Erbschaft- & Vermögensteuer: Gerecht ohne Nebenwirkung!

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Dachzeile klartext Nr. 02/2026

2026 wird ein Jahr zugespitzter Verteilungskonflikte. In den öffentlichen Kassen wird es knapper, beim Bund klafft bis 2029 eine Haushaltslücke von 172  Milliarden. Euro. Der Staat verschuldet sich für Aufrüstung und Infrastruktur. Die Bürger*innen müssen oft jeden Euro zweimal umdrehen.

Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen, die überreich sind und deren Vermögen weiter wächst. Laut Handelsblatt könnte es im laufenden Jahr sogar den ersten Billionär der Welt geben (eine 1 mit 12 Nullen!). Der Schweizer Großbank UBS zufolge leben in Deutschland so viele Milliardäre, wie in keinem anderen europäischen Land. Demnach ist das Vermögen der Milliardäre hierzulande 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 145,9 auf 692,1 Milliarden Dollar gewachsen. Der mittlere Haushalt in Deutschland besitzt einen verschwindenden Bruchteil dieser Milliardäre.

Besteuert werden Überreiche allerdings unterproportional. Eine Studie des Netzwerks Steuergerechtigkeit (NWSG) zeigt: Während ein Durchschnittspaar mit einem Bruttoeinkommen von 110.000 Euro eine Steuer- und Abgabenquote von 43 Prozent trägt, sind es bei der Familie eines Muster-Millionärs mit 1,6 Millionen Euro Einkommen nur 24 Prozent.

Erbschaften und Vermögen tragen nur 1,1  Prozent zum Steueraufkommen bei, während Lohn- und Mehrwertsteuer mit jeweils rund 30  Prozent die Hauptlast tragen. Eine kleine Minderheit häuft so immer mehr privaten Wohlstand an, während die Mehrheit mit maroden Schulen und bröckelnder Infrastruktur leben muss.

Die meisten Milliardäre in Deutschland verdanken ihren Reichtum geerbtem Unternehmensvermögen und nicht eigener Leistung. Die 2016er Erbschaftsteuerreform hat Firmenerben mit Tricks wie "Options-" und "Regelverschonung" sowie der "Verschonungsbedarfsprüfung" noch mehr privilegiert und ihre Spitzenposition damit gefestigt. Eine Auswertung des NWSG für 45 Großerben zeigt, dass diese 2024 insgesamt ein Vermögen von fast 12 Milliarden Euro erbten – worauf sie im Schnitt nur 1,5 Prozent Steuern zahlten. Der Staat verzichtete durch die Privilegien zugunsten dieser Gruppe auf 3,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Riesige Vermögen werden nahezu steuerfrei vererbt, während die breite Bevölkerung höhere effektive Steuersätze tragen muss.

Es ist gut, dass jetzt auch die SPD angekündigt hat, die teuren Ausnahmen für reiche Unternehmenserben weitgehend abschaffen zu wollen. Für das Gejammere der betroffenen Lobby-Verbände, eine angemessene Besteuerung dieser Erben gefährde den Bestand von Unternehmen, gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Ohnehin sieht der SPD-Vorschlag neben einem 5 Millionen schweren Extra-Freibetrag für reiche Unternehmenserben sogar weitere Stundungsmöglichkeiten vor. Auch die Wiedererhebung der Vermögensteuer ist für das Allgemeinwohl notwendig. Und auch hier sind die "Gegenargumente" meist nur plumpe Panikmache. Die Studie "Keine Angst vor Steuerflucht" entkräftet etwa mit Beispielen die Behauptung, Vermögende könnten im Falle einer Besteuerung in Scharen außer Landes fliehen.

Die Debatte um gerechtere Steuern und faire Vermögensverteilung muss dieses Jahr endlich Fahrt aufnehmen. Sie ist elementar für die erfolgreiche und demokratische Entwicklung nicht nur unseres Landes. Bei einer Veranstaltung von der Friedrich-Ebert-Stiftung, uns und anderen, die am 27. Januar 2026 in Berlin stattfindet, lässt sich verfolgen, wie diese Fragen international diskutiert werden. Gabriel Zucman, der für die G20-Staaten einen Vorschlag zur Mindestbesteuerung Megareicher erarbeitet hat, wird dabei sein neues Buch vorstellen. Zur Anmeldung geht es hier.

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