Am 27. Februar war "Equal Pay Day". Dieser Tag macht symbolisch auf den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied aufmerksam. Frauen verdienen durchschnittlich rund 16 Prozent weniger pro Arbeitsstunde als Männer. Der Zeitraum vom Jahresbeginn bis zum 27. Februar entspricht rechnerisch genau diesen 16 Prozent eines Jahres – bis zu diesem Datum erhalten Frauen also bildlich gesprochen keinen Lohn. Auch in 2025 gehörte Deutschland zu den Ländern mit den größten Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen in der Europäischen Union (EU).
Geringere Einkommen, häufigere – oft unfreiwillige – Teilzeitbeschäftigung sowie ein höherer Anteil unbezahlter Pflege- und Sorgearbeit prägen die Lebensrealität vieler Frauen.
Eine zentrale Stellschraube zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind Tarifverträge. Sie sorgen für höhere Einkommen, mehr Sicherheit und kürzere Arbeitszeiten. Frauen in tarifgebundenen Unternehmen verdienten im Jahr 2025 durchschnittlich 4,44 Euro mehr pro Stunde als Frauen in Betrieben ohne Tarifbindung. Im Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei, in dem mehr als eine halbe Million Frauen beschäftigt sind, beträgt der Mehrverdienst mit Tarif sogar 6,20 Euro pro Stunde, in der Informations- und Kommunikationsbranche knapp 6 Euro.
Zudem arbeiten Beschäftigte mit Tarifvertrag im Durchschnitt eine Stunde weniger pro Woche als Beschäftigte ohne Tarifbindung. Die Stärkung der Tarifbindung ist auch aus gleichstellungspolitischer Sicht von zentraler Bedeutung.
Allerdings arbeitet inzwischen nur noch etwa die Hälfte aller Beschäftigten unter einem Tarifvertrag. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich, dass die Politik sich stärker einbringen soll, um die Tarifbindung zu stärken. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes. 61 Prozent der Beschäftigten – bei den Frauen sind es sogar 67 Prozent – stimmen dafür, dass der Staat sich stärker für eine höhere Tarifbindung einsetzen soll. 69 Prozent der Beschäftigten – und 73 Prozent der Frauen – sind der Meinung, dass die Arbeitsbedingungen in Unternehmen durch Tarifverträge zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften vereinbart werden sollten und nicht individuell zwischen einzelnen Beschäftigten und ihrem Arbeitgeber.
Die Politik ist also gefragt: Doch statt die Bedingungen zu verbessern, reden Konservative frech von "Lifestyle-Teilzeit" und greifen den 8-Stunden-Tag an. Dabei ist nichts schädlicher für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als unkalkulierbare Arbeitszeiten. Die Abschaffung des 8-Stunden-Tages würde vor allem Frauen hart treffen.
Neben einer Stärkung von Tarifverträgen muss endlich die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Sie sieht vor, dass Arbeitgeber ab 100 Beschäftigten regelmäßig Informationen über das geschlechtsspezifische Lohngefälle veröffentlichen müssen. Wenn sich dabei eine Differenz von mindestens 5 Prozent ergibt, die sich nicht durch objektive, geschlechtsneutrale Kriterien begründen lässt, muss der Arbeitgeber die Ursache beseitigen.
Gemeinsam treten Gewerkschaften ein für Gleichstellung und Solidarität: Deshalb finden am 8. März – dem Internationalen Frauentag – in der gesamten Bundesrepublik zahlreiche Veranstaltungen unter dem Motto "Mitbestimmen. Mitgestalten. MehrWert Gleichstellung" statt. Hier geht es zum Aufruf.