Deutscher Gewerkschaftsbund

26.11.2018

"Orte schaffen, um zu diskutieren"

einblick Dezember 2018

„Reden wir über…“ – 2019 startet der DGB seinen gesellschaftlichen Zukunftsdialog: Bundesweit werden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf hunderten Veranstaltungen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern die Themen diskutieren, die vor Ort bewegen.

Reiner Hoffmann eröffnet Zukunftsdialog

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann eröffnet die Auftaktveranstaltung des Zukunftsdialogs am 9. November in Berlin. Eingeladen waren die ehrenamtlichen Kreis- und Stadtverbände des DGB. DGB/Simone M. Neumann

Wie dieser Zukunftsdialog gestaltet werden kann und welche Themen vor Ort besonders auf den Nägeln brennen – darüber diskutierten am 9. und 10. November in Berlin rund 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einer Kick-Off-Veranstaltung. Mit dabei: Vertreterinnen und Vertreter aller Ebenen des DGB – vom Geschäftsführenden Bundesvorstand bis zu den Kreis- und Stadtverbänden. Denn die ehrenamtlichen Kreis- und Stadtverbände werden beim DGB-Zukunftsdialog der Ort der Debatte: Sie tragen den Dialog in die Fläche. Im kommenden Jahr werden in ganz Deutschland auf hunderten Veranstaltungen Ideen und Impulse der Menschen vor Ort gesammelt. Zusätzlich können sich Bürgerinnen und Bürger auf einer Dialog-Plattform online am DGB-Zukunftsdialog beteiligen.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann machte zum Beginn der Auftaktveranstaltung deutlich: „Der Zukunftsdialog ist das zentrale Projekt für den DGB in den nächsten vier Jahren.“ Der Dialog mit den Menschen vor Ort ist dabei kein Selbstzweck: In weiteren Schritten werden DGB und Gewerkschaften aus den Ergebnissen des Dialogs konkrete Ideen und Projekte für die Zukunft Deutschlands und Europas entwickeln. Die Gewerkschaften sind und bleiben gesellschaftspolitische Akteure – und echte Mitmach-Organisationen. „Wir haben allen Grund deutlich zu machen, wofür Gewerkschaften stehen. Denn, so selbstbewusst sollten wir sein: Dieses Land würde ohne Gewerkschaften anders aussehen“, so Hoffmann. „Wir sind die Experten dafür, die Arbeit der Zukunft zu gestalten. Und wir sind die Experten dafür, die Lebensbedingungen vor Ort sozialer und gerechter zu machen.“ Die Rechtspopulisten in Deutschland und Europa hingegen hätten „keine Antworten, sondern nur Irrwege zu bieten – das werden wir landauf, landab deutlich machen“.

Der DGB-Bundesvorstand diskutiert mit

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, seine Stellvertreterin Elke Hannack und die Bundesvorstandsmitglieder Annelie Buntenbach und Stefan Körzell diskutierten in einer "Fish Bowl"-Runde mit den Teilnehmenden. DGB/Simone M. Neumann

Mit der vor acht Jahren eingeführten ehrenamtlichen Ebene der Kreis- und Stadtverbände habe der DGB „ein totales Pfund“, sagte Dorothee Jürgensen, Geschäftsführerin der DGB-Region Oldenburg Ostfriesland, bei der Eröffnungsdiskussion zum Kick-Off. „Wir schaffen schon lange Orte, um zu diskutieren, um auf die Menschen zuzugehen, um sie nach ihrer Meinung zu fragen.“ Beim Zukunftsdialog werde es jetzt auch darum gehen, „das Gehörte zu nehmen und daraus Visionen zu entwickeln“.

Wie und zu welchen Zukunftsthemen DGB und Gewerkschaften gemeinsam mit den Menschen im Rahmen des Zukunftsdialogs Antworten entwickeln wollen – darüber diskutierten die TeilnehmerInnen des Kick-Offs intensiv zwei Tage lang in rund 30 Arbeitsgruppen. Die Auftaktveranstaltung spiegelte damit wider, was auch den Zukunftsdialog in den kommenden Jahren prägen wird: In der Diskussion Themen finden, Themen verdichten und konkrete Lösungen suchen. Die Themenpalette am 9. und 10. November in Berlin reichte dabei von neuen Arbeitszeitmodellen, über Wohnen, Rente und Bildungspolitik bis hin zu einer „Offensive für ein soziales Europa“.

Grafik Kreis- und Stadtverbände

Eine DGB-Studie zeigt, dass drei Viertel der DGB-Ehrenamtlichen berufstätig sind. DGB

Mit den bundesweit 350 ehrenamtlichen Kreis- und Stadtverbänden des DGB seien in den vergangenen acht Jahren „richtig gute, arbeitsfähige Strukturen etabliert“ worden, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack beim Zukunftsdialog-Kick-Off. In einem gemeinsamen Projekt hatten DGB-Bundesvorstand, DGB-Bezirke und Gewerkschaften Struktur und Arbeit der Kreis- und Stadtverbände evaluiert. Die Ergebnisse zeigen: Die ehrenamtliche Ebene des DGB ist vor Ort gut vernetzt – auch hinein in Betriebe und Verwaltungen: 73 Prozent der Vorstandsmitglieder sind aktive Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (siehe Grafik Seite 1). Doch die Evaluation hat auch gezeigt: Die Kreis- und Stadtverbände können noch deutlich jünger und weiblicher werden. Für DGB-Vize Elke Hannack ist klar: „Der Zukunftsdialog bietet eine herausragende Gelegenheit, als Gesamtorganisation noch besser und noch fokussierter zusammenzuarbeiten und uns in einem gemeinsamen Prozess über die nächsten Jahre weiterzuentwickeln.“

Die Debatten bei der Auftaktveranstaltung in Berlin hätten vor allem gezeigt, „wie vielfältig wir im DGB aufgestellt sind“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Wie unterschiedlich und spannend die verschiedenen Blickwinkel und Perspektiven sind, ist wirklich toll.“ Auch dieses Bild wird der Zukunftsdialog in die Fläche tragen: „Wir wollen mit dem Zukunftsdialog spürbar und erfahrbar werden vor Ort“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Klar sei deshalb: Die Kreis- und Stadtverbände werden die Unterstützung bekommen, die sie für ihre zentrale Rolle in diesem Prozess brauchen.


So geht’s weiter

Nach der Kick-Off-Veranstaltung am 9. und 10. November 2018 in Berlin erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Anfang Dezember eine umfangreiche Dokumentation der Ergebnisse. Im Januar gibt es dann weitere Material- und Info-Pakete für die DGB-Gliederungen vor Ort, mit denen sie ihre Zukunftsdialog-Aktivitäten für 2019 planen können.


Stimmen aus der Kick-Off-Veranstaltung

Porträt Fahrenholz

privat

"Ich fand den Start des Zukunfts-dialogs sehr konstruktiv. Besonders die Arbeit in den Gruppen war stark und die Stimmung war gut. Zudem war die Moderatorin im Plenum sehr erfrischend. Ich nehme vieles mit und werde in unserer Kreisverbands-Klausur darüber berichten."

Karin Fahrenholz-Krämer (ver.di), Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Mayen-Koblenz

 


 

Porträt Elsholz

privat

"Der Zukunftsdialogauftakt hat gezeigt, dass wir alle zusammen für dieselben Themen und Ziele eintreten. Es hat Spaß gemacht, zu debattieren und Ideen zu entwickeln. Grundlage dafür war unter anderem das durchdachte Konzept der Veranstaltung, aber auch der Respekt anderen Positionen gegenüber. Aus meiner Sicht war es ein gutes Wochenende."

Joachim Elsholz (IG BCE), Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Steglitz-Zehlendorf

 


 

Porträt Neumeier

privat

"Mich hat die Veranstaltung begeistert, ich nehme vieles mit aus Berlin. Es war die erste große Konferenz, die ich im Amt besucht habe. Die Diskussionen waren richtig gut. Aus meiner Sicht hätte es etwas länger sein können, um noch mehr Themen debattieren zu können."

Thomas Neumeier (GdP), Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Leipzig Land

 


 

Porträt Roßmann

privat

Vor dem Auftakt des Zukunftsdialogs war ich skeptisch, ob es gelingen kann, dass 400 Menschen etwas Produktives an einem Tag zustande bringen. Aber die Formate in den Arbeitsgruppen und im Plenum waren sehr gut strukturiert. Sie haben die Vielfalt des DGB zugelassen und vor allem Ergebnisse gebracht. Mir persönlich ist es wichtig, dass die Ehrenamtlichen Zugang zu einer digitalen Plattform erhalten, um sich zu informieren und auszutauschen.

Witich Roßmann (IG Metall), Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes Köln

 


 


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