1. Streik in der Unternehmensgeschichte
Wenn sich am Verhandlungstisch nichts mehr bewegt, bleibt nur der Arbeitskampf. Das gilt aktuell auch für die Vossloh Rail Services Deutschland GmbH. Nachdem der Arbeitgeber in der 3. Verhandlungsrunde die Gespräche unterbrochen und den Verhandlungstisch verlassen hatte, hatte die EVG die rund 200 Beschäftigten am Donnerstag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.
"Wir sind nach wie vor verhandlungsbereit", betonte EVG-Verhandlungsführer Justin Witzeck. Voraussetzung dafür sei jedoch ein verbessertes Angebot. Das bislang vorgelegte Volumen reiche nicht aus, um notwendige Verbesserungen, etwa bei den Zulagen, umzusetzen.
Für die Beschäftigten ist es das erste Mal, dass sie für ihre Forderungen in den Arbeitskampf treten. "Streiks gab es hier bisher noch nie", sagt Christoph Härle, betreuender EVG-Sekretär in Nürnberg. Umso größer sei die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen. Gemeinsam habe man die Forderungen erarbeitet, diese in Betriebsversammlungen diskutiert und zuletzt mit einer Lärmaktion zusätzlich bekräftigt.
Hochqualifizierte Arbeit für sichere Schienen
Die Beschäftigten leisten seit Jahren hochqualifizierte und verantwortungsvolle Arbeit. Sie sorgen dafür, dass das Schienennetz instandgehalten oder, wo nötig, erneuert wird. Allein für die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin hat die entsprechende Sparte von Vossloh rund 400.000 Meter Schiene geliefert. Ein Warnstreik mache sich daher schnell bemerkbar.
In den Werken Nürnberg und Leipzig werden Schienen exakt nach Kundenwunsch verschweißt, gepresst, gefräst und geschliffen. Bis zu 180 Meter lang können die Schienen sein, die aus mehreren Einzelstücken zusammengesetzt werden. Der aufwändige Schweißprozess erfordert höchste Präzision und strenge Sicherheitsvorkehrungen. Pro Schicht sind rund 25 Schweißungen üblich, sofern der Ablauf störungsfrei verläuft. Eine einzelne 180-Meter-Schiene wiegt bis zu 10 Tonnen und wird mit großen Kränen auf spezielle Waggons verladen, die anschließend zur nächsten Baustelle transportiert werden.
Bundesweite Beteiligung am Arbeitskampf
Am Donnerstag stand diese Arbeit still. An allen Standorten der Vossloh Rail Services Deutschland GmbH wurde gestreikt. In den Werken Nürnberg und Leipzig, im Werk Hamburg, wo Schleifsteine aufgearbeitet werden, sowie bei den mobilen Einheiten, die bundesweit Schienen austauschen und verlegen. Auch der Bereich HSG, der ein weltweit einmaliges Verfahren zum Schleifen von Schienen bei 80 km/h entwickelt hat, beteiligte sich zwischen 10.00 und 13:00 Uhr am Warnstreik. Gleiches gilt für die Kolleg*innen aus Bützow, Hannover sowie für Beschäftigte in Polen und Dänemark. Das ist ein deutliches Signal an den Arbeitgeber, die Forderungen ernst zu nehmen.
Verhandlungen scheiterten in 3. Runde
Dabei hatte alles vielversprechend begonnen. In der Auftaktrunde am 12. Februar 2026 gab es konstruktive Gespräche. Bereits in der 2. Runde am 26. Februar gerieten die Verhandlungen jedoch ins Stocken. In der 3. Runde am Dienstag, den 21. April 2026, verhärteten sich die Fronten endgültig. Der Arbeitgeber bot 2 mal 3,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 24 Monaten sowie zusätzlich 5 Prozent für eine Überarbeitung der Entgeltstruktur an und erklärte, damit seien alle EVG-Forderungen abgedeckt.
Dieser Einschätzung widersprach die EVG entschieden. Die Gewerkschaft hatte deutlich gemacht, dass ihre Forderung bei 2 mal 6 Prozent auf 2 Jahre liege. Für den Arbeitgeber war das nicht akzeptabel. Er brach die Verhandlungen ab.
EVG fordert Rückkehr an den Verhandlungstisch
"Ein solches Verhalten zeigt wenig Wertschätzung für die schwere und verantwortungsvolle Arbeit unserer Kolleg*innen", kritisierte Justin Witzeck. "Mit dem heutigen Warnstreik machen sie deutlich, dass sie ein verbessertes Angebot und eine weitere Verhandlungsrunde erwarten." Ziel der EVG bleibe ein guter Tarifabschluss am Verhandlungstisch. Nun liege es am Arbeitgeber, dafür die Voraussetzungen zu schaffen.
"Mit dem Warnstreik bei Vossloh setzen die Beschäftigten ein unmissverständliches Zeichen. Das zuletzt vorgelegte Angebot des Arbeitgebers ist weit von dem entfernt, was die Kolleginnen und Kollegen verdienen. Die EVG steht an ihrer Seite und unsere Forderungen sind klar und gerecht", erklärte EVG-Vorstandsmitglied Frank Skorzus.
“Wer tagtäglich hart arbeitet und für sichere und funktionierende Bahnanlagen sorgt, hat ein Recht auf angemessene Lohnsteigerungen. Gerade jetzt, angesichts der steigenden Energiekosten. Der Ball liegt beim Arbeitgeber. Wir erwarten, dass Vossloh am Verhandlungstisch ein ernsthaftes Angebot vorlegt. Und zwar eines, das die Leistung der Beschäftigten endlich angemessen anerkennt. Die Bereitschaft der Belegschaft zum Arbeitskampf ist ein deutliches Signal. Ihnen ist es ernst, und wir werden nicht lockerlassen.”