Deutscher Gewerkschaftsbund

26.03.2019
arbeitsmarkt aktuell 01/2019

Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention in Zahlen: Schule, Ausbildung, Beschäftigung

Eine inklusive Gesellschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen, leben und arbeiten: Das ist das Ziel der UN-Behindertenkonvention. Wie weit ist Deutschland von diesem Ziel entfernt? Die neue Ausgabe von "Arbeitsmarkt Aktuell" hat eine Bestandsaufnahme gemacht.

Kind mit Down-Syndrom und bemalten Händen

DGB/Denys Kuvaiev/123rf.com

Drei Schritte vor und zwei zurück: Die Bilanz nach zehn Jahren UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland ist mau. Zwar gibt es Fortschritte beim gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen, bei der inklusiven Ausbildung und beim Anteil der schwerbehinderten Beschäftigten in den Unternehmen und Verwaltungen. Das täuscht aber nicht über die schwerwiegenden Rückschritte hinweg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 26.3.2009 hat Deutschland die UN-BRK der Vereinten Nationen unterzeichnet und sich damit zur schrittweisen Umsetzung der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen verpflichtet.
  • Ziel der UN-BRK ist eine inklusive Gesellschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen, leben und arbeiten.
  • Im Schuljahr 2008/2009 wurden noch 18 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf an allgemeinen Schulen unterrichtet. In 2016/2017 waren es 39 Prozent. Ihr Anteil hat sich mehr als verdoppelt.
  • Es gibt jedoch große regionale Unterschiede: In Bremen werden 83 Prozent der Schüler mit Förderbedarf inklusiv beschult, in Bayern nur 26 Prozent.
  • Der Anteil schwerbehinderter Azubis an allen Azubis betrug 2016 1,4 Prozent. Damit sind sie in der betrieblichen Ausbildung unterrepräsentiert. Allerdings ist ihr Anteil im Vergleich zu 2009 leicht gestiegen.
  • Die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen ist seit 2009 gesunken, allerdings langsamer als die Arbeitslosenquote allgemein. Der Abstand zwischen beiden Gruppen ist dadurch gewachsen.
  • Bei der durchschnittlichen Dauer der Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen hat sich kaum etwas getan. Schwerbehinderte Menschen sind nach wie vor überwiegend langzeitarbeitslos.
  • Die Arbeitsmarktmaßnahmen für schwerbehinderte Arbeitslose wurden 2010 stark gekürzt. Die Kürzungen gingen und gehen weit über den Rückgang der Arbeitslosigkeit hinaus.
  • Insgesamt arbeiteten 2016 ca. 1,2 Millionen schwerbehinderte Menschen in Wirtschaft und Verwaltung, der Trend ist leicht zunehmend.
Grafik: Entwicklung der Förderquoten von Schülerinnnen und Schülern mit Förderbedarf an allgemeinen Schulen

DGB

Tabelle: Anteil schwerbehinderter Jugendlicher an Bevölkerung und in betrieblicher Ausbildung

DGB

Grafik: Entwicklung der Arbeitslosenquoten schwerbehinderter Menschen und allgemein

DGB


Die Studie zum Download
Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention in Zahlen (PDF, 379 kB)

Drei Schritte vor und zwei zurück – die Bilanz nach zehn Jahren UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland ist mau. Zwar gibt es Fortschritte beim gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen, bei der inklusiven Ausbildung und beim Anteil der schwerbehinderten Beschäftigten in den Unternehmen und Verwaltungen. Das täuscht aber nicht über die schwerwiegenden Rückschritte hinweg.


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