Deutscher Gewerkschaftsbund

12.02.2018

Ausbildung: Mindestens 635 Euro im ersten Jahr

Wer während der Ausbildung wenig verdient, schmeißt schneller hin - auch deshalb ist es gut, dass die neue Bundesregierung eine Mindesthöhe für Ausbildungsvergütungen einführen will. Der DGB hat ausgerechnet, wie hoch eine solche Mindestvergütung sein muss, damit sie auch wirklich sinnvoll ist.

Hand schneidet Haare mit Kamm und Scheere

Colourbox.de

Auszubildende im Friseurhandwerk erhalten derzeit im ersten Ausbildungsjahr nur etwa 400 Euro pro Monat.

80 Prozent vom Durchschnitt

"Im Rahmen der Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) werden wir eine Mindestausbildungsvergütung im Berufsbildungsgesetz verankern": Das haben CDU, CSU und SPD beschlossen und in der Koalitionsvereinbarung festgehalten. Der DGB begrüßt dieses Vorhaben - und fordert eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 80 Prozent der durchnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung des jeweiligen Ausbildungsjahres.

Wenn man die Zahlen des Jahres 2017 zugrunde legt, bedeutet das: Auszubildende erhalten im ersten Ausbildungsjahr 635 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 696 Euro, im dritten Ausbildungsjahr 768 Euro und im vierten Ausbildungsjahr 796 Euro.

Mehr Geld für viele

Aktuell gibt es eine Vielzahl von Ausbildungsberufen, in denen die Bezehlung deutlich schlechter ist. Angehende Fleischer/innen etwa erhalten im ersten Lehrjahr zur Zeit gerade einmal 303 Euro. Bei Friseuren/Friseurinnen sind es 406 Euro, bei Hotelkaufleuten 585 Euro. Insgesamt würden Schätzungen zufolge rund 162.000 Jugendliche von der Einführung einer Mindestausbildungsvergütung profitieren und zum Teil deutlich mehr Geld bekommen als bisher.

Spiegel Online: Mindestlohn in der Ausbildung - Diese Azubis profitieren von der GroKo

Audio: WDR 5 Profit: "Wer soll das bezahlen? Mindestlohn für Azubis"

"Ein wirksames Instrument gegen Ausbildungsabbrüche“

Außerdem hätten sie bessere Chancen, ihre Ausbildung auch zu Ende zu bringen. „Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Im Friseurhandwerk starten pro Jahr im Schnitt etwas mehr als 10.000 Jugendliche ihre Ausbildung, aber nur gut 5.000 Azubis halten bis zur Prüfung durch. Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen. Damit ist weder Betrieben noch Jugendlichen geholfen. Eine Mindestvergütung für Azubis ist ein wirksames Instrument gegen Ausbildungsabbrüche.“  

Wertschätzung nicht nur auf dem Papier

Außerdem mache sie die Berufsbildung generell attraktiver, so Hannack: „Wir kämpfen seit Jahren für mehr Wertschätzung der dualen Ausbildung. Diese Wertschätzung darf sich aber nicht in Hochglanz-Imagekampagnen erschöpfen, die Jugendlichen müssen das auch spüren. Die Betriebe müssen ihrer Ausbildung ein Mindestmaß an Wertschätzung geben. Azubis sind kommende Fachkräfte, und nicht billige Arbeitskräfte."


 Weitere Infos:


Nach oben

Weitere Themen

"Wir ha­ben kein all­ge­mei­nes Kon­junk­tur­pro­blem, wir ha­ben ein In­ves­ti­ti­ons­pro­blem"
Yasmin Fahimi sitzt am Schreibtisch
DGB/Dominik Butzmann
Die Bundesregierung senkt die Wachstumsprognose, die Wirtschaft stagniert. Höchste Zeit, sich endlich von der lähmenden Schuldenbremse zu verabschieden, die Nachfrage durch massive Investitionen zu stärken und die Energiepreise zu dämpfen.
zur Webseite …

Ta­ri­fab­schluss: Mehr Geld für Leih­be­schäf­tig­te
Bauarbeiter mit Helm zeigt Faust
DGB/catalin205/123RF.com
Für die rund 700.000 Beschäftigten der Leiharbeitsbranche in Deutschland gibt es ab Oktober 2024 mehr Geld. Darauf haben sich die DGB-Gewerkschaften und der Gesamtverband der Personaldienstleister e.V. (GVP) geeinigt. In 2 Stufen steigen die Löhne um insgesamt 7,6 Prozent. Der Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn wird somit deutlich vergrößert.
Zur Pressemeldung

Stär­ke­re Ta­rif­bin­dung: Deut­li­che Mehr­heit sieht Po­li­tik in der Pflicht
Grafik mit Tarifvertrag-Icon auf roten Untergrund mit petrol-farbenen Pfeilen, die leicht nach oben zeigen.
DGB
Klares Signal für die Tarifwende: 62 Prozent der Beschäftigten wollen, dass sich der Staat stärker für eine höhere Tarifbindung einsetzt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage. DGB-Vorstand Stefan Körzel sieht darin einen eindeutigen Handlungsauftrag an die Bundesregierung für ein wirksames Bundestariftreuegesetz.
Zur Pressemeldung

#Ta­rif­wen­de: Jetz­t!
Infografik mit Kampagnenclaim "Eintreten für die Tarifwende" auf roten Untergrund mit weißen Pfeil, der leicht nach oben zeigt.
DGB
Immer weniger Menschen arbeiten mit Tarifvertrag. Die Tarifbindung sinkt. Dadurch haben Beschäftigte viele Nachteile: weniger Geld und weniger Sicherheit. Wir sagen dieser Entwicklung den Kampf an – zusammen mit unseren Gewerkschaften – und starten für dich und mit dir die Kampagne #Tarifwende!
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
einblick DGB-Infoservice hier abonnieren
DGB/einblick
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …