Demokratie entscheidet sich im Alltag
Wie stark eine Demokratie ist, zeigt sich nicht nur an Wahltagen. Im Alltag zeigt sich ihr Funktionieren daran, ob der Lohn reicht, ob Arbeit anerkannt wird, ob Menschen mitreden können und ob sie Respekt erfahren.
Gleichberechtigt und ohne Existenzängste am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung für Demokratie. Für die Gewerkschaftsbewegung ist Demokratie daher schon immer eng verknüpft mit der sozialen Frage.
Demokratie ist das Fundament von Arbeit, Wirtschaft und Zusammenleben. „Bürger, nicht Untertanen wollen wir sein!“ – so brachte Hans Böckler, der erste Vorsitzende des DGB, den gewerkschaftlichen Anspruch auf den Punkt. Er gilt bis heute: Beschäftigte sollen nicht nur von Entscheidungen betroffen sein. Sie müssen mitentscheiden können.
Kurz erklärt: Gewerkschaften und Demokratie
- Demokratie braucht soziale Sicherheit und Gerechtigkeit.
Wir setzen uns für gute Arbeit, faire Löhne, einen verlässlichen Sozialstaat und gesellschaftliche Teilhabe ein. - Demokratie gehört auch in die Arbeitswelt.
Wir stärken Mitbestimmung und demokratische Rechte im Betrieb und in der gesamten Wirtschaft. Beschäftigte müssen ihre Interessen gemeinsam vertreten und Veränderungen durchsetzen können. - Demokratie muss geschützt werden.
Wir stehen für Menschenwürde, gleiche Rechte und Solidarität. Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen von Menschenfeindlichkeit treten wir entschieden entgegen.
Demokratie am Arbeitsplatz und in der Wirtschaft
Respekt ist nicht nur eine Frage des Umgangstons. Respekt zeigt sich daran, ob Beschäftigte Rechte haben, ob sie gehört werden und ob sie mitentscheiden können.
Gewerkschaften haben über Jahrzehnte dafür gekämpft, dass Beschäftigte in Betrieben und Unternehmen mitbestimmen können. Diese Rechte wurden erkämpft. Jetzt müssen sie geschützt und weiterentwickelt werden – gerade in Zeiten großer Veränderungen in Wirtschaft und Arbeitswelt.
Demokratie darf nicht am Werkstor enden. Beschäftigte brauchen starke Betriebs- und Personalräte, Tarifverträge und gewerkschaftliche Rechte, um ihre Interessen zu vertreten und ihre Arbeitsbedingungen mitzugestalten.
Wer am Arbeitsplatz erlebt, dass die eigene Stimme zählt und gemeinsames Handeln etwas verändern kann, hat häufiger Vertrauen in die eigenen demokratischen Einflussmöglichkeiten. Betriebliche Mitbestimmung kann solche Erfahrungen stärken.
Dazu gehört auch, dass Betriebsratswahlen frei und ohne Einschüchterung stattfinden. Trotzdem versuchen manche Arbeitgeber, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern oder gewählte Interessenvertretungen zu behindern. Der DGB setzt sich dafür ein, Beschäftigte besser zu schützen und Verstöße gegen ihre Mitbestimmungsrechte wirksam zu verfolgen.
Demokratie für alle – unabhängig vom Pass
Betriebe sind Orte gelebter Demokratie. Bei Betriebsratswahlen können Beschäftigte grundsätzlich unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit wählen. Auch Menschen ohne deutschen Pass haben damit die Möglichkeit, ihre Interessenvertretung mitzubestimmen.
Wie groß die Beteiligung von Menschen mit ausländischen Wurzeln in den Gewerkschaften ist, zeigt eine Studie. Die Befragung der IG Metall von 2022 ergab, dass 24 Prozent der IG Metall-Mitglieder einen Migrationshintergrund haben. Bei den Mitgliedern im Betrieb liegt der Anteil mit 27 Prozent sogar höher.
Damit ist die IG Metall mit knapp 500.000 Mitgliedern mit Migrationshintergrund die größte politische Organisation in Deutschland, in der Menschen mit Migrationshintergrund ihre Interessen vertreten und sich einbringen können – und somit ein wichtiger Motor für die Integration von Menschen in Deutschland.
Gewerkschaften verbinden Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und politischer Überzeugungen. Was sie verbindet, sind gemeinsame Interessen und der Einsatz für gute Arbeitsbedingungen.
Gewerkschaften organisieren sich nicht nach Herkunft. Sie organisieren gemeinsame Interessen.
Gewerkschaften leben Demokratie
Auch die Gewerkschaften selbst sind demokratisch organisiert. Ihre Mitglieder wählen ihre Vertreter*innen und bestimmen den Kurs ihrer Organisation – vom Betrieb bis zu den Entscheidungen auf Bundesebene.
Als Einheitsgewerkschaften sind wir parteipolitisch unabhängig und offen für Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen, die unsere demokratischen Grundwerte teilen.
Gewerkschaften schaffen Gegenmacht. Sie bündeln Interessen, organisieren Beteiligung und setzen gemeinsam Verbesserungen durch: von höheren Löhnen über faire Arbeitszeiten bis hin zu mehr Sicherheit und Zukunftsperspektiven.
Gute Arbeit, soziale Sicherheit und Respekt
Demokratie braucht Vertrauen. Dieses Vertrauen entsteht dort, wo Menschen erleben, dass ihre Arbeit fair bezahlt wird, ihre Lebensleistung anerkannt wird und sie Einfluss auf ihre Arbeits- und Lebensbedingungen haben.
Viele Menschen sorgen sich um ihre wirtschaftliche Zukunft, um ihren Arbeitsplatz oder darum, ob sie sich ihr Leben noch leisten können. Wer trotz harter Arbeit kaum über die Runden kommt oder sich dauerhaft übergangen fühlt, kann auch das Vertrauen in Politik und demokratische Institutionen verlieren.
Die Forschung zeigt Zusammenhänge zwischen Zukunftssorgen, Erfahrungen von Ungerechtigkeit und politischer Entfremdung. Gleichzeitig haben demokratiefeindliche und rechtsextreme Einstellungen unterschiedliche Ursachen. Soziale Sicherheit allein kann diese Probleme nicht lösen.
Für den DGB gehören deshalb Demokratie-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammen. Wir setzen uns für gute Löhne, sichere Arbeitsplätze, bezahlbares Wohnen, öffentliche Investitionen und einen verlässlichen Sozialstaat ein. Die Beschäftigten müssen den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel mitgestalten und an seinen Ergebnissen teilhaben können.
Wer über Demokratie redet, darf über soziale Gerechtigkeit nicht schweigen.
Demokratie und Gerechtigkeit in Zahlen
Die Mitte-Studie 2024/25 der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt:
- 79 Prozent der Befragten bezeichnen sich als überzeugte Demokrat*innen.
- Nur 37 Prozent finden, dass es in Deutschland insgesamt gerecht zugeht.
Die Zahlen zeigen, dass eine breite Zustimmung zur Demokratie mit erheblichen Zweifeln an der gesellschaftlichen Gerechtigkeit einhergehen kann.
Demokratie schützen und verteidigen
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Die Geschichte der Gewerkschaften zeigt, was geschieht, wenn demokratische Rechte beseitigt werden.
Am 2. Mai 1933 zerschlugen die Nationalsozialisten die freien Gewerkschaften. Gewerkschaftshäuser wurden besetzt, Gewerkschafter*innen verfolgt, verhaftet und ermordet. Aus dieser Erfahrung erwächst für uns eine besondere Verantwortung, Demokratie, Menschenwürde und gewerkschaftliche Freiheit zu verteidigen.
Heute stehen demokratische Rechte und Institutionen erneut unter Druck. Rechtsextreme Akteure verbreiten menschenfeindliche Ideologien, schüren Ressentiments und versuchen, demokratische und gewerkschaftliche Strukturen zu schwächen. Auch in Betrieben und im digitalen Raum gibt es gezielte Einflussversuche, Einschüchterung und Desinformation.
Zugleich erleben Menschen, die sich öffentlich für Demokratie einsetzen, immer wieder Anfeindungen und Bedrohungen. Das betrifft auch Betriebs- und Personalräte, Gewerkschafter*innen und Engagierte in der Zivilgesellschaft.
Für uns als DGB ist klar: Wir stehen an der Seite derjenigen, die bedroht und ausgegrenzt werden. Wir verteidigen demokratische und gewerkschaftliche Rechte und treten gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit ein.
Dazu gehört auch, gesellschaftliche Konflikte offen und demokratisch auszutragen. Unterschiedliche Meinungen und Interessen gehören zur Demokratie. Die Würde und die gleichen Rechte aller Menschen sind dabei die gemeinsame Grundlage.
DGB/Hans-Christian Plambeck
Was wir als Gewerkschaften für die Demokratie tun
Demokratie gestalten
Wir setzen uns jeden Tag für gute Arbeit, soziale Sicherheit und mehr Mitbestimmung ein. Beschäftigte sollen ihre Interessen selbstbewusst vertreten können und Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen haben. Starke Gewerkschaften und demokratische Mitbestimmung schaffen dafür die Voraussetzungen.
Demokratie verteidigen
Wir stellen uns Rechtsextremismus und Angriffen auf demokratische und gewerkschaftliche Rechte entgegen. Dazu unterstützen wir Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte sowie haupt- und ehrenamtlich Engagierte. Mit Bildungs-, Beratungs- und Schutzangeboten stärken wir ihre Handlungssicherheit.
Vernetzen und unterstützen
Demokratie lebt vom Engagement vieler Menschen. Deshalb arbeiten wir mit Initiativen, Vereinen und Verbänden zusammen, unterstützen demokratische Netzwerke vor Ort und schaffen Räume für Begegnung und Austausch. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsgewerkschaften stärken wir diejenigen, die sich im Betrieb und in der Gesellschaft für Demokratie einsetzen.
Demokratie lebt vom Mitmachen
Demokratie braucht Menschen, die sich einbringen. Gewerkschaften bieten dafür viele Möglichkeiten – im Betrieb, vor Ort und gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Organisationen.
Im Gespräch bleiben
Mit Veranstaltungen, Gesprächsformaten und Aktionen suchen wir den direkten Austausch. Was beschäftigt die Menschen bei ihrer Arbeit? Wo erleben sie Ungerechtigkeit? Was müsste sich verändern? Gemeinsam wollen wir Antworten und Möglichkeiten entwickeln, etwas zu bewegen.
Gemeinsam mit der Zivilgesellschaft
Der DGB engagiert sich im bundesweiten Bündnis „Zusammen für Demokratie“. Gemeinsam mit zahlreichen Organisationen setzen wir uns für Menschenrechte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine offene, demokratische Gesellschaft ein. Auch lokale Initiativen und Bündnisse werden unterstützt.
Zum Bündnis „Zusammen für Demokratie“
Demokratie braucht Bildung
Politische Bildung gehört seit jeher zur gewerkschaftlichen Arbeit. Sie hilft Beschäftigten, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, ihre Rechte zu kennen und selbstbewusst zu handeln. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften bieten dazu zahlreiche Seminare, Workshops und weitere Bildungsangebote an.
Zu den Bildungsangeboten des DGB-Bildungswerks
Engagement sichtbar machen
Gewerkschafter*innen engagieren sich in zahlreichen Initiativen für Demokratie und gegen Diskriminierung. Ein Beispiel ist der gewerkschaftliche Verein „Mach meinen Kumpel nicht an!“. Mit dem Wettbewerb „Die Gelbe Hand“ zeichnet er unter anderem das Engagement von Auszubildenden, Berufsschulklassen und gewerkschaftlich Aktiven gegen Rassismus und Ausgrenzung aus.
Mach mit!
Unser Vorschlag an dich: Komm mit uns ins Gespräch. Was bewegt dich? Wo siehst du Probleme? Was möchtest du verändern?
Ob im Betrieb, in einer Gewerkschaft, bei Veranstaltungen oder Aktionen vor Ort: Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen und gemeinsam etwas zu bewegen.
Demokratie lebt davon, dass Menschen mitreden, mitentscheiden und gemeinsam handeln.
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