Deutscher Gewerkschaftsbund

08.01.2016
Sonderauswertung DGB-Index Gute Arbeit

Junge Menschen im Job enorm unter Druck

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Einen sicheren Arbeitsplatz haben, sich mit eigenen Ideen einbringen und einer sinnvollen Aufgabe nachgehen: So wünschen sich junge Menschen ihren Job. Die Realität sieht oft anders aus: Viele arbeiten befristet, machen regelmäßig Überstunden und stehen stark unter Druck. Das zeigt eine repräsentative Studie zur Arbeitsqualität bei jungen Menschen.

Junge Frau lehnt depremiert an Regal

Colourbox.de

Wie arbeiten junge Menschen? Was erwarten sie von ihren Arbeitgebern? Und was müssen Unternehmen tun, um im Wettbewerb um Fachkräfte neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen? Um diese und andere Fragen geht es in der Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit im Auftrag der DGB-Jugend.  

Sicherheit ganz oben auf der Wunschliste

„Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu dem, was allenthalben zu hören ist von der Generation Y, die mehr Flexibilität wolle und der die Arbeit nicht mehr so wichtig sei wie das Privatleben“, sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. „Die Top1-Erwartung junger Menschen an ihren Arbeitgeber ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Genauso wichtig ist es vielen, sich selbst mit eigenen Ideen einbringen zu können und eine nützliche und gesellschaftlich sinnvolle Arbeit zu haben.“

Befristungen, Überstunden, Arbeitshetze: Die wichtigsten Ergebnisse

Mit der Realität hat das oft nichts zu tun: Viele junge Menschen sind mit ihrem Gehalt und ihrer Arbeitssituation unzufrieden. Einige Ergebnisse der Studie im Detail:

  • Über ein Viertel der jungen Beschäftigten unter 35 Jahren arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Bei den unter 25-Jährigen sind es sogar fast die Hälfte.
  • Junge Menschen sind mehr dreimal so oft befristet beschäftigt wie ältere.
  • 31 Prozent der jungen Beschäftigten verdienen weniger als 1.500 Euro brutto im Monat.
  • 52 Prozent der unter 35-Jährigen halten ihr Einkommen für nicht angemessen. Nur 8 Prozent sind mit ihrem Einkommen voll zufrieden.
  • Vor allem im Gastgewerbe (70,7 Prozent) und in Gesundheitsberufen (61,8 Prozent kommt es zu Belastungen durch nicht angemessene Einkommen.
  • In fast allen Branchen können junge Menschen keinen oder nur geringen Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitszeit nehmen.
  • 60,9 Prozent der jungen Beschäftigten machen regelmäßig Überstunden. Im Schnitt sind es 4,1 Stunden in der Woche.
  • Fast jeder Zweite (47,2 Prozent) arbeitet zu Zeiten außerhalb des Normalarbeitsverhältnisses, z.B. in Spät- oder Nachtschichten.
  • 52 Prozent fühlen sich bei der Arbeit „sehr häufig“ oder „oft“ gehetzt oder unter Zeitdruck. Besonders hoch ist die Belastung im Gesundheitswesen und im Bausektor.
  • 65,9 Prozent der jungen Beschäftigten sind in den letzten 12 Monaten krank zur Arbeit gegangen; 28 Prozent sogar mehr als 10 Tage.
Bessere Bedingungen durch Mitbestimmung

Die gute Nachricht: In Betrieben, in denen es Mitbestimmung gibt, werden die Arbeitsbedingungen deutlich besser eingeschätzt. „Unternehmen, die auch künftig erfolgreich im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wollen, müssen die Erwartungen junger Menschen ernst nehmen und ihre Arbeitsbedingungen deutlich verbessern“, so DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. „Eine sichere und gesellschaftlich sinnvolle Arbeit, eine hohe Arbeitszeitsouveränität für die Beschäftigten, ein gutes und faires Einkommen, etablierte Mitbestimmungsmöglichkeiten und eine gute Planbarkeit und damit Vereinbarkeit von Familie und Beruf – dies sind die wichtigsten Säulen eines modernen Arbeitsplatzes.“

 


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