Deutscher Gewerkschaftsbund

13.10.2014

Armuts-Risiko von Kindern abbauen

Fast zwei Millionen Kinder leben in Familien, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. Entgegen dem Trend in der Gesamtbevölkerung ist das Armuts-Risiko von Kindern in Deutschland seit 2012 sogar wieder gestiegen. Der DGB fordert ein Aktionsprogramm, das den Kindern Perspektiven bietet – und den Eltern Arbeit ermöglicht.

Hände von Kind und Erwachsendem mit Münzgeld

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Eine Analyse des DGB zur Situation von Kindern in Haushalten, die auf Hartz IV angewiesen sind, zeigt: 1,9 Millionen Kinder in Deutschland leben auf "Hartz-IV-Niveau". Das ist etwa jedes siebte Kind hierzulande. Besonders frappierend daran: Während das Risiko, auf Hartz IV angewiesen zu sein, in der Gesamtbevölkerung seit 2012 stagniert, ist das Armutsrisiko im selben Zeitraum unter Kindern sogar wieder angestiegen.

Arbeitslosigkeit belastet Eltern – und damit auch die Kinder

Der DGB weist in dem Papier mit dem Titel "Kinderarmut und Elternarmut" vor allem darauf hin, dass Kinderarmut dabei immer stark von der Armut der Eltern abhängt, "die meist mit Erwerbslosigkeit oder prekärer Beschäftigung verbunden ist". Mit der Arbeitslosigkeit der Eltern "wachsen nicht nur die finanziellen Belastungen im Haushalt, sondern leidet oftmals die gesamte Familienstruktur", heißt es in der Analyse "Kinder erleben ihre Eltern in einer Situation der Beschäftigungslosigkeit, die schnell mit einer fehlenden Tagesstrukturierung einhergehen kann." Gerade arbeitslose Männer zögen sich teils stark zurück, worunter die Aufmerksamkeit gegenüber Kindern und Familie leiden könne. "Die Gefahr ist groß, dass die Vorbildfunktion der Eltern Schaden nimmt und mit der Belastung der Eltern auch die weitere Entwicklung der Kinder leidet."

Buntenbach: Kinder nicht im "Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft" leben lassen

"Es passt nicht zusammen, über Fachkräftemangel und Probleme des demografischen Wandels zu diskutieren und gleichzeitig zuzulassen, dass rund 1,9 Millionen Kinder im Hinterhof unserer Wohlstandsgesellschaft in Hartz-IV-Armut leben müssen", sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Die Daten sind eindeutig: Kinder sind deutlich häufiger als Erwachsene Hartz-IV-bedürftig. Das Armutsrisiko von Familien steigt mit der Zahl der Kinder – insbesondere die Gefahr, dauerhaft auf Hartz IV angewiesen zu sein."

DGB fordert Aktionsprogramm

Der DGB schlägt deshalb eine neue gesellschaftliche Initiative vor, die Kinder- und Elternarmut gemeinsam in den Fokus nimmt. "Arbeitslose Eltern im Hartz-IV-Bezug, die keinerlei Erwerbstätigkeit oder anderen tagesstrukturierenden Tätigkeiten nachgehen, müssen eine neue berufliche Perspektive erhalten", fordert Buntenbach. "Dabei geht es nicht zuletzt auch darum, ihre Vorbildrolle gegenüber ihren Kindern zu stärken. Wichtig sind das Prinzip der Freiwilligkeit sowie ein familienorientiertes Fallmanagement in den Jobcentern, das nicht auf Druck setzt. Die Jobcenter müssen dabei im Sinne eines Netzwerks von den Kommunen und örtlichen Akteuren wie den Sozialpartnern, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen unterstützt werden."

arbeitsmarkt aktuell 05/2014 (PDF, 463 kB)

Etwa jedes siebte Kind in Deutschland lebt auf "Hartz-IV-Niveau". Insgesamt gibt es hierzulande fast zwei Millionen Kinder in Familien, die von Hartz-IV-Leistungen abhängig sind. Die Armusquote unter Kindern hat entgegen dem allgemeinen Trend sogar leicht zugenommen. Der DGB fordert eine gesellschaftliche Initiative "Zukunft für Kinder – Perspektiven für Eltern".


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