Deutscher Gewerkschaftsbund

26.04.2011
Geburtsstunde des 1. Mai

125 Jahre Tag der Arbeit: Das Haymarket-Massaker von Chicago

Am 1. Mai 1886 begann in den USA ein mehrtägiger Generalstreik, um den Achtstundentag durchzusetzen. Tausende Arbeiter versammelten sich auf dem Haymarket in Chicago. Nach zwei Tagen eskalierte die Situation. Das Massaker gilt als Geburtsstunde des Tags der Arbeit.

Der 1. Mai galt in den USA traditionell als "Moving day", als Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen, häufig verbunden mit Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel. Der Achtstundentag sollte in die neuen Verträge aufgenommen werden. Dafür traten am 1. Mai 1886 rund 400.000 Beschäftigte aus 11.000 Betrieben der Nation in den Streik.

Zeitgenössische Buchillustration der Explosion auf dem Haymarket in Chicago

Zeitgenössische Darstellung der Explosion auf dem Haymarket von Chicago am 3. Mai 1886 Buchillustration: CPD Captain of Police Source: Anarchy and Anarchists, by Michael J. Schaack, 1889/Über: commons.wikimedia.org

Die größte Demonstration des Landes gab es in Chicago. 80.000 Menschen zogen Arm in Arm mit ihren Gewerkschaftsfahnen durch die Straßen der Stadt am Michigansee. Es waren friedliche Proteste. Doch zwei Tage später, am 3. Mai 1886, kam es erstmals zu Gewalt, als die Polizei mehrere Streikposten angriff und dabei tötete. Daraufhin protestierten Arbeiter auf dem Heumarkt von Chicago – dem Haymarket. Die Demonstration war beinahe zu Ende, nur noch rund 200 Menschen waren auf dem Platz, als 176 bewaffneten Polizisten eintrafen.

Die Täter wurden nie ermittelt

Wer die Bombe zündete, die das Massaker auslöste, konnte bis heute nicht geklärt werden. Die Polizisten gerieten durch die Explosion in Panik und schossen wild um sich. In der anbrechenden Dunkelheit trafen sie ihre eigenen Leute, vermutlich sieben Polizisten und vier Arbeiter kamen ums Leben, ein Polizist starb nachweislich durch die Bombe.

Am nächsten Tag wurde im ganzen Land das Kriegsrecht ausgerufen. In Chicago wurden Arbeiterführer verhaftet, ihre Häuser ohne Durch­suchungs­befehl gestürmt und Gewerkschafts­zeitungen verboten. Weltweit nutzten Regierungen den Vorfall, um gegen Gewerkschaften vorzugehen.

Der blutige Vorfall konnte den Kampf für den Achtstundentag nur vorübergehend unterbrechen. Eineinhalb Jahre später, im Dezember 1888, erklärten die in St. Louis versammelten Gewerkschafts­delegierten, unter ihnen zahlreiche deutschstämmige Einwanderer, erneut Streiks und Kundgebungen durchzuführen. Die Bewegung war nicht auf die USA begrenzt, im selben Jahr forderten zum Beispiel auch die französischen Gewerkschaften die Einführung des Achtstundentags.

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