erste Verhandlung am 10. März
Die erste Verhandlung zwischen Arbeitgebern und Tarifkommission findet am 10. März in Chemnitz statt. Die Friedenspflicht endet am 31. März 2026. Ab dem 1. April 2026 sind Warnstreiks möglich.