Deutscher Gewerkschaftsbund

29.05.2018

Upgrade für Arbeitswelt und Gesellschaft

einblick Juni 2018

Unter dem Motto „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“ hat der 21. Ordentliche Bundeskongress des DGB den Kurs für die kommenden vier Jahre gesetzt. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann erinnert Bundeskanzlerin Merkel an ihr Versprechen zur Tarifbindung.

Stimmkarte OBK

DGB/Simone M. Neumann

Digitalen Kapitalismus zügeln

Die Gewerkschaften wollen den digitalen Kapitalismus zivilisieren und die Arbeitswelt durch mehr Tarifbindung und Mitbestimmung gerechter und fairer machen. Die soziale Sicherung in Deutschland und Europa soll ausgebaut werden. Das sind die zentralen Forderungen aus den Beschlüssen und Diskussionen des „Parlaments der Arbeit“.

Entschieden wandten sich die Delegierten in den Debatten auch gegen Populismus und rechte Parolen. Lösungen seien nicht deren Parolen, sondern eine gestärkte Demokratie und Investitionen in den handlungsfähigen Staat. Auch beim Thema Gleichstellung sendet der DGB-Kongress ein starkes Signal: Für alle Wahlämter im DGB gilt nun eine verbindliche Quote, die den Anteil von Männern und Frauen regelt.

Führungs-Quartett wiedergewählt: "gemeinsame Arbeit fortsetzen"

Bei den Wahlen erreichte der bisherige und nun neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann 76,3 Prozent der Stimmen. Der DGB-Vorsitzende nannte das Ergebnis „solide“ - trotz des Stimmenverlustes im Vergleich zu 2014. Die Delegierten auf diesem Bundeskongress hätten bestätigt, wie lebendig und vielfältig die Einheitsgewerkschaft seo . Mit der Kritik an seinem öffentlichen Eintreten für die Große Koalition könne er gut umgehen: „Diese Position zur Groko ist die Position aller acht Gewerkschaftsvorsitzenden“, erinnerte Hoffmann. Das Ergebnis sei „eine gute Grundlage“ für die kommenden vier Jahre. Hoffmann betonte zudem: „Ich bin als Chef eines Teams angetreten, das jetzt gemeinsam seine Arbeit fortsetzt.“ Seine Stellvertreterin Elke Hannack wurde mit 86,5 Prozent wiedergewählt. Annelie Buntenbach (81,2 Prozent) und Stefan Körzell (83,6 Prozent) wurden als Mitglieder im Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand im Amt bestätigt. In seiner Grundsatzrede nach der Wahl hat der DGB-Vorsitzende umrissen, welche Schwerpunkte der DGB in den nächsten Jahren setzen will. Neben dem Einsatz für Gute Arbeit und mehr Tarifbindung stünden die Veränderungen der Arbeits- und Lebensbedingungen durch die Digitalisierung im Fokus der nächsten Jahre, sagte Hoffmann. Für den DGB sei die Digitalisierung grundsätzlich nichts Schlechtes, betonte er.

Mobiles Arbeiten etwa „eröffnet die Aussicht auf eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben.“ Jedoch nur, „wenn daraus nicht grenzenloses Arbeiten wird“. Die Veränderungen böten Chancen, wie neue Arbeitsplätze zu besseren Bedingungen, ebenso wie Risiken durch einen radikalen Arbeitsplatzabbau. „Was wir erleben, ist die Entstehung eines digitalen Kapitalismus, den wir zivilisieren werden“, betonte Hoffmann. Ähnlich sieht es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der zur Eröffnung des Bundeskongresses konstatiert hatte, dass Technologie das Leben erleichtern könne: „Aber den Rahmen setzen wir.“

Aufgabe der Politik: Rahmen für Tarifbindung stärken

Mit Spannung wurde das Grußwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Mehrfach hatte sie in der Legislaturperiode öffentlich die Arbeit der Tarifpartner gelobt und sich für eine stärkere Tarifbindung ausgesprochen. Eine Antwort, wie das konkret aussehen soll, blieb Merkel auf dem Kongress allerdings schuldig. Im Westen liegt die Tarifbindung bei den Beschäftigten nach neuesten Zahlen nur noch bei 49 Prozent, in Ostdeutschland sind es 34 Prozent. Der DGB-Vorsitzende Hoffmann erinnerte die Kanzlerin nach ihrer Rede deutlich an ihr Versprechen, die Tarifbindung zu stärken.


Alle Beiträge, Videos, Fotos, Beschlüsse und Protokolle gibt es unter: www.bundeskongress.dgb.de


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